Ein Artikel der Redaktion Neue Osnabrücker ZeitungLogo Neue Osnabrücker Zeitung

Lotte „Auf die Umsetzung kommt es an“

01.07.2009, 22:00 Uhr

Leistungsdiagnostik ist ein abstrakter Begriff, den Bundesliga-Vereine meist zu Saisonbeginn ins Gespräch einstreuen. Ein Laktattest zum Beispiel ist bei den Profis fast schon obligatorisch. Die Sportfreunde Lotte haben es den Erstligisten gleichgetan und sich passend zum Trainingsauftakt einen echten Fachmann in Sachen Fitness geholt: Diplom-Fitnessökonom Heiko Sander arbeitet mit Vereinen und Spielern der ersten und zweiten Bundesliga.

Am vergangenen Samstag ließ er den Regionalligisten vom Lotter Kreuz antanzen. Sprinten, Springen und Richtungswechsel standen auf dem Programm. Zuerst „kniff“ er den Spielern aber mit einer Fettzange an verschiedenen Stellen in die Haut. Allerdings nicht, um sie zu ärgern: „Damit messe ich die Hautfalten, und in der Summe lässt sich so der Körperfettanteil sehr genau bestimmen“, erläutert Sander die Methode. Besonders wichtig für Fußballer sei zudem die Sprungkraft: „Wir messen heute auch, wie hoch und weit jeder springen kann.“ Dazu kamen Sprints und Richtungswechsel.

Nach zwei Stunden stand das Ergebnis für jeden SFLer schwarz auf weiß fest. Doch damit nicht genug: „Ziel dieser Einheit ist es, einen individuellen Trainingsplan zu entwickeln“, erläuterte Heiko Sander und nannte gleich ein Beispiel: „Wer auf zehn Metern Defizite hat, bekommt im Training einen Schlitten. Bei 30 Metern zieht er einen Fallschirm.“ Feinheiten, die den Unterschied machen: „Einheitstraining war mal. Wir wollen jeden Spieler individuell besser machen.“

Das funktioniert, wie die Sportfreunde Lotte in ihrer ersten Regionalliga-Saison bereits eindrucksvoll unter Beweis gestellt haben. Nach Walpurgis’ Verpflichtung in Lotte analysierte Heiko Sander erstmals die Fitness der SFLer. Mit deutlichem Erfolg: Die Sportfreunde beendeten die Spielzeit auf dem zehnten Tabellenplatz.

Fitnesstests als Erfolgsgeheimnis? „Das stimmt so nicht ganz. Auf die Umsetzung kommt es an“, stellt Sander klar. Viele Bundesligisten ließen diese vermissen. „Die machen die Tests, weil das nach außen gut aussieht. Aber sie machen aus den Daten nichts.“ Dann sind auch Sander die Hände gebunden. „Maik Walpurgis hingegen ist sehr fortschrittlich und will alle Leistungsressourcen ausschöpfen. Das machen nicht viele“, zeigte sich der Fitnessökonom beeindruckt.

Beide haben sich Anfang 2008 während eines Seminars des Bundes Deutscher Fußball-Lehrer kennengelernt, auf dem Heiko Sander referierte. „Der Vortrag war sehr faszinierend und professionell mit viel Fachwissen“, erinnert sich Walpurgis, der den Fitness-Ökonom direkt ansprach.

Die daraus entstandene Zusammenarbeit zahlt sich aus: „Warum sollten wir Potenzial liegen lassen? In der Regionalliga ist es wichtig, das Optimum herauszuholen. Da hast du Vereine wie RW Essen mit einem achtmal so hohen Etat. Solche Maßnahmen wie Leistungsdiagnostik sind da entscheidend“, ist sich Walpurgis sicher. RW Essen schloss die Saison übrigens punktgleich mit Lotte ab: „Das spricht für sich“, so der Coach.