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Impfwoche in Büren Impfen ist Pflicht – Auch für Hobby-Hühnerhalter

Von Erna Berg | 10.02.2015, 17:31 Uhr

Wer kein Halter von Hühnern, Puten oder anderen Geflügelarten ist, kann mit der Bezeichnung „Newcastle Disease“ (ND) wohl kaum etwas anfangen. Die hoch ansteckende, auch als „Atypische Geflügelpest“ bezeichnete Virus-Erkrankung ist weltweit verbreitet und kann bei zahlreichen Vogelarten nachgewiesen werden. Nach der Geflügelpest-Verordnung ist eine Impfung gegen die Seuche bei allen Hühnern und Puten vorgeschrieben.

Diese Impfpflicht ist unabhängig von der Bestandsgröße und gilt somit nicht nur für Massentierhaltung, sondern auch für kleinere Geflügelbestände, wie dies in Hobbyhaltungen häufig der Fall ist. „Zurzeit ist Deutschland ND-frei. Dass diese Tierseuche aber eine latente Bedrohung darstellt, zeigen die letzten Ausbrüche in Schweden im Oktober und in Rumänien im November letzten Jahres“, betonen Dr. Bärbel Schnebel und Dr. Axel Zinke, Inhaber der tierärztlichen Praxis für Vögel an der Bergstraße in Büren. Zinke ist Fachtierarzt für Geflügel. In Schweden waren in Norrköping 24000 Legehennen von der dramatisch verlaufenden Krankheit betroffen und getötet worden. Im Kreis Steinfurt hat es lange keinen Fall von ND mehr gegeben. Das ist auch auf die Einführung der Impfpflicht

Erkrankte Vögel zeigen unter anderem Atemwegserkrankungen, Durchfall, hochgradige Apathie, Verweigerung der Futter- und Wasseraufnahme. Die Erreger werden von Tier zu Tier, durch Transportfahrzeuge, Mist und Futter, über Stallstaub, Frisch- und Gefrierfleisch infizierter Hühner oder durch Menschen mit ihren Schuhen von Hof zu Hof übertragen. „Innerhalb kurzer Zeit breitet sich die Erkrankung in einem Hühnerbestand aus und führt bei nahezu 100 Prozent der Tiere zum Verenden“, berichten die beiden Tierärzte. Manchmal breite sich die Seuche so schnell aus, dass vor Ausbruch noch keine Symptome zu erkennen sind.

Geldbuße für Impfsäumige

Ein Unterlassen der Newcastle-Impfung bei Hühnern und Puten kann als Ordnungswidrigkeit mit einer Geldbuße bis zu 25000 Euro geahndet werden. Bei Seuchenausbruch besteht das Risiko von Regressforderungen, wenn die Tierhalter ihrer Impfpflicht nicht ordnungsgemäß nachgekommen sind. Im Zuge des Ausbruchs der klassischen Geflügelpest im Dezember vergangenen Jahres im Kreis Cloppenburg wurde zudem darauf hingewiesen, dass die Haltung von Geflügel, und somit auch Kleinbeständen, nach der Viehverkehrsordnung bei dem zuständigen Veterinäramt angezeigt werden muss. Vorschrift ist auch die Meldung der Haltung bei der Tierseuchenkasse des entsprechenden Bundeslandes (die dafür benötigte Registriernummer erhält man im Zuge der Anmeldung beim Veterinäramt).

In der Woche vom 16. bis 20. Februar bietet die Tierpraxis in Büren eine Impfwoche an. Nach Terminvereinbarung unter der Telefonnummer 0541/1816888 haben Halter von Geflügelkleinbeständen die Möglichkeit, in der Praxis ihre Hühner per Injektion gegen die Newcastle-Krankheit impfen zu lassen.

Impfformen

„Die Impfung kann über das Trinkwasser oder mit einem Aerosolspray erfolgen“, erklärt Bärbel Schnebel. Zum Erlangen einer ausreichenden Immunität müssen bei dieser Impfform spätestens alle drei Monate Wiederholungsimpfungen durchgeführt werden. Die Impfungen dürfen dabei nicht von dem Besitzer selbst vorgenommen werden, sondern der Impfstoff muss vor Ort jeweils von einem Tierarzt im Trinkwasser gelöst beziehungsweise per Spray ausgebracht werden. Eine länger andauernde Immunität des Vogels gegen die ND erzielt man durch die Einzeltierimpfung per Injektion in die Muskulatur. Initial muss eine Auffrischungsimpfung nach vier Wochen verabreicht werden, danach reichen jährliche Wiederholungen der Impfinjektion aus. Impfen schützt nicht nur den eigenen Bestand, Tierhalter nehmen sich damit auch in die Pflicht, andere Tiere zu schützen. Ist die Seuche erst einmal ausgebrochen und der Bestand vernichtet, ist das Klagen groß und die Chance vertan.

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