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Pösse zur Elly-Heuss-Tagesstätte „Wir wollen der Awo Wersen gar nichts wegnehmen“

Von Thomas Niemeyer | 01.12.2014, 18:45 Uhr

Mit seinen 66 Jahren darf Friedhelm Pösse im Lotter Gemeinderat als „Elder Statesman“ gelten. Die entsprechende Gelassenheit bringt der FDP-Fraktionschef auch tatsächlich mit, dabei ist er aber kein bisschen leise. Immer ist er gut für einen lockeren Spruch oder spricht das ungeniert aus, was andere nur heimlich denken. Wir sprachen mit dem Wahl-Wersener über seine politische Motivation.

Herr Pösse, wie sind Sie in die Politik geraten?

Das war 1971, da wurde ich von der SPD angeworben.

Von der SPD?

Na ja, den Irrtum habe ich 1975 bemerkt. Da wurden mir die Jusos zu links, und ich bin schnell wieder ausgetreten.

Und wie kamen Sie dann zur FDP?

1975 sind wir nach Lotte umgezogen. Da war Horst Lamping im FDP-Vorstand, und den kannte ich als Kollegen von der Bezirksregierung Osnabrück. Da bin ich dann 1979 eingetreten und 1988 für den verstorbenen Jürgen Steinschulte in den Rat nachgerückt.

Seitdem sind Sie also parteipolitisch einseitig?

Von wegen! Also, ich bin in der FDP schon richtig aufgehoben. Aber dass ich mir eine innere Unabhängigkeit bewahrt habe, zeigt vielleicht die Tatsache, dass ich im Osnabrücker Rathaus erst das Büro von Oberstadtdirektor Dierk Meyer-Pries, einem Christdemokraten, und später das von Oberbürgermeister Hans-Jürgen Fip, einem Sozialdemokraten, geleitet habe. Wir sind ja Demokraten und vernünftige Leute!

Nachdem Sie 1999 als Bürgermeisterkandidat 18 Prozent geholt hatten, gab es eine Auszeit. Warum?

Das war ab 2005 und hatte gesundheitliche und berufliche Gründe. Ich bin dann ja auch 2006 in den vorzeitigen Ruhestand gegangen.

Und wenig später wieder in der Politik aufgetaucht.

Das wäre mir sonst zu langweilig geworden. Ich habe auch noch Luftaufsicht in Atterheide gemacht. Das war eine schöne Abwechslung – genau wie die Kommunalpolitik. Es ist gar nicht verkehrt, sich hin und wieder auch mal zu ärgern. Diese Aufregung ist für mich positiver Stress.

Damit sind wir in der Gegenwart. Früher waren Sie Minderheit, jetzt hat das Jamaika-Bündnis mehr Sitze als die SPD. Macht das mehr Spaß?

Ja, aber vorweg: Ich mag weder die Bezeichnung Jamaika noch Bündnis für Lotte . Ich befürchte, dass dadurch die Unterschiede zwischen FDP, Grünen und CDU verwischt werden. Wir sind eine Zweckverbindung für jene Themen eingegangen, bei denen wir gleicher Meinung sind.

Beispiel?

Die Wirtschaftsförderin. Das hätte jeder für sich nicht hinbekommen. Und jetzt ist sogar die SPD ganz angetan.

Warum kein Bündnis mit der SPD?

Vielleicht weil die CDU besser rechnen kann. Die SPD hat mit dem Bürgermeister 12 von 27 Sitzen im Rat. Sie haben uns nie gefragt… Spaß beiseite: Mit der SPD ist in Lotte vieles nicht zu machen.

Aber gegen die SPD? Beispiel Awo und Elly-Heuss-Tagesstätte in Büren.

Das ist doch Unfug. Wir wollen, dass dieses gemeindeeigene Gebäude besser ausgelastet wird. Die Awo soll dort den ersten Zugriff haben und ihr gesamtes Programm uneingeschränkt veranstalten. Aber wenn eben keine Awo-Veranstaltung anliegt, dann sollen andere hineindürfen. Wir wollen der Awo überhaupt nichts wegnehmen.

Das können Sie jetzt schon. Wozu etwas ändern?

An dem Haus steht ganz groß Awo Ortsverein Wersen dran. Da denken viele Leute, das gehört denen alleine. Dabei könnte es die Stadthalle von Büren sein, wie das Haus Hehwerth in Alt-Lotte.

Und wie dort könnten dann hier auch private Feiern dort steigen?

Ja, warum denn nicht?!

Was wenn die etwas kaputt machen oder nicht ordentlich reinigen hinterher?

Dann waren die zum letzten Mal drinnen. Genau darüber wollten wir ja im Hauptausschuss sprechen.

Nicht öffentlich!

Sie wissen doch, wie aufgeheizt die Stimmung dort wegen des Jugendraumes war. Da wollten wir wie beim Thema Druckentwässerung erst mal in Ruhe intern beraten.

Das sorgte erst recht für Misstrauen.

Hinterher ist man klüger. Bald diskutieren wir es ja offen im Rat, und ich hoffe, dass es dann allen Beteiligten wie uns um die Sache geht.