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Jazzfest an der Mühle Bohle Beschwingtes Sommer-Feeling pur

Von Ursula Holtgrewe | 04.08.2013, 15:08 Uhr

Die Wersener Mühle Bohle ist auf dem Weg zu einem kleinen, aber feinen Kulturtreff. Das zweite Sommerfest des Mühlenvereins mit den Jazzern der „Original Salzsieders“ zog erneut Gästescharen an. Mehr als drei Stunden lang zog das Quartett bei hochsommerlichen Temperaturen viele Register seines Könnens. Im lauschigen Mühlengrund gab es reichlich Sommer-Feeling pur.

Die 22 einladend gedeckten Partygarnituren füllten sich weit vor Programmstart um 19 Uhr. Da lud Vereinsmitglied Willi Schröder zu Mühlenführungen. Die stand für alle offen. Charmante Akzente setzten in der Dunkelheit gelbe Strahler, die das alte Gemäuer von außen vergoldeten.

Musikalisch und humorig startete Trompeter, Keyboarder und Moderator Harald Fiedler in den jazzigen Abend: „Wir haben lange überlegt, ob wir lange Unterhosen einpacken sollen – und haben es gelassen.“ Dann legte die Combo los mit einer französischen Hommage an den Sommer, der sich auch an der Mühle Bohle temperaturmäßig austobte. Füße begannen zu wippen. Gespräche unterbrachen die Besucher gern für wohl verdienten Applaus. Der taktvolle, stilsichere Auftritt der „Original Salzsieders“ im Originaldress der Zeit kam an.

Das erfreute auch den nun alle begrüßenden Mühlenvereinsvorsitzenden Werner Schwentker: „Wir konnten die Musiker wieder gewinnen und haben alles gegeben. Es sind noch gut 30 Grad. Dank gebührt auch dem Team, das sich viel Mühe gegeben hat, alles vorzubereiten.“ Wer sich umsah, konnte sich sehr gut vorstellen, dass unzählige Schweißtropfen geflossen waren.

Als die Holzkohle des Schwenkgrills durchgeglüht war, roch es appetitlich nach Steaks und Würstchen. Der Getränkestand war belagert, der Service legte schwitzend so manche 100 Meter zurück, um dürstende Kehlen an den Tischen zu erfreuen. Gleichfalls aufmerksam, flott und mit Spaß dabei waren die Jungen Philipp Böhme und Luc Beiderwellen. Sie sammelten leere Gläser ein.

New Orleans und Swing

Die Musiker spielten sich mit gediegenem Oldtime Jazz vom authentischen New-Orleans-Stil bis zu den Swing-Ohrwürmern der dreißiger und vierziger Jahre in die Herzen des Publikums. Musikalische Dialoge zwischen Fiedlers Trompete und Peter Göslings Saxofonen erfreuten ebenso wie Arthur Ostrowski, der sein Sousafon gleichfalls zum Sprechen zu bringen schien. Wolfgang Saecks Banjo aus dem Jahr 1927 mischte sich gern mal ein und gab musikalischen Senf dazu, der nach Eigeninterpretationen der Vier häufig in wohl Bekanntem mündete. Ein munteres Jazz-Päckchen enthielt das „Ob-La-Di, Ob-La-Da“ der Beatles, ein anderes „Bel Amie“. Ragtime und Tango gab es zu hören. Dann wieder ein jazziges „We are Sailing“. Klar fehlten auch „The River Kwai Marsch“ und der „Kleine grüne Kaktus“ nicht. Gesanglich riefen Saeck und Fiedler am schnarrenden megafonverstärkten Mikro die Zeit der Schellack-Schätzchen wach bei ihrer Reise in die Geburtsjahre der Evergreens dieses Genres.

„Ich finde es hier einfach herrlich. Man sitzt in freier Natur und kann die Kapelle genießen“, schwärmte Manfred Stohr. Er war mit Josef Pott von Hollage nach Wersen geradelt. Als sich Schwentker dazu gesellte, kam schnell das Thema interkommunaler Radweg auf den Tisch.

Herrlich fanden es auch die Fans der „Salzsieders“. Viele waren auch beim zweiten Sommerfest dabei. Wie schon beim ersten, verkündete der Vereinsvorsitzende einen besonderen unter mehreren neuen Beitritten: Ingrid Knappheide ist das 150. Vereinsmitglied. Kein Wunder also, dass Schwentker den gelungenen Abend so zusammenfasste: „Tolles Wetter, toller Abend, tolle Stimmung!“