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Lotte Alte Liebe an neuem Mast: Die blaugelbe Eintracht

07.07.2009, 22:00 Uhr

Wie kommt einer, der nie in der Braunschweiger Region gelebt hat, dazu, Eintracht-Fan zu werden? „Das war in den 70er-Jahren, als dieser Verein gegen alle Widerstände die Trikotwerbung mit Jägermeister einführte, Paul Breitner verpflichtete und es bis in den Europapokal schaffte. Das hat mir als Junge mächtig imponiert“, erklärt Christian Rinas seine in der Region Osnabrück schon sehr spezielle Vorliebe.

Zwar hat der heute 49-Jährige erst seit der Fußball-WM 2006 in Deutschland einen Flaggenmast an seinem Haus in Alt-Lotte stehen, blaugelbe Flagge hat er aber schon lange zuvor gezeigt. In seinem Heimatverein, den Sportfreunden, bei denen er von der D-Jugend an in sämtlichen Mannschaften mitgespielt hat, weiß es jeder: Rinas ist Eintracht-Fan.

Heute allerdings kann man es schon von weitem sehen, denn, obwohl Christian Rinas drei verschiedene Bundesflaggen besitzt, flattert bei ihm meistens die blaugelbe im Wind, die ihm sein Sohn Michel zum 47. Geburtstag schenkte. Nachbarn und Freunde sehen sie mit gnädiger Gelassenheit; auch jene, die Fans des VfL Osnabrück sind und in der Regel gar nicht so gut auf Braunschweig zu sprechen sind.

Geboren in Osnabrück, hat der seit 30 Jahren als Kaufmännischer Angestellter bei Wulff in Alt-Lotte tätige Fußballverrückte keine andere Heimaterinnerung als Lotte. Mit der ersten Mannschaft der Sportfreunde stieg er 1980 in die Bezirksliga auf und wechselte ein Jahr später in die Zweite, für die er bis zu seinem 34. Lebensjahr die Stiefel schnürte. Nach der aktiven Zeit, während der für ihn nie ein anderer Verein infrage kam, wurde er Jugendbetreuer, derzeit für die C2-Mannschaft.

Sohn Michel eifert dem Vater nach, kann keinen Ball ruhig liegen sehen, kickt auf dem heimischen Rasen, auf der Straße und im Verein. Und auch das blaugelbe Virus hat er vom Vater eingeimpft bekommen. Da die traditionsreiche Eintracht nur noch in der 3. Liga spielt, hat er aber auch ein Herz für norddeutsche Erstligisten wie Werder Bremen und den Hamburger SV. Aber nicht für Hannover 96; schließlich ist das der Erzfeind der Braunschweiger.

Die Deutsche Meisterschaft, die die Eintracht 1967 als bis dahin graue Maus der Bundesliga errang, ist für Vater und Sohn Historie. „Das habe ich mit sieben Jahren noch gar nicht mitbekommen“, erzählt Christian Rinas. Immerhin weiß er aus dem Internet, dass damals ein Werner Rinas – weder verwandt noch verschwägert – zum Meisterkader gehörte. Aber der machte in der Saison nicht ein einziges Spiel, weil Trainer Helmut Johannsen den Titel mit insgesamt 13 Spielern errang – unglaubliche Geschichten aus einer Zeit, als noch nicht ausgewechselt werden durfte.

Trotz der 200 Kilometer bis zum Eintracht-Stadion in Braunschweig hat Christian Rinas so manches Spiel seiner Lieblinge gesehen. Ein 4:0-Sieg gegen den 1. FC Kaiserslautern in der Zweitligasaison 2002/03 ist ihm in besonders guter Erinnerung geblieben. Doch Eintracht-Fans sind von Natur aus leidensfähig – „Bayern-Fan kann jeder“, sagt er stolz. Und so hat seine alte Liebe auch nicht gelitten, als er im Oktober 1984 in Mönchengladbach dem 0:10 der Blaugelben beiwohnte, das den dritten und bislang endgültigen Abstieg der Braunschweiger aus der 1. Liga einleitete.

Zwar hat Christian Rinas nichts dagegen, als fußballverrückt zu gelten; doch lässt er spüren, dass er den Sport als schönste Nebensache der Welt sieht. Es ist ein Spiel, das Aktiven und Zuschauern Spaß machen soll. Seine Flagge am Mast auch. Und Letzterer hat nichts damit zu tun, dass der Eintracht-Sponsor „Mister Jägermeister“ in den 70ern Günter Mast hieß.