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„Sportler 4 a childrens world“ verhelfen Südafrikaner zum Start beim Berlin-Marathon Er hat einen Traum – und verwirklicht ihn

Von Ursula Holtgrewe | 19.09.2011, 14:50 Uhr

„I have a dream (Ich habe einen Traum)“, beginnt der Südafrikaner Josia Mokgoadi wie einst Dr. Martin Luther-King. Er erzählt von seinem Sportclub für Kinder und Jugendliche, um sie von der Straße zu holen. Mokgoadi ist seit dem 8. August Gast in der Bürener Familie von Helmut Hörnschemeyer – ein Kontakt, der im Vorjahr beim Benefizlauf nach Südafrika entstand. Da unterstützte der Verein „Sportler 4 a childrens world“ das terre-des-hommes-Projekt „Woz’obona“ im Bundesland Limpopo.

Damals holte der Marathonläufer Josia Mokgoadi, der zu Hause Jugendlichen hilft, mit Laufen die Freizeit sinnvoll zu gestalten, die Deutschen vom Flughafen ab und begleitete sie läuferisch. Nun waren es die Bürener, die den passionierten Marathonsportler in Frankfurt empfingen. Mit offenen Augen und Herzen lässt sich der begeisterungsfähige Gast aus dem Landkreis Sekhukhune im Limpopo auf das Abenteuer Deutschland ein.

„Die Dächer sind ganz anders als bei uns“, fällt dem Mann auf, der sich auch in dichter Bebauung und verkehrsreichen Siedlungen zurechtfinden muss. Er hat sich schnell eingelebt, zumal die Küche sehr ähnlich ist. Josia fühlt sich wohl – auch wegen der herzlichen Aufnahme von „s4acw“-Geschäftsführer Helmut Hörnschemeyer, seiner Frau Zemira, Tochter Claudia plus Schwiegersohn Mark Grace und der Freundlichkeit und Offenheit aller, denen er bislang begegnet ist.

„I had a dream (Ich hatte einen Traum)“, erinnert sich der 40-jährige Josia an das Jahr 1988. Als kleiner Junge träumte er, einmal in seinem Leben an einem der großen Marathonläufe teilzunehmen. „Berlin ist einer der weltweit größten“, sagt er mit Vorfreude auf das kommende Wochenende. „Das ist für mich wie eine Olympiateilnahme und sehr wichtig für meine Läuferkarriere“, ergänzt er lächelnd.

Als die Vereinsmitglieder im vergangenen Jahr von dem Herzenswunsch hörten, stand für sie fest: „Wir versuchen zu helfen.“ Wo immer sich die Gelegenheit bot, sammelten sie Geld. „Wir als Privatleute haben Reise und Aufenthalt organisiert“, freut sich Marc Grace, der in Südafrika gleichfalls mitgelaufen ist, über den Erfolg.

Die guten Kontakte zur deutschen Botschaft in Pretoria waren hilfreich, damit Josia ein Visum erhielt; allerdings erst, als dieser schriftlich begründete, warum er zurückkehren werde – und weil die Diplomaten den Vereinsvertretern vertrauen. Für Bürgermeister Mr. Hatlala und alle, die ihn in Sekhukhune kennen, ist Josia Mokgoadi schon jetzt ein Held, nicht nur weil er bereits Nelson Mandela getroffen hat, sondern: Weiße aus Deutschland helfen einem Schwarzen, dessen Träume zu realisieren. „Ich hoffe, du repräsentierst Südafrika, Limpopo und Sekhukhune gut“, schrieb Mr. Hatlala in einer E-Mail nach der Ankunft und freute sich über Berichte und Fotos von Josia.

„Ich kann meine Glücksgefühle, hier zu sein, nicht in Worte fassen. Ohne den Verein hätte ich die Chance nicht bekommen. Sie haben mich in der Heimat zum Star gemacht“, sagt Josia ein wenig ergriffen und ergänzt schmunzelnd: „Mit 40 fängt das Leben erst richtig an.“

Helmut Hörnschemeyer und Mark Grace haben sich Urlaub genommen und zeigen dem Gast Osnabrück und die Umgebung. Wichtig für die Tätigkeit zu Hause sind für Josia Besuche beim Training des VfL Osnabrück an der Illoshöhe und im Kinderhospital, um sich über Trainingsmethoden und Förderungen der Psychomotorik zu informieren. „Ich möchte meine Kenntnisse erweitertern und damit meine Arbeit zu Hause verbessern. Auch habe ich in Afrika an einer Sportakademie studiert und ein Zertifikat bekommen. Das dort und auf dieser Reise Gelernte möchte ich unbedingt der Gesellschaft zu Hause zurückgeben“, beschreibt Josia Mokgoadi die offenbar endlose Aufnahmebereitschaft für alles Neue.

Er hat es sich zur Aufgabe gemacht, mit Jugendlichen in seiner Heimat zu laufen. „Sport ist mein Leben. Es ist wichtig, Kinder und Jugendliche für Sport zu motivieren und ihnen zu zeigen, wie sinnvoll es ist, Ziele zu haben. Mein Motto ist: Sport statt Kriminalität“, sagt Josia.

Gern würde er Sportwissenschaften studieren. Das kann er aus eigener Kraft aber nicht finanzieren. Ob die Kontakte in Deutschland dabei helfen, ist ungewiss. Sicher ist der Start beim Berlin-Marathon, auf den er sich rund um Büren mit täglich zehn Kilometern vorbereitet.

Am kommenden Wochenende schnürt er sich, wie schon jüngst beim Osnabrücker Handwerkerlauf, die gelben Siegerschuhe. Stolz zeigt er das Paar, das er in „Uli’s Läufershop“ geschenkt bekam. In Berlin kann er voraussichtlich wie beim Münster-Marathon in der Nacht vor dem Start nicht richtig schlafen. Zum Frühstück gönnt er sich nur sechs volle Esslöffel Zucker. Während des Laufes wird er rund vier Stunden lang nichts trinken, nur einige Kohlehydrate zu sich nehmen.

Und wer weiß, vielleicht steht Josia Mokgoadi eines Tages vor seinem Sportclub und sagt einmal mehr: „I had a dream.“