Ein Artikel der Redaktion Neue Osnabrücker ZeitungLogo Neue Osnabrücker Zeitung

Heuernte sonst in Gefahr Bauern hoffen auf Schönwetterperiode

Von Angelika Hitzke | 10.07.2014, 19:01 Uhr

Ein milder Winter, ein feuchtes Frühjahr – was bedeutet das für den Ackerbau in der Gemeinde Lotte? Ist es wirklich so, wie die NRW-Landwirtschaftskammer meldet, dass der Regen die Mähdrescher ausbremst? Hartmut Meyer, Vollerwerbslandwirt aus Halen und Aktiver unter anderem im Landwirtschaftlichen Lokalverein, gibt Auskunft über die Lage auf den hiesigen Feldern.

Angebaut werden neben Getreide wie Wintergerste, Triticale und Weizen auch Mais und Kartoffeln – hauptsächlich „Pommeskartoffeln“ im Flächenaustausch mit dem Nortruper Landwirt Sören Diersing-Espenhorst, um die Fruchtfolge zu gewährleisten, berichtet der Ortslandwirt. Kartoffeln, so erklärt er, dürfen nämlich nur auf Böden gepflanzt werden, auf denen mindestens fünf, besser aber zehn oder 20 Jahre lang andere Feldfrüchte angebaut wurden, weil sonst die Gefahr des Nematodenbefalls besteht. Darum tauschen sich die Landwirte mit dem Saatgut, den Flächen und der Absprache, was wann wo gesät beziehungsweise gepflanzt wird, aus.

Auf einigen Flächen, auf denen jetzt Mais wächst, haben liegen gebliebene Altkartoffeln gekeimt und bereits neue Knollen angesetzt. Daran ist laut Meyer der milde Winter schuld: „Es ist ja nichts kaputt gefroren!“

Insgesamt aber stünden sowohl der Mais als auch die Kartoffeln gut; Letztere zeigen bereits „gute Ansätze“. Aber: „Die feuchte Witterung hat zu einem starken <a href="http://www.landwirtschaft-bw.info/.../Krautfäulebekämpfung-3.pdf">Befall mit Krautfäule geführt. Dazu kommt ein ziemlicher Preisverfall, besonders bei Pommeskartoffeln“, sagt er. Und die Kartoffeln hier aus der Gegend seien überwiegen für die Verarbeitung zu Pommes frites oder Kartoffelchips bestimmt.

Die Fruchtfolge variiert je nach Lage und Bodenbeschaffenheit (leichte, sandige oder eher schwere, lehmhaltige Böden), kann aber zum Beispiel so aussehen: erst Kartoffeln, dann Triticale (eine Kreuzung aus Weizen und Roggen) oder Roggen, dann Mais, dazwischen Erbsen, Raps, Rübsen oder Markstammkohl, die zur Bodenverbesserung untergepflügt werden. Speziell in Halen werden auch Senf, Raps und Sonnenblumen angebaut – „als Zwischenfrüchte und natürlich auch ein bisschen was fürs Auge“, so Hartmut Meyer.

Auf dem Halener Esch habe die Ernte der Wintergerste bereits vergangenen Freitag begonnen: „Da, wo der Boden nicht so gut ist, ist die Abreife weiter“, erläutert der Agrarfachmann. Jetzt hoffe man auf trockenes Wetter, um ab nächster Woche auch die Gerste von den anderen Flächen einbringen zu können. „Starkregen würde zu Ernteverlusten führen“, sagt er. Noch rechne er allerdings mit einem zumindest für die leichten Böden guten Ertrag von über sieben Tonnen je Hektar.

Auch bei Triticale und Weizen seien die Ähren „im Moment gut besetzt“. Die Körner sind aber noch grün, also unreif. „Wenn das Wetter mitspielt, verspricht das, eine gute Ernte zu werden.“ Wer nicht gespritzt habe, bekomme aber durch die feuchte Witterung Probleme mit Mehltau , also Pilzbefall.

Auch beim Mais habe es auf nassen Standorten Probleme gegeben, berichtet Hartmut Meyer weiter. Dort seien die Pflanzen blau geworden und mickrig geblieben, ganz im Gegensatz zu den höheren, trockeneren Standorten.

Sollte es weiterhin so viel regnen, dürfte auch die Heuernte für die Grassilage problematisch werden. Sein Berufskollege und Maststallpartner Hendrik Stiegemeyer habe vergangene Woche noch Glück gehabt, als er am Dienstag gemäht und das Heu am Freitag eingefahren habe. „Aber wir haben ja hier auch viele Flächen, wo wir nach dem Naturschutzgesetz erst ab 15. Juli mähen können“, sagt er und betont: „Beim Heu ist es wichtig, dass es regenfrei reinkommt.“

Immerhin hätten die Lotter Landwirte bisher nicht mit Stürmen, Windhosen oder Starkregen zu kämpfen gehabt. „Worauf wir jetzt warten, ist eine Schönwetterperiode“, so Meyer.