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Solarstrom für Kläranlagen gut Lotte: Untersuchung im Ausschuss vorgestellt

Von Angelika Hitzke | 11.06.2015, 18:30 Uhr

Sowohl an der Kläranlage Lotte, als auch an der Kläranlage Wersen ist eine wirtschaftliche Nutzung von Photovoltaikanlagen möglich. Zu diesem Ergebnis kommt die im Zuge der Umsetzung der energetischen Studie für den Abwasserbetrieb beauftragte und von der Osnabrücker Firma Sunconcept durchgeführte Untersuchung. Die stellte Sunconcept-Geschäftsführer Alois Plüster jetzt im Betriebs- und Beteiligungsausschuss der Gemeinde vor.

Seit 15 Jahren befasse sich seine Firma mit Photovoltaik. Die Technik sei ausgereift. Bei einem heutigen Strombezugspreis von 15 bis 27 Cent pro Kilowattstunde (kWh) sei Solarstrom für wesentlich weniger, nämlich für 8 bis 13 Cent/kWh, zu erzeugen, schickte Plüster voraus.

Untersucht worden sei, ob sich die beiden Kläranlagen-Standorte für Photovoltaikanlagen eignen und ob die Erzeugung von Solarstrom unter Berücksichtigung der Kosten-Nutzen-Relation und einer auf der Basis des heute von der Gemeinde Lotte zuzahlenden Bezugspreises von 19 Cent/kWh „konservativ“ hochgerechneten Strompreisentwicklung wirtschaftlich ist.

Mögliche Leistung

Ergebnis der Untersuchung: An der Kläranlage Lotte könnte mit einer Investition von rund 26 000 Euro auf dem Dach des Gebäudes eine Photovoltaikanlage mit einer Leistung von 15,81 Kilowatt Peak (kWp, Bezeichnung für die elektrische Leistung von Solarzellen, Red.) installiert werden. Der von ihr erzeugte Strom würde zu 100 Prozent in den Eigenverbrauch fließen und damit knapp fünf Prozent des derzeit netzbezogenen Stroms regenerativ ersetzen. An der Zentralkläranlage Wersen ist für eine Investition von rund 135000 Euro eine deutlich höhere Solarstrom-Leistung von rund 90 kWp umsetzbar. Die ohnehin geplante Überdachung des Klärschlammsammelplatzes erlaube die Installation einer 45,90-kWp-Anlage. Auf dem Pfannendach des Hauptgebäudes und auf der Betonplattenabdeckung des Rührbeckens könnten weitere Module mit je rund 22 kWp Leistung in Betrieb genommen werden. Der so erzeugte Strom würde zu knapp 85 Prozent in den Eigenverbrauch der Kläranlage gehen und damit rund 25 Prozent des netzbezogenen Stroms ersetzen, erläuterte Plüster.

Seine Wirtschaftlichkeitsprognose auf 25 Jahre – die Leistungsgarantie der Solarmodule – geht bei einem Eigenkapitalanteil von 20 Prozent und einer natürlich nur vorsichtig abzuschätzenden Kostenentwicklung für Bezugsstrom von einer jährlichen Rendite von rund neun Prozent aus. Plüsters Empfehlung: „Heute investieren und einen Teil der Stromversorgung für die nächsten 25 Jahre kostenstabil halten.“

Klimaschutzeffekt

Zur Wirtschaftlichkeit, so betonte der Ingenieur und Geschäftsführer abschließend, komme noch der Umwelt- und Klimaschutzeffekt von knapp 60 Tonen CO2-Einsparung pro Jahr.

Erfreut nahmen die Vertreter aller Fraktionen zur Kenntnis, dass der Einsatz von Photovoltaikanlagen in beiden Kläranlagen also in doppelter Hinsicht sinnvoll ist: „Wir sollten es auch tun“, so Manfred Garwels (SPD). Stefan Franke (Grüne) erinnerte daran, dass das Jamaika-Bündnis aus CDU, Grünen und FDP den Anstoß gegeben habe, drängte aber darauf, die Mittel dafür nicht erst wie in der Beschlussvorlage vorgesehen im Wirtschaftsplan 2016, sondern schon in diesem Jahr bereit zustellen. „Wir sollten möglichst bald anfangen“, meinte auch Werner Schwentker (CDU). Das Gremium sprach sich schließlich einstimmig dafür aus, die Umsetzung zügig zu realisieren und noch in diesem Jahr außerplanmäßige Mittel für Planung, Kostenermittlung, Ausschreibung und Auftragsvergabe bereit zu stellen. Spätestens im Frühjahr 2016, so der Konsens, sollen die Anlagen installiert sein.

Unabhängig davon sollen Alternativen zur vorhandenen Heizungstechnik in den beiden Kläranlagen noch näher untersucht werden.

Grünpflegeplan

Einstimmig bei einer Enthaltung nahm der Ausschuss den von Servicebetriebsleiter Hans-Georg Kunkemöller erläuterten vorläufigen Pflegeplan für die Grünflächen der Gemeinde Lotte zur Kenntnis und beschloss, dessen Umsetzung und Anpassung zu vereinbaren. Wie Kunkemöller berichtete, entspricht der Personalbedarf von 5788 Stunden im Jahr 0der 4,1 Arbeitskräften für die Unterhaltspflege der jetzigen Besetzung des Servicebetriebs. Als Organisationshilfe für die Grünflächenpflege müsse der Plan aber flexibel sein und ständig fortgeschrieben werden, betonte er. So müssen zum Beispiel derzeit noch fehlende Straßen aufgenommen werden. Nachzudenken sei auch über eine pflegeleichte Gestaltung der Ortseingänge und eine stärkere Förderung von Beetpatenschaften.

Stefan Franke kritisierte, dass Beetpatenschaftsinteressenten, die sich bei der Gemeindeverwaltung gemeldete hätten, nicht zurückgerufen worden seien.

Kritik an der Verwaltung

Kritik an der Verwaltung war bereits ganz zu Anfang der Sitzung bei der Feststellung der ordnungsgemäßen Ladung laut geworden: „Zum wiederholten Mal“, so Franke, sei die Ankündigung der Sitzung im Gemeindeblatt versäumt worden. Ausschussvorsitzender Horst Petersson (CDU) monierte, dass zunächst unklar gewesen sei, ob Beschlüsse überhaupt rechtsgültig seien, weil sich Geschäftsordnung, Hauptsatzung und Gemeindeordnung NRW in der Frage widersprechen, ob Ort, Zeit und Tagesordnung zwingend zuvor im Gemeindeblatt veröffentlicht sein müssen. Die Kommunalaufsicht habe aber bestätigt, dass dies im Gegensatz zu Ratssitzungen für Ausschusssitzungen nicht der Fall sei. Die Sitzung könne also durchgeführt werden, Beschlüsse seien rechtskräftig.

Bürgermeister Rainer Lammers entschuldigte sich dafür, dass in beiden Fällen wegen des Feiertags in der jeweiligen Woche nicht an den vorverlegten Anzeigenschluss gedacht worden sei und die Mitteilungen deshalb nicht fristgerecht erfolgten: „Das ist bedauerlich, war aber keine Absicht. Das soll nicht wieder vorkommen.“