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Jäger will Plage beseitigen Kaninchenjagd auf Alt-Lotter Friedhof ist eröffnet

Von Ursula Holtgrewe | 29.07.2014, 17:55 Uhr

Seit vielen Wochen ist die Kaninchenplage auf dem Alt-Lotter Friedhof Ortsgespräch. Auch im Rathaus mehrten sich die Klagen. Nach etlichen Recherchen und reiflicher Überlegung gibt es für kurzfristiges Handeln nur eine Lösung: die Jagd mit dem Gewehr.

Lottes Umweltbeauftragte Ursula Wilm-Chemnitz hat es sich nicht leicht gemacht bei der Entscheidung für diese Lösung. Die Erlaubnis der evangelischen Kirchengemeinde – der Friedhof ist teils kirchlich, teils kommunal – liegt ihr mittlerweile vor; weiterhin die Genehmigung der unteren Jagdbehörde, die ihre Zustimmung aufgrund der besonderen Situation erteilt hat.

„Das Problem ist schon lange bekannt, aber in diesem Jahr sind die Klagen sehr massiv geworden. Bedingt durch den milden Winter, haben die Kaninchen früh den ersten Wurf gehabt. Daher ist die Population in diesem Jahr stark gewachsen. Eine kurzfristige Lösung musste her. Ich habe bei umliegenden Kommunen nachgefragt, was dort praktikabel war. Schweren Herzens habe ich mich für das Bejagen entschieden“, berichtete sie.

Kaninchenbabys auf der Schaufel

Sehr bewegt habe sie eine Begebenheit, die ihr zugetragen worden sei: Bei der Grabpflege habe ein Angehöriger plötzlich mehrere frisch geworfene Kaninchen auf der Schaufel gehabt und sich darüber sehr entsetzt. Außerdem treffe es Friedhofsbesucher sehr, wenn liebevoll Gepflanztes am nächsten Tag komplett abgefressen sei und Grabstellen wiederholt mehrere Buddellöcher zeigten. „So etwas ist immer wieder ein Schock für die Angehörigen und das möchte ich ihnen gern ersparen“, betonte Ursula Wilm-Chemnitz.

Aus diesem Grund nahm sie Kontakt zum Halener Werner Nienhüser auf; ein Fachmann schlechthin, denn er ist Mit-Jagdpächter in Wersen und Initiator der Waldjugendspiele für Grundschüler in Lotte und Westerkappeln. Dieser wiederum stellte die Verbindung zu Detlev Laumeyer her. Der wuchs in Wersen auf, wohnt in Lechtingen, ist Polizist und Mit-Jagdpächter eines Areals, in dem auch der Friedhof liegt. „Das Gebiet umfasst ungefähr das Dreieck von Frömel in Atter, Botterbusch und Wersener Golfplatz“, erklärte Laumeyer.

Er muss die Auflagen der unteren Jagdbehörde für den Friedhof als „befriedeter Bezirk“ einhalten. Tierschutz und Jagdgesetz haben dabei Vorrang. Schrot als Munition ist verboten, hingegen sind Kleinkaliber-Gewehr und Z-Patronen erlaubt. Gezielt werden soll von einem höheren Ansitz aus oder mithilfe eines Schießstocks, auf den das Gewehr abgelegt wird.

Mit dem Schießstock auf Kaninchen

„Ich werde aufgrund der Gegebenheiten auf dem Friedhof den Schießstock einsetzen. Z-Patronen sind sogenannte Subsonic-Munition, die den Lauf mit Unterschallgeschwindigkeit verlassen. Dann ist der Knall auch schwächer, als mit herkömmlicher KK-Munition, damit sich die Anwohner nicht erschrecken. Ich bitte die Bevölkerung um Verständnis für die Betroffenen, die viel Liebe, Geld und Zeit in die Gräberpflege stecken und darum, dass die Absperrungen akzeptiert und eingehalten werden“, appellierte Detlev Laumeyer an die Vernunft der Bürger.

Der erfahrene Waidmann weiß auch, dass er kein „notwendiges Elterntier“ erlegen darf, wie im Fachjargon Tiereltern bezeichnet werden, die zur Aufzucht ihrer Nachkommen aktiv sind. „Ich ziele nur auf fast Erwachsene und daher noch nicht geschlechtsreife Kaninchen und kleine Tiere, bei denen sicher ist, dass sie keine Nachkommen versorgen müssen“, betonte Laumeyer.

Es ist ein besonders hoher Anspruch, der in diesem Umfeld an den Jäger gestellt wird. Für so einen Einsatz braucht er viel Erfahrung. Die hat Detlev Laumeyer. Wir können froh sein, dass er sich bereit erklärt hat“, anerkannte Werner Nienhüser das Engagement des Jagdkollegen.

Derweil waren die drei mit Laumeyers Drahthaar Jagdhund „Ilgo“ über den Friedhof gegangen und verschafften sich Eindrücke von Spuren, die die Kaninchen hinterlassen haben. Laumeyer macht den Start der Aktion, zu der er „Ilgo“ mitnimmt, abhängig vom Terminplan.

Jagd beginnt am Sonntag

„Denkbar ist es, dass ich erstmals am kommenden Sonntag hier bin“, sagt Laumeyer, der mittlerweile mit fachkundigem Blick zwei Spurenschwerpunkte der Kaninchen entdeckt hatte. „Immerhin haben wir vier Tiere in der kurzen Zeit gesehen, die wir hier sind. Das sind schon recht viele“, resümiert Nienhüser.

In den frühen Sonntag-Morgenstunden wird Detlev Laumeyer also mit aller gebotenen Aufmerksamkeit in dem „befriedeten Bezirk“ Stellung beziehen: „Die Zeit früh morgens ist am besten.“ Verschließbare Türen zum Friedhof bat er zu verriegeln und offene Eingänge abzusperren. „Wer dann in diesem Bereich Schüsse hört, sollte Ruhe bewahren und nicht gleich die Polizei rufen“, betonte der erfahrene Waidmann.

Derzeit sind alle Beteiligten zuversichtlich, dass die Aktion nachhaltigen Erfolg haben wird. Und wenn nicht: Die Ausnahmegenehmigung der unteren Jagdbehörde ist für drei Jahre erteilt worden.