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Jungen und Mädchen sind mit Eifer dabei Lotte hat die drittstärkste Jugendfeuerwehr im Kreis

Von Angelika Hitzke | 02.09.2014, 17:13 Uhr

Die Freiwillige Feuerwehr ist zwar kein Verein, aber eine Organisation von Menschen, die ehrenamtlich, also unentgeltlich, dem Gemeinwohl und der öffentlichen Sicherheit dienen. Die Brandschützer und -bekämpfer aus der Gemeinde Lotte kennen keine Nachwuchssorgen: Sie haben zurzeit die drittgrößte Jugendfeuerwehr im Kreis. Nur die Jugendabteilungen der Wehren in den – deutlich größeren – Städten Rheine und Ibbenbüren sind noch größer.

„Vor ein paar Jahren waren wir sogar an erster Stelle“, sagt Michael Jaworski, einer der momentan vier Betreuer. Seine offizielle Bezeichnung klingt etwas sperrig: Gemeindejugendfeuerwehrwart. Zusammen mit seinen Stellvertretern Julian Birkenkämper und Daniel Glindhaus sowie einer Handvoll Helfer, die allerdings aus beruflichen Gründen oft nicht verfügbar sind, kümmert er sich jeden Montag von 17 bis 20 Uhr um insgesamt 44 Jugendliche zwischen zehn und 16 Jahren, darunter zehn Mädchen.

Etwa ein Drittel des Feuerwehrnachwuchses kommt aus Alt-Lotte, zwei Drittel aus Wersen. Heute, am ersten Dienstabend nach den Sommerferien, haben sich sieben Jungs im Feuerwehrhaus Al-Lotte eingefunden, die von Helfer Carsten Hose im Bulli zum Feuerwehrgerätehaus nach Wersen kutschiert werden, wo die gleichaltrigen Kumpels schon warten.

Dort muss nämlich der jetzige Jugendraum ausgeräumt werden, damit darin im Zuge der Umstrukturierung des Feuerwehrhauses die Kleiderkammer eingerichtet werden kann. Die jetzige Kleiderkammer soll dann eine separate Umkleide für die Frauen und Mädchen werden. „Mädchen waren von Anfang an dabei“, berichtet Gemeindeoberbrandinspektor Volker Rapelius als Wehrführer. Und zwar sowohl bei den Aktiven als auch bei der 1999 gegründeten Jugendfeuerwehr. Aus der sind im vergangenen Jahr wieder zwei junge Frauen in die aktive Wehr gewechselt.

„80 Prozent unserer Aktiven kommen aus der Jugendfeuerwehr“, verdeutlicht Rapelius, wie wichtig eine starke Nachwuchstruppe ist, „Quereinsteiger gibt es sehr, sehr selten.“ Also könnte der Feuerwehrchef doch eigentlich froh sein über die muntere Truppe, die sich inzwischen in Uniform und Helm geworfen hat und voller Tatendrang darauf wartet, dass es endlich losgeht. Der Haken an der Sache sei ein akuter Betreuermangel, erklärt Volker Rapelius, „mindestens zehn Betreuer wären gut“. Und Michael Jaworski ergänzt: „Die Mittwochsgruppe für die älteren Jugendlichen mussten wir Anfang des Jahres streichen. Seitdem machen die 17-Jährigen bei den Aktiven mit.“

Die kleinen und größeren Feuerwehrleute von morgen sind jedenfalls mit Eifer und Ehrgeiz dabei. Warum sie in der Jugendfeuerwehr aktiv sind und nicht zum Beispiel im Sportverein? Den Blicken nach zu urteilen eine blöde Frage: „Weil wir hier manchmal was Tolles machen“, sagt der zehnjährige Jan, „letztes Mal waren wir am Kanal und haben mit Wasser gespritzt“. Jan-Hendrik (11) erklärt laut: „Fußball interessiert mich nicht!“ Lasse (14) und Thorben („Dreizehneinhalb“) heben nicht nur den Spaß an Zeltlagern, Experimenten mit Schaum und Wasser und der Ausbildung an den Geräten hervor, sondern auch die Kameradschaft: „Man lernt Teamarbeit.“

Schlauchleitungen legen und einen Löschangriff üben findet Lasse besonders gut: „Da lernt man, wie das aufgebaut wird.“ Thorben ergänzt: „Man kriegt ein Gefühl dafür, wie die Erwachsenen sich im Einsatz fühlen.“ Und obendrein auch noch etwas Nützliches zu lernen sei ein schönes Gefühl: „Nicht so wie in der Schule“, sagt Jan-Hendrik im Brustton der Überzeugung.

Übernächstes Wochenende ist in Steinfurt wieder ein zweitägiges Zeltlager mit Lagerolympiade, Lagerfeuer und Orientierungsmarsch. Denn körperliche Fitness ist auch für angehende Feuerwehrleute wichtig. Ebenso wie die genaue Kenntnis des Materials und der Geräte, die im Ernstfall eingesetzt werden müssen.

Deshalb helfen nur die Ältesten beim Möbelrücken, die anderen haben sich um das <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Hilfeleistungslöschgruppenfahrzeug" title="">Hilfeleistungslöschgruppenfahrzeug (HLF) 20 geschart, um nach den langen Ferien ihre Gerätekenntnisse aufzufrischen. Jan, einer der Kleinsten und Jüngsten, will unbedingt die schwere Schlauchhaspel vom Heck des Fahrzeugs lösen können. Jan-Hendrik spielt Gespenst im Hitzeschutzanzug, und Lasse und Thorben wissen genau, was das HLF vom TLF (Tanklöschfahrzeug) unterscheidet: „Das HLF hat auch Spreizer und Rettungsschere an Bord.“

Ab zehn Jahren können Kinder – für die Eltern kostenneutral, denn Mitgliedsbeiträge gibt es nicht und die Uniformen werden gestellt – in der Jugendfeuerwehr mitmachen. Ab dem vollendeten 18. Lebensjahr dürfen junge Leute in die aktive Feuerwehr wechseln.

In der Grundausbildung lernen sie schrittweise all das, was auch erwachsene Wehrleute wissen müssen: von Knoten knüpfen und Hydrantenschilder erklären über C-Schläuche ausrollen, Leitungen legen und Wasserversorgung aufbauen bis zum Löschangriff, dazu Allgemeinwissen und sportliche Übungen wie Staffellauf und Kugelstoßen.