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Sicherheit der Kinder geht vor „Gelbe Füße“ für die Bahnhofstraße in Lotte?

Von Ursula Holtgrewe | 21.05.2015, 10:56 Uhr

Ein Zebrastreifen zur Schulwegsicherung über die Alt-Lotter Bahnhofstraße wurde abgelehnt. Nun favorisieren Eltern an der Stelle „Gelbe Füße“, damit ihre Kinder sucher zur Schule kommen.

Clara, Lena und Melina gehen in die 1b der Alt-Lotter Grundschule – aber ein gutes Stück des Weges noch immer begleitet von Erwachsenen. Dort, wo die Kinder die verkehrsberuhigte Bahnhofstraße überqueren, sind besonders morgens viele Autos unterwegs. Schüler müssen bis auf die Straße gehen, um Einsicht zu nehmen. Eltern wünschen sich dort einen Zebrastreifen. Das lehnt die Verkehrsbehörde ab. Die Eltern favorisieren nun, Autofahrer mit „Gelben Füßen“ auf die jungen Fußgänger hinzuweisen.

Kinder, die aus dem Bereich Cappelner Straße kommen und diesen Schulweg nehmen, gehen über einen Weg entlang der Sonnenterrasse der Pizzeria „Soave“. Die Parkplätze an der Bahnhofstraße sind belegt. Die Straße macht nach Norden hin einen kleinen Bogen. Häufig stehen Kinder auf der morgens besonders stark befahrenen Straße, wenn sie Überblick über den Verkehr erhalten möchten.

Für Kinder schlecht einzuschätzen

„Es ist doch so, dass Kinder Entfernungen und Geschwindigkeiten noch nicht richtig einschätzen können. Andererseits sehen Autofahrer kleine Kinder, die zwischen parkenden Autos hindurch gehen, meist erst sehr spät“, berichtet Katja Erkes. „Deshalb haben wir Eltern uns zusammengetan und bringen Kinder im Wechsel hier über die Straße“, ergänzt Nina Hinnenkamp. „Ich gehe bis zum Noah-Kindergarten mit, weil ich unser zweites Kind dort hinbringe“, sagt Melanie Brockfeld.

Sie vertreten alle Eltern, die zwischen Pizzeria und Versicherung in Richtung Widum einen Zebrastreifen haben möchten. „Unsere Kinder sollen doch lernen, selbstständig zu werden. Die Sicherheit der Kinder muss vorgehen. Ein Zebrastreifen böte nicht nur den Kindern Sicherheit, sondern auch allen anderen Bürgern, die hier die Straße überqueren“, argumentieren sie.

Querungs-Alternativen

„Vier Wochen nach der Einschulung habe ich mich an eine zuständige Mitarbeiterin im Lotter Bauamt gewendet und unser Anliegen vorgetragen“, blickt Katja Erkes einige Monate zurück. Das Bauamt zog, wie bei derartigen Themen üblich, die Verkehrsbehörde hinzu. Diese entschied nach einer Ortsbesichtigung, dass es aufgrund zu weniger Passanten keinen Zebrastreifen geben wird und nannte Alternativen: an einer übersichtlicheren Stelle entweder etwas nördlich oder südlich von der kritisierten Örtlichkeit eine Querungshilfe einzurichten.

„Dort können wir mit nicht genehmigungspflichtigen aufgesprühten „Gelben Füßen“ für Fußgänger und Autofahrer kenntlich machen, dass besonders auf Kinder geachtet werden muss“, erklärt Lottes Bauamtsleiterin Astrid Hickmann. Sie betont: „Wir machen uns sehr wohl Gedanken über die Sicherheit auf Schulwegen. Aber wir haben nicht den Handlungsrahmen, den wir gern hätten.“

Zebrastreifen suggerieren Sicherheit

Winfried Praus, Vertreter der Verkehrsbehörde, stellt klar: „Ein Zebrastreifen hat dann seine Berechtigung, wenn eine Überquerungsquote von mehreren hundert Personen vorliegt. Das gibt die Situation an der Bahnhofstraße gar nicht her.“ Außerdem seien Zebrastreifen in Tempo-30-Zonen sehr seltene Ausnahmen, wie zum Beispiel vor der Alt-Lotter Kinderland-Kita an der Cappelner Straße.

Die Eltern mochten sich spontan mit keiner der Alternativen anfreunden. Zuspruch erhalten die Familien auch von Klassenlehrerein Magdalena Dassau: „Ich unterstütze es, dass sich die Eltern für ihre Kinder einsetzen. Es kann nicht sein, dass sie die Kinder vielleicht sogar bis zur vierten Klasse zur Schule bringen. Im Internet wird das Thema Zebrastreifen in 30er-Zonen auch diskutiert. Unmöglich ist es jedenfalls nicht.“

Neue Schulweg-Empfehlung?

Bauamt und Verkehrsbehörde setzen darauf, dass sich Eltern und Schule zusammentun und einen neuen, sicheren Schulweg für diesen Bereich empfehlen. Der aktuelle besteht seit einigen Jahrzehnten. Zwischenzeitlich hat sich allerdings nach einem Umbau der Pizzeria auch die Parksituation geändert. „Der sichere Schulweg muss sich der veränderten Situation anpassen. Ich halte es für sinnvoll, dass sich Eltern und Lehrer zusammensetzen und eine Alternative finden“, appelliert Winfried Praus.

Doch wie praktikabel das ist, daran zweifeln die Eltern. „Jeder andere Weg ist länger. Es wird schwer sein zu vermitteln, dass Kinder nicht mehr den gewohnten, sondern einen neuen, längeren Weg benutzen sollen. Sie werden über kurz oder lang wie andere Fußgänger den kürzeren gehen“, fasst Katja Erke die Elternmeinung zusammen.

Die Eltern favorisieren nach wie vor den direkten Übergang zum Widum. Sie können nicht so recht nachvollziehen, dass es zwar an der Kinderland-Kita nicht aber über die Bahnhofstraße, wo es zu den anderen Kitas und zur Schule geht, einen Zebrastreifen gibt.

Schnelle Lösung in Sicht?

Die Erwachsenen hoffen, dass sich alsbald etwas tut. Wenn es schon keinen Zebrastreifen gibt, dann zumindest auffällige „Gelbe Füße“ und „Achtung-Kinder“-Beschilderungen. Ein Schild steht bereits für den Verkehr, der vom Kreisel kommt. Es wird aber von einem Baum verdeckt. Das Pendant müsste noch installiert werden. „Wir sind sicher, dass sich ,Gelbe Füße‘ dort in Abstimmung mit dem Lotter Bauamt realisieren lassen“, betont Katja Erkes.

Sollte sie recht behalten, könnten Clara, Lena und Melina bald ganz ohne Elterngeleit zur Schule gehen.