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„Wahlkampf für normale Bürger“ Coße in Lotte wie Rau: Versöhnen statt spalten

Von Thomas Niemeyer | 21.08.2013, 16:30 Uhr

Mit seinem Antrittsbesuch im Lotter Rathaus ist SPD-Bundestagskandidat Jürgen Coße etwas spät dran. Aber in seinen Funktionen als Steinfurts stellvertretender Landrat, SPD-Kreisvorsitzender, Euregio-Vizepräsident und im Vorstand des Kreissportbundes hat er Kennenlern-Termine hier nicht mehr nötig.

Noch ganz unter dem Eindruck der 150-Jahr-Feier der Sozialdemokratie am Wochenende in Berlin sprühte der just 44 Jahre alt gewordene Neuenkirchener vor Elan, als er auf Bürgermeister Rainer Lammers, SPD-Ratsfraktionschef Thomas Giebel und Wersens Ortsvorsitzenden Hermann Brandebusemeyer traf. Macht Coße am Ende der Wahlkampf Spaß?

Wenn er Fragebogen von Lobbygruppen abarbeite, sei der Spaß begrenzt, räumt er ein. Deshalb konzentriere er sich auf die wirklichen Anliegen der „ganz normalen Bürger“. Welche das sind? „Wie kann ich gesund alt werden und mir ein anständiges Leben auch finanziell leisten?“ Das sei im Kern die Botschaft, die er aus etlichen Hausbesuchen in diesen Tagen mitgenommen habe.

Und da stecke thematisch doch alles drin: Sozialpolitik, Rente, Arbeitsmarktpolitik, Mindestlohn, Gesundheitspolitik – alles Kernanliegen der SPD. Als Personalratsvorsitzender des Steinfurter Jobcenters GAB ist Coße da ganz in seinem Element. Arbeitsvermittler, sagt er, erlebten die Schattenseiten unserer Gesellschaft besonders intensiv: Schulden, Schicksalsschläge, Scheidung, Suchtprobleme, Ausbildungsdefizite. „Und es handelt sich um Menschen, die unsere Unterstützung brauchen, nicht um Fälle oder Nummern.“

Jürgen Coße bestreitet dabei nicht, dass es den Deutschen vergleichsweise gut gehe. Das dürfe aber nicht zu Selbstzufriedenheit führen. Frei nach Peer Steinbrück: „Die SPD macht den Menschen ein Angebot, die noch etwas vorhaben. Und es gibt immer etwas zu verbessern.“

Apropos Steinbrück: Der war auf Coßes Einladung in Saerbeck, Sigmar Gabriel in Altenberge; Ralf Stegner und Klaus Wiesehügel waren auch zu seiner Unterstützung im Wahlkreis. Offenbar hat die SPD-Parteizentrale die Bedeutung des umkämpften Wahlkreises erkannt.

Aber Haudrauf-Parolen gegen die konkurrierenden Parteien und speziell CDU-Gegenkandidatin Anja Karliczek sind von Coße nicht zu hören. Seine Grundbotschaft ist beim früheren Ministerpräsidenten Johannes Rau entlehnt: „Versöhnen statt spalten.“ Bei Coße heißt das: „Wir müssen unsere wirtschaftliche Stärke und Gerechtigkeit zusammenführen – so viel Markt wie möglich, so viel Staat wie nötig.“ Und bei der Umwelt: „Ökologie und Ökonomie zusammen, nicht gegeneinander.“ Konkret: Bei den erneuerbaren Energien sei Deutschland gut. Das sei eine Chance für unser Klima und könne Industriearbeitsplätze schaffen und sichern.

Auch für seine Genossen in Lotte hat er Botschaften dabei. So wolle die SPD die Kommunen finanziell entlasten, indem sie beispielsweise die steigenden Kosten der Behindertenhilfe auf den Bund übertrage. Die Lotter Kooperation mit Westerkappeln beim Thema Schule lobt Coße als vorbildlich für viele andere Kommunen.

Auch von den Anstrengungen der Gemeinde für die Jugend zeigt sich Coße beeindruckt, will sich aber nicht in die aktuelle Auseinandersetzung um den Jugendraum in Büren einmischen: „Ich hoffe, dass man gemeinsam eine Lösung findet, mit der alle Beteiligten gut leben können. Da habe ich volles Vertrauen in den Bürgermeister. Die Anliegen von Jung und Alt sollten nicht gegeneinander ausgespielt werden.“

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