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Kein Autogramm von Kleiner Onkel Maxi Schulz begeistert als „Pippi Langstrumpf“

Von Astrid Springer | 28.08.2013, 18:35 Uhr

Pippi Langstrumpf – ein kleines rothaariges Mädchen mit Ringelstrümpfen, das nichts auf Etikette gibt und sich auch sonst von niemandem in die Suppe spucken lässt. Bei den Kindern hinterließen vor allem die liebevoll gestalteten Kleinigkeiten Eindruck,

„Am besten haben mir die Hühner gefallen“, meinte Jaan strahlend, während die Mädchen mehrheitlich von Kleiner Onkel angetan waren, der leuchtend blaue Punkte zur Schau trug. Letztlich waren aber alle Kinder restlos von der strahlenden Pippi begeistert.

Nach der Vorstellung schien denn auch das gesamte Publikum in den Theatergraben vor der Bühne zu strömen, um Pippi einmal aus der Nähe zu sehen und möglichst auch noch ein Autogramm zu ergattern. Wenn dabei von den älteren Kindern das eine oder andere Raunen zu vernehmen war, „Das ist ja gar nicht Pippi – die hat ja eine Perücke!“, spricht das wohl endgültig für eine gelungene Illusion.

Dass Darstellerin Maxi Schulz Eltern und Kindern nach der Vorstellung strahlend Modell stand und geduldig unterschrieb, was ihr hingehalten wurde, tröstete aber schnell über die Entzauberung hinweg. Besonders gefragt waren außerdem Herr Nilsson, die Prusseliese, die beiden Diebe und König Efraim. Nur Kleiner Onkel war tatsächlich ein Pferd und konnte trotz aller Bemühungen der kleinen Fans keine Autogramme geben.

Seit 1945 begeistert der schwedische Kinderklassiker Generationen. Auch bei der aktuellen Vorstellung auf der Freilichtbühne eroberte Pippi Langstrumpf einmal mehr die Herzen. Das ist nicht zuletzt einer brillanten Hauptdarstellerin zuzuschreiben: Maxi Schulz von der Osnabrücker Musical-Hochschule mimte virtuos die Pippilotta Viktualia Rollgardina Pfefferminza Efraimstochter Langstrumpf und wirbelte dazu mit beeindruckendem Temperament über die abwechslungsreich gestaltete Bühne samt Villa Kunterbunt.

Mit markigen Flüchen versetzte dabei die stets schlagfertige Pippi das Stück in die Neuzeit – sehr zur Freude der Kinder im Zuschauerraum.

Dass die im Original so gestrenge Prusseliese in der Tecklenburger Version aus Radulf Beulekes Feder selbst nur vier Jahre die Schulbank drückte und nun Pippis beste Verbündete ist, gab dem Stück eine gute Portion hintergründigen Humor. Selbstredend waren auch der Affe Herr Nilsson und das Pferd Kleiner Onkel mit von der Partie. Für viel Aufmerksamkeit sorgten darüber hinaus Prusselieses Hühner, denn die gerieten immer wieder in helle Aufregung. Besonders als der Hühnerstall abzubrennen drohte, hielten die Kinder im Zuschauerraum sichtlich die Luft an. Aber Pippi rettete nicht nur die Hühner, sie überführte auch die beiden Gauner der Geschichte und konnte so den Verdacht des Diebstahls erfolgreich von sich abwenden.

Das alles wurde in gewohnter Tecklenburger Qualität musikalisch untermalt. Dabei wechselten schnelle Tanzstücke mit ruhigen Gesangseinlagen, bei denen Pippi das Anderssein auch mal kritisch beleuchtete. Mit dem Besuch ihres Vaters aus dem Taka-Tuka-Land mündete das von Klaus Hillebrecht geschriebene Musical in einen fulminanten, afrikanisch geprägten Abschluss. Tosender Applaus der 1500 Zuschauer mit stehenden Ovationen war dafür der Lohn.