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Griechen bitten um Vertrauen Pieper über Mittelstandsförderprojekt in Makedonien

Von Thomas Niemeyer | 09.04.2015, 16:00 Uhr

Während die meisten Lotter nahezu allabendlich staunend die neuesten Kapriolen aus und über Griechenland im Fernsehen vernehmen, kann sich einer der ihren seine Eindrücke unmittelbar an der Quelle verschaffen – beruflich. Als Europaabgeordneter mit Regionalförderung befasst, hat Markus Pieper aus Halen in Hellas’ nördlicher Provinz Makedonien ein eigenes Mittelstandsprojekt angeschoben, das er vor nicht langer Zeit besuchte.

„Im Kern haben uns meine Gesprächspartner in den fünf beteiligten mittelständischen Unternehmen gebeten, ihr Vertrauen in die eigene Regierung wiederherzustellen“, erklärt der Christdemokrat nach seiner Rückkehr . Wohlgemerkt: nicht das Vertrauen in die EU oder gar in die deutsche Regierung; Brüssel solle den Makedoniern gegen griechische Bürokratie, Korruption und Unfähigkeit helfen.

Immer noch tief beeindruckt zeigt sich Pieper von der Freundlichkeit der Griechen gegenüber ihm als deutschem Politiker. Weder vonseiten der Unternehmer noch ihrer Mitarbeiter oder der Pressevertreter habe er auch nur ein böses Wort gehört, im Gegenteil: „Mein Eindruck ist, dass die Menschen in der griechischen Provinz genau wissen, dass ihre Eliten den Karren in den Dreck gesetzt haben – und sie schämen sich den anderen Europäern gegenüber.“

Der Vertrauensverlust gegenüber Athen sei massiv, berichtet Pieper. Das gelte für alle Parteien dort. Allerdings hätten Syriza und ihr rechtsextremer Koalitionspartner in der kurzen Zeit ihrer Regierung noch mehr Schaden angerichtet. So seien sinnvolle und notwendige Privatisierungen gestoppt worden. Pieper: „Für eine Halbliterflasche Wasser habe ich am Flughafen von Thessaloniki 35 Cent bezahlt – eine völlig absurde Subvention. Aber statt Fraport dort für Ordnung und Einnahmen sorgen zu lassen, bremst Herr Tsipras das aus. Fraport wird nicht investieren, wenn es den Einsatz seines Geldes nicht selbst bestimmen darf.“

Initiativen, die duale Berufsausbildung nach deutschem Vorbild schrittweise einzuführen, um die hohe Jugendarbeitslosigkeit zu bekämpfen, habe die neue Regierung mit dem Argument gestoppt, geringe Ausbildungsvergütungen seien Ausbeutung. Weiterhin gingen bewilligte Fördergelder ungenutzt zurück, weil die Behörden nicht willens oder nicht in der Lage seien, sie angemessen einzusetzen.

Unter den fünf Betrieben, die er besuchte, sei eine Brauerei, die aber inzwischen auch Eistee produziere, nahezu ausschließlich für den Export. Das zeige, so Pieper, dass es in Griechenland findige Unternehmer gebe. Doch immer wieder würden sie am Erfolg gehindert.

So habe er in einer Fleischfabrik, die eine Art Schinkenwurst und Pizza-Beläge herstellt, erfahren, dass sie ohne Bestechungsgelder keine Chance habe, bei griechischen Handelsketten gelistet zu werden. Die „Luncheon Meat Evrou SA“, die reichlich Steuern zahle, expandiere, zumal sie inzwischen ein Drittel ihrer Produkte exportiere. Rund um den Betrieb gebe es leere Fabrikhallen, berichtet Pieper. Doch die Erweiterung scheitere daran, dass keiner wisse, wem diese Hallen eigentlich gehören. Die alte Regierung habe eine Art Treuhand ins Leben gerufen, um solche Probleme zu beheben, die neue Administration habe auch sie wieder gestoppt.

Markus Pieper wirbt dafür, die Griechen durch fachliche Unterstützung in all diesen Bereichen im Euro zu halten . Voraussetzung sei aber, dass die dortige Regierung das endlich zulasse: „Letztlich haben die Griechen den Verbleib in der Eurozone selbst in der Hand.“ Fachleute und Fördermittel stünden reichlich bereit. Makedonien liege unmittelbar an der türkischen Grenze. Ein Scheitern hätte für Europa nicht nur wirtschaftlich verheerende Folgen.