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Politische Gegner freuen sich mit dem Brochterbecker CDU-Mann Auch Grunendahl kehrt in den Landtag zurück

Von Thomas Niemeyer | 14.05.2012, 14:03 Uhr

Am Morgen nach der Wahl sah für einige die Welt doch schon wieder anders aus, für Wilfried Grunendahl weitaus erfreulicher: Bis Platz 38 zog die Landesliste der NRW-CDU, sodass der 59-Jährige mit seinem Platz 31 locker den Weg zurück in den Düsseldorfer Landtag fand, den er vor zwei Jahren verlassen musste. Und siehe da: Über Parteigrenzen hinweg freut man sich mit dem Brochterbecker.

Grünen-Direktkandidat Ferdinand Blanke hatte dem Christdemokraten die Daumen gedrückt, wie er bekannte, weil Grunendahl ein honoriger Mann sei. Auch der Lotter Grünen-Vorsitzende Ulf Werner begrüßte die Rückkehr, allein schon, weil es gut sei, wenn die Region neben Frank Sundermann (SPD) noch eine weitere Stimme in Düsseldorf habe.

Für Werner fügt sich das in ein rundum positives Wahlergebnis: „So habe ich es mir gewünscht.“ Rot-Grün stehe jetzt auf stabilen Beinen, obwohl er gar nicht so sicher sei, dass ein ähnlich guter Schulkompromiss damit erreicht worden wäre wie mit der Minderheitsregierung, die die Parteien zur Zusammenarbeit veranlasst habe. Von Hannelore Kraft sei er als Grüner begeistert, allerdings müsse sie das Schuldenthema jetzt angehen.

Dass sich Lottes CDU-Chefin Ute Saeger mit Grunendahl freut, lässt sich denken. Den Wahlabend hat sie dennoch als „Katastrophe“ empfunden. Während Kraft eine starke Spitzenkandidatin für die SPD gewesen sei, habe ihre Partei da Defizite gezeigt. In die bevorstehenden Personalentscheidungen in Düsseldorf wolle sie sich nicht einmischen, zumal sie Armin Laschet kaum kenne. Aber mit Karl-Josef Laumann an der Spitze wäre es sicherlich nicht schlechter gelaufen.

In diese Richtung äußert sich auch Grunendahl selbst, ohne aber Namen zu nennen. Er plädiert dafür, Fraktions- und Parteiführung jetzt in eine Hand zu legen. Erste Gespräche darüber wird es am heutigen Dienstag in Düsseldorf geben, wenn sich die neue Fraktion erstmals zusammensetzt. „Ich muss mir noch die aktuellen Bahnverbindungen raussuchen; aber alles andere ist Routine“, blickt Grunendahl freudig seinem Comeback entgegen.

Direkte Folgen des Wahldebakels der CDU für die Kommunalpolitik erwartet Ute Saeger nicht: „Ich denke, wir leisten hier eine ausgesprochen gute Arbeit. Zudem pflegen wir eine ganz andere Form der Zusammenarbeit mit den anderen Parteien, als das in Düsseldorf der Fall ist.“ Beim Thema Bildung mit Studien- und Kindergartengebühren sieht sie die entscheidenden Fehler bei der CDU auf Landesebene.

Durch Fehlersuche will sich Friedhelm Pösse den guten Geschmack nicht verderben, den das FDP-Ergebnis auf seiner Zunge hinterlassen hat. „Dass wir sogar die Piraten hinter uns lassen, hatte ich nicht erwartet“, spricht er für den Ortsvorstand. Die CDU habe den Liberalen allerdings „mit dem falschen Mann am falschen Ort“ Wähler geradezu zugetrieben. „Aber keine Häme, das hatten wir auch schon“, legt er mit der Erfahrung des Altgedienten nach.

Wichtig sei, dass die Bundes-FDP aus der Misere lerne, in die sie vor allem die Parteibasis gestürzt habe. Lindner und Kubicki hätten gezeigt, dass es für eine FDP, die sich nicht auf ein Thema, eine Richtung reduziere, sehr wohl etwas zu holen gebe.

Reginald Rose, SPD-Chef in Alt-Lotte, freut sich vor allem mit Frank Sundermann, der überall zugelegt habe, was ja letztlich auch die gute Arbeit der Ortsverbände im Wahlkampf bestätige. Insgesamt beurteilt er das Wahlergebnis als „mehr als gut“. Auch er findet es hilfreich für die Region, dass mit Grunendahl künftig ein weiterer Vertreter in Düsseldorf sitzt. „Wir sehen ja auch bei Markus Pieper, dass der als Europaabgeordneter aus Halen für uns was bringt, obwohl er nicht unser Kandidat war“, zeigt Rose eine Parallele auf.

Irritiert ist Reginald Rose jedoch über das verhältnismäßig gute Ergebnis der Piraten: „Protestpartei schön und gut. Aber ich habe mit Piraten an deren Wahlkampfständen diskutiert und weiß danach immer noch nicht, was die eigentlich wollen.“