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Seit 60 Jahren verheiratet Renate und Wilfried Lammers feiern Diamanthochzeit

Von Erna Berg, Erna Berg | 29.12.2016, 08:00 Uhr

Renate und Wilfried Lammers feiern heute ihre diamantene Hochzeit. Vor 60 Jahren heirateten sie im alten Wersener Rathaus und anschließend in der Liebfrauen-Kirche in Eversburg.

„Es ist schön, dass wir diesen Tag erleben dürfen“, sagt Renate Lammers. Die beiden heute 84-Jährigen schauen auf ein langes, gemeinsames Leben zurück, aber: „Ich bin fünf Tage jünger als mein Mann, und das sieht man auch!“, betont sie augenzwinkernd. Sie waren 18, als sie sich kennenlernten. „Ich komme aus der alten DDR und bin 1950 illegal über die Grenze nach Wersen gekommen, wo meine Schwester und Tanten aus Oberschlesien schon wohnten.“

Auf der Fahrt zu ihren Arbeitsplätzen in Osnabrück sahen sich die Mitarbeiterin einer Tapisserie und der Kaufmann fast täglich am Bahnhof der Tecklenburger Nordbahn in Wersen. „Der Zug war überfüllt, manche fuhren sogar auf dem Trittbrett mit, aber ich versuchte immer, in das Abteil zu kommen, in dem Renate saß“, erinnert sich ihr Mann schmunzelnd.

Auf einer elternfreien Party im Haus des damaligen Polizisten Karlfred Link am Alten Mühlenweg in Wersen kamen sie sich ein kleines bisschen näher. Er spielte Schifferklavier und hätte sie am liebsten nach Hause gebracht. Den nächsten vorsichtigen Schritt unternahm er, indem er sie eines Tages – mit süßen Hintergedanken – fragte, ob sie gern lese. Die junge Renate Ludwig hatte zwar eher echten Hunger als den Wunsch nach interessanten Büchern, nahm das Geschenk aber an und mit nach Hause. Voller Freude packte sie statt eines Buches eine Schachtel köstlicher Pralinen aus.

Einige Jahre später, während der Bauphase ihres gemeinsamen Hauses, reisten sie 1956 nach Görlitz, wo ihre Eltern wohnten und verlobten sich dort. Nur mit Aufenthaltsgenehmigung konnte man damals ein- und ausreisen, aber „meine Schwiegermutter gab an, dass ich ein angenommener Sohn sei“, erinnert sich Wilfried Lammers. In zwei großen Überseekoffern brachten sie viele schöne und nützliche Sachen nach Görlitz, denn dort konnte man viele Dinge gebrauchen, die es in der DDR nicht gab.

Am 29. Dezember sollte die Hochzeit sein, doch zur Enttäuschung der beiden bekam nur die Mutter die Erlaubnis, nach Westdeutschland zu reisen. Der Vater musste daheim bleiben. Trotzdem feierten sie mit über 100 Nachbarn und Verwandten eine schöne Hochzeit im Saal Busch in Wersen. „Wir waren das erste Paar, das in der Standesamt-Zweigstelle in Wersen geheiratet hat“, erinnern sich die beiden.

Sie reisten gerne, besonders in die DDR. Als Sohn und Tochter sowie vier Enkel und vier Urenkel geboren wurden, empfanden sie diese Zeit als besonders schöne Familienzeit. Sie waren sehr aktive Wanderer und mit ihrem Radelklub viel unterwegs, der hat sich aber mittlerweile zum gemütlichen Freundeskreis gewandelt. Seit über 60 Jahren ist Wilfried Lammers Mitglied des Männergesangvereins und seit einigen Jahren Ehrenmitglied. Außerdem ist er auch seit über 60 Jahren Leser und Abonnent der Neuen Osnabrücker Zeitung.

Getrennt voneinander befragt, äußerte sich Renate Lammers über ihren Gatten: „Mir hat immer so gut gefallen, wie ruhig und sachlich er ist, und ich mochte seine Zurückhaltung. Er schrieb mir wunderschöne Liebesbriefe und hat mir jeden Wunsch von den Augen abgelesen.“ Wilfried Lammers verriet: „Mir gefiel ihre Grundehrlichkeit, ihre Romantik und ihre Fürsorglichkeit besonders für die Familie. Ganz besonders wichtig, sie steht immer zu mir!“

Jedes Jahr, einen Tag vor Heiligabend, laden sie ihre Enkel zum Putenessen ein – ohne Eltern. Das fiel in diesem Jahr aus, denn zum Fest der diamantenen Hochzeit treffen sich heute alle Familienmitglieder zum gemeinsamen Feiern.