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Umweltaussschuss tagt Wird Lotte Teil des „plastiktütenfreien Kreis Steinfurt“?

Von Frank Wiebrock | 27.09.2016, 15:41 Uhr

Wird auch die Gemeinde Lotte an dem im April vom Kreistag beschlossenen Projekt „Plastiktütenfreier Kreis Steinfurt“ teilnehmen? Die Chancen stehen gut: Schließlich werden weder verbindliche Zusagen noch gar ein finanzielles Engagement von den teilnehmenden Kommunen erwartet.

Und wer will unter diesen Umständen bei der guten Sache auch schon abseits stehen? In 18 der 24 kreisangehörigen Kommunen steht laut Kreisverwaltung in den lokalen Stadt- und Gemeinderäten der Beschluss, selbst „plastiktütenfrei“ zu werden, zumindest auf der Tagesordnung (Stand September 2016). Am Dienstag beschäftigt sich in Lotte zunächst der Umweltausschuss mit dem Thema, bevor am Donnerstag, 6. Oktober, der Rat das letzte Wort hat.

Was steckt hinter der Aktion? Obwohl die Plastiktüte moralisch eigentlich längst geächtet ist, verwendet jeder Einwohner nach Angaben des Umweltbundesamtes etwa 71 Einwegkunststofftüten jährlich. Nicht nur aus Sicht des Kreises Steinfurt ist die Plastiktüte damit das Symbol einer Wegwerfgesellschaft. Schließlich brauchen die Tüten bis zu 500 Jahre, um vollständig zu zerfallen, verschmutzen in der Zwischenzeit zunehmend die Meere und gefährden die Tierwelt. Darüber hinaus wird für die Produktion von Plastiktüten Rohöl benötigt, durch das große Mengen klimaschädliches Kohlendioxid anfallen. Das Ziel der Aktion: Handel und Kunden dazu bewegen, auf Plastiktüten zu verzichten oder zumindest kompostierbare Biobeutel zu benutzen. Kurz: Das altbewährte „Jute statt Plastik“, auch wenn die meisten Beutel aus Stoff und nicht aus Jute sind.

Und damit das Zustimmen leichtfällt, hat der Kreis Steinfurt nicht nur gleich eine Beschlussempfehlung zum Download vorbereitet, sondern den Text auch vergleichsweise unverbindlich und damit insgesamt folgenfrei gehalten.

Wer will schon dagegen stimmen, dass auch die Gemeinde Lotte das Projekt plastiktütenfreier Kreis Steinfurt „begrüßt“? Oder dass die Gemeinde „im Rahmen ihrer Möglichkeiten“ auf einen „freiwilligen Verzicht“ der Verbraucher hinwirkt und dabei insbesondere die Kitas, Schulen, die örtliche Wirtschaft, den Handel und natürlich die Werbegemeinschaften „einbezieht“. Immerhin, eine Vorgabe lässt wenig Interpretationsspielraum: „Die Gemeinde übernimmt selbst eine Vorbildfunktion.“

Ein weiterer Aspekt, der das Zustimmen leichter machen dürfte: Finanzielle Auswirkungen auf den Gemeindehaushalt hat der Beschluss zunächst nicht. Ganz im Gegenteil: Der Kreis will den teilnehmenden Kommunen eine noch offene Zahl von Taschen kostenlos zur Verfügung stellen. Weitere Taschen können dann zwar nicht kostenlos, aber doch „kostengünstig“ nachbestellt werden. Daneben will das Amt für Klimaschutz Materialien für begleitende Bildungsangebote bereitstellen.

Es spricht also nichts gegen eine Teilnahme an dem Projekt. Und die Gemeinde Westerkappeln hat ja schließlich auch schon zugestimmt ...