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Hilfe muss organisiert werden Lotte schmiedet Bündnis für Flüchtlinge

Von Angelika Hitzke | 19.03.2015, 15:47 Uhr

Die Bereitschaft zu helfen ist da. Jetzt geht es darum, Koordinatoren und Ansprechpartner für die einzelnen Handlungsfelder zu finden, eine Struktur aufzubauen und die Kräfte zu bündeln: Das ist das Ergebnis der Auftaktveranstaltung zur Gründung einer parteipolitisch unabhängigen Initiative zur Unterstützung der Flüchtlinge in der Gemeinde Lotte, zu der sich am Mittwoch rund 30 Teilnehmer in der Elly-Heuss-Begegnungsstätte eingefunden hatten.

Angestoßen von der ehemaligen Ratsfrau Friedel Glüder, hatten dazu die Lotter Grünen und der Osnabrücker Flüchtlingshilfeverein Exil eingeladen. Das große Interesse quer über alle Partei- und Altersgrenzen hinweg zeigte sich auch daran, dass sich unter den Veranstaltungsteilnehmern neben Bürgermeister Rainer Lammers und dem SPD-Fraktionschef Thomas Giebel sowie seiner Fraktionskollegin Susanne Siemering unter anderen auch die Ehefrau des CDU-Fraktionsvorsitzenden Werner Schwentker, Renate Schwentker, das Alt-Lotter Pastorenehepaar Salomo, Posaunenchorleiterin Iris Pfordt, der Wersener Jugendpfleger Robert Budde und der Vorsitzende des SV Büren, Christian Kroll, befanden. Die Grünen waren durch Thomas Schmitt und Stefan Franke vertreten.

Friedel Glüder eröffnete die Runde, in der es nach einleitenden Informationen jede Menge Fragen und Anregungen gab, mit einem Ländervergleich zwischen dem Libanon und Deutschland: Der 5,9-Millionen-Einwohner-Staat im Nahen Osten hat auf einer Gesamtfläche von 10457 Quadratkilometern zwei Millionen Flüchtlinge aufgenommen. In Deutschland leben rund 81 Millionen Einwohner auf einer Fläche von 357340 Quadratkilometern. „Und Deutschland fürchtet sich vor 200000 Flüchtlingen in diesem Jahr“, so Glüder.

Die Sozialamtsleiterin berichtete, dass in Lotte aktuelle 72 Asylbewerber aus rund 20 Nationen leben – überwiegend männliche Einzelpersonen, aber auch einige Familien . Letztere habe man inzwischen in drei angemieteten Wohnungen untergebracht, die übrigen in der Gemeinschaftsunterkunft Moorbreede . Die beengte Situation dort werde sich mit der Fertigstellung der zweiten für rund 20 Personen ausgelegten Unterkunft in Lotte entzerren. Hauptprobleme, so verdeutlichten Fragen und Antworten, sind die Sprache und die erzwungene Untätigkeit: Arbeiten dürfen Asylbewerber frühestens nach drei Monaten, aber nur mit Erlaubnis der Ausländerbehörde des Kreises. Erst nach 49 Monaten dürfen sie sich auch ohne Erlaubnis Arbeit suchen. Und: Deutschkurse gibt es nur für anerkannte Asylbewerber, nicht für geduldete Flüchtlinge und solche, deren Verfahren noch läuft.

Ehrenamtliche Sprachlernhelfer wie Mitinitiatorin Ursula Schmidt-Neubauer und der ehrenamtliche Flüchtlingsbetreuer Hans-Jürgen Rehberg – von ihm, so berichtete der marokkanische Flüchtling Mustafcah Ouzaouit, hat er seine Deutschkenntnisse – können also noch reichlich Verstärkung gebrauchen. Britt Bartel berichtete aus der 27-jährigen Erfahrung von Exil, dass sich neben Sprachkursen, Beratung und Hilfestellung bei Behördengängen auch Angebote zu Freizeitbeschäftigungen wie Ausflügen, Wandern oder Begegnungstreffen bewährt hätten.

Kommunikationscafé, Sportangebote, Kinderunterstützung, Patenschaften oder Fahrten zum Arzt oder zum Einkaufen, Hilfe beim Ausfüllen von Formularen oder Sachspenden – Möglichkeiten zur Hilfe gibt es viele. Friedel Glüders Versuch, für jedes dieser Handlungsfelder bereits einen Koordinator festzuklopfen, fand jedoch nicht die erhoffte Resonanz. „Wir müssen das erst mal sacken lassen“, so Robert Budde. Auch Annette und Detlef Salomo, die sich beispielsweise ein regelmäßiges Begegnungscafé im Gemeindezentrum vorstellen könnten, betonten, dass sie zunächst mit Presbyterium und den anderen Kirchengemeinden Rücksprache halten müssten. Bis auf Weiteres bleiben daher Friedel Glüder (E-Mail: glueder@arcor.de) und Ursula Schmidt-Neubauer (schmidtneu@web.de) Ansprechpartner für die Lotter Flüchtlingshilfe.