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Kleingärtner Kleinschmidt Er lässt Ochsenherzen im Grünen in Wersen schlagen

Von Ursula Holtgrewe | 19.07.2012, 13:00 Uhr

„Hier bin ich“, ruft Walter Kleinschmidt und schaut aus seinem Gewächshaus. Das passionierte Wersener Kleingärtner aus Alt-Lotte ist – so oft es geht – in seiner kleinen grünen Oase. Es gibt dort immer etwas zu pflegen, zu ernten oder zu säen.

Gerade schaut er nach seinen geschützt stehenden Tomaten. „Es gibt wenige Früchte, und die werden einfach nicht rot. Die Sonne fehlt. In diesem Jahr gilt: viel Laub und wenig Früchte. Aber Schlangengurken, die habe ich schon gut geerntet“, fasst er die bisherige Gewächshausernte zusammen. Auf wenigen Quadratmetern stehen auch Paprika, Peperoni aus Kernen gekaufter Exemplare, Datteltomaten und Tomaten der Sorte „Ochsenherz“. Zur Wurzelbewässerung hat Kleinschmidt großen Kunststoffflaschen den Boden abgeschnitten und sie mit der Öffnung in die nahrhafte Erde gesteckt.

„Ich dünge mit meinem eigenen Kompost und mit Brennnessellauge“, verrät er, was bei ihm zu unbelasteten Ernten gehört. Zuckererbsen hat er bereits geerntet: Zirka vier Kilo des süßen Gemüses lagern bereits in der Kühltruhe. „Auf das freie Beet habe ich Teltower Rübchen gesät“, erklärt der Kassierer im Kleingartenverein, zugleich Mitglied im Schlichtungsausschuss des Bezirksverbands Rheine. Er war früher Werkzeugmechaniker bei Frimo und übernahm vor 21 Jahren die Parzelle nahe dem Vereinshaus.

Längst hat Walter Kleinschmidt die Vorliebe für alte Gemüsesorten entdeckt: die Kartoffelsorte Bamberger Hörnchen, Pastinaken („Sie sehen aus wie Petersilienwurzel, nur doppelt so groß“) dicke Bohnen, Staudensellerie, Rote Beete, Perlbohnen.

Wegen des festeren hellgrünen Blattes steht die Salatsorte „Türkischer Kracher“ Seite an Seite mit „Kasseler Strünkchen“. Letztere werden auch Sommerendivien genannt und bereicherten Großmutters Küche. „Die Blätter werden wie Spinat verarbeitet. Die Strünke bereitet man wie Spargel zu“, lässt Kleinschmidt erkennen, dass er nicht nur als Gemüsegärtner Ahnung hat, sondern auch als Hobbykoch.

„Wir essen hauptsächlich eigene Ernte. Ich koche Gemüse auch ein. Bohnen für Salat zum Beispiel. Die bleiben dann knackig. Eingefrorene werden schlapp. Die sind dann nicht so geeignet für Salat. Marmeladen mache ich zuhause auch selbst“, erklärte der Fachmann und schaut auf die Himbeeren.

Sie sind der gefräßigen Amseln wegen mit einem Netz gesichert. „Brombeeren lassen die Amseln in Ruhe. So wie es aussieht, gibt das bald eine schöne Ernte. Bei den Himbeeren setze ich auf welche, die im Herbst reif werden. Die haben dann nicht so viele Würmer.“ Sein Tipp für gute Ernte und wenig Unkraut unter den Beeren: Laub aus Garten und Umgebung häckselt er mit dem Rasenmäher klein und verteilt es unter den Sträuchern.

Gleichwohl können sich Gärtnerherzen für die aktuellen Temperaturen wenig erwärmen. Für manche Gemüsesorten ist es zu feucht. Kartoffelblätter zeigen deutlich, dass sich Kartoffelfäule ausbreitet. Auch die Zucchini und die Kürbisse, die Kleinschmidt im Eimer beziehungsweise in Speisfässern züchtet, zeigen nur zögerlich ihre schönen kräftig gelben Blüten mit tiefen Trichtern. „Das sind Versuche, ob die Pflanzen auch in diesen Behältern gedeihen“, berichtet der Hobbygärtner.

Er bückt sich und schaut unter die großen grünen Blätter. „Da hat schon ein Kürbis schön angesetzt“, ruft er erfreut. Derweil nähert sich eine hungrige Hummel neugierig den gelben Blüten. Sie hat schon zur Landung angesetzt – und dreht wieder ab. Der nach oben gereckte Blütenkelch ist voll Wasser, das die Pollen und Nektar unerreichbar für den geflügelten Gast macht. Hartnäckiges Suchen der Hummel führt zum Erfolg. Eine nach unten wachsende Blüte erhält summenden Besuch.

Je einen Apfel-, Pflaum- und Mirabellenbaum pflegt Walter Kleinschmidt ebenfalls. Auch ein großes Insektenhotel hat der Naturfreund errichtet. Viel Zeit investiert der Alt-Lotter auch in die blühende Vielfalt im Eingangsbereich. „Die Waldrebe mag ich im Moment besonders“, sagt er und zeigt auf einen senkrechten Blütenteppich in dunkelviolett. Fette Henne, violetter Mohn, Ringelblumen, rosa Astilben, Fingerhut und viele weitere Frühjahrs- und Sommerboten geben sich ein Stelldichein. Auch eine Spinnenblume, deren Blätter Ähnlichkeit mit denen von Cannabis haben, zeigt üppige Blütenknospen.

Nun ist Zeit fürs mitgebrachte Mittagessen. Kleinschmidt geht in seine Laube und wäscht sich mit gleichfalls mitgebrachtem Leitungswasser die Hände. „Einen Frischwasseranschluss hat hier keiner, aber zum Bewässern sammeln die meisten Regenwasser“, erklärt er.

Auffällig ist eine Markierung im Türrahmen: Hochwasser, 27./28. August 2010 steht dran. „Seit dem habe ich vieles höher gestellt, damit im Wiederholungsfall keine Schäden entstehen“, sagt Kleinschmidt. Er lässt sich das Essen schmecken und schaut zufrieden nach draußen: Heller ist es geworden, der Nieselregen hat aufgehört. Gleich geht es weiter. Im Kleingarten ist nämlich immer etwas zu pflegen, zu ernten und zu säen.