Ein Artikel der Redaktion

Geständnis nach drei Jahren Küchenkraft unterschlug Essensgelder an Lotter Grundschule

Von Dietlind Ellerich | 17.12.2015, 16:13 Uhr

Sie habe Mist gebaut und dafür müsse sie geradestehen, so hatte es die Frau aus Lotte bereits vor drei Jahren vor Zeuginnen an ihrem Arbeitsplatz gesagt. Sie war Küchenkraft an der Grundschule Lotte und soll zwischen März und Dezember 2012 rund 10000 Euro unterschlagen haben. Um ihr Fehlverhalten auch vor Gericht einzugestehen, bedurfte es bis heute dreier Verhandlungstermine und einer Verfahrensabsprache.

Die Beschuldigte soll eine Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu 23 Euro zahlen – so lautet der Deal, den das Amtsgericht Tecklenburg, die Staatsanwaltschaft Münster und die Verteidigung nun mit der Zustimmung der Angeklagten schlossen. „Ich habe das Geld unterschlagen“, zu dem entscheidenden Satz rang sich die Frau am Mittwoch nach knapp dreistündiger Beweisaufnahme durch.

Essensgelder für die eigene Tasche

Die Anklage beschuldigte die Frau der Untreue in acht Fällen. Die Küchenkraft soll von den Eltern für das Mittagessen ihrer Kinder gezahlte Gelder nicht an den Osnabrücker Essenslieferanten weitergeleitet, sondern in die eigene Tasche gesteckt haben.

6000 Euro Rückstand – Caterer fragt nach

Die Sache flog auf, als der Caterer die Leiterin der Schule anrief, um auf seine Außenstände aufmerksam zu machen. Es sei üblich gewesen, dass auch mal mehrere Monate später bezahlt wurde, sagte der 52-Jährige vor Gericht aus. „Bei einer öffentlichen Schule habe ich mir keine Gedanken gemacht“, begründete er, weshalb er erst „bei über 6000 Euro“ die Reißleine zog.

Jahrelanges Vertrauen

„Ich fiel aus allen Wolken“, erinnerte sich die Schulleiterin an das erste Telefonat mit dem Mann. Über Jahre habe man vertrauensvoll mit der Küchenkraft, die auch für die Essensbestellung und die Bezahlung der Rechnungen zuständig gewesen sei, zusammengearbeitet. Nie habe es Beschwerden, geschweige denn Mahnungen gegeben, versicherte die 64-Jährige, die ebenso wie die Koordinatorin des Ganztagsangebotes der Grundschule keinen Anlass hatte, daran zu zweifeln, dass alles mit rechten Dingen zuging.

Undurchsichtiges System erleichtert Bereicherung

Das Durcheinander aus Teil- und Restzahlungen, Überweisungen, Bareinzahlungen und verschiedenen Kassen habe es der Angeklagten leicht gemacht, waren sich Gericht und Staatsanwaltschaft einig. Es habe keiner großen kriminellen Energie bedurft, um in Versuchung zu kommen, machte der Richter deutlich. Allerdings sei die Summe der veruntreuten Gelder sehr hoch.

Eine Rechnung bleibt offen

Das Verfahren zum achten Anklagepunkt, der Rechnung vom November 2012, stellte das Gericht ein, weil diese erst im Dezember erstellt worden war und nicht mehr zu klären ist, ob die Angeklagte zu dem Zeitpunkt überhaupt noch in der Schule gearbeitet hat. Der Arbeitgeber hatte ihr nach dem Geschehen nahegelegt zu kündigen, was die damals 46-Jährige auch tat.

Geständnis noch zur rechten Zeit

Das Urteil ist der Schlussstrich unter ein mehrjähriges, sehr verworrenes Verfahren , das die Angeklagte durch ihr Geständnis nun deutlich abgekürzt habe, hielt ihr der Richter in seiner Urteilsbegründung zugute.

Zivilrechtliche Forderungen kommen noch

Insgesamt 2070 Euro in monatlichen Raten zu je 75 Euro, sowie die Kosten des Strafverfahrens hat die Lotteranerin nun zu stemmen. Schwerer ins Gewicht fallen dürften die zivilrechtlichen Forderungen, die nach der Verurteilung auf die 49-Jährige zukommen werden. „Vereinbaren Sie frühzeitig Ratenzahlung“, legte ihr der Richter eindringlich nahe.

Das Landgericht Münster hatte die Gemeinde Lotte als Träger der Schule in einem zivilrechtlichen Verfahren bereits im Juni 2013 zur Zahlung der rund 10000 Euro plus Zinsen an den Essenslieferanten aus Osnabrück verurteilt.