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Fußball ermöglicht Breitensport Neuer Vorsitzender der Sportfreunde Lotte über den Verein

Von Angelika Hitzke | 11.05.2015, 20:30 Uhr

Er kommt aus Lengerich am Teutoburger Wald, lässt sich aber schon seit vielen Jahren kein Spiel der Blau-Weißen entgehen. Seit dem 20. März ist der Bankkaufmann Vorsitzender der Sportfreunde Lotte: Wir sprachen mit Hans-Ulrich Saatkamp über den Verein, die Rolle des Fußballs und weitere Schwerpunkte für die Zukunft.

Herr Saatkamp, die meisten Leute denken an die Regionalliga-Mannschaft, wenn sie „Sportfreunde Lotte“ hören. Welchen Anteil hat der Fußball am Vereinsleben?

Der Fußball überlagert natürlich alles. Das ist aber auch gut so, weil wir die Einnahmen brauchen, um Breitensport in dieser Fülle anbieten zu können. Ohne den Fußball wäre hier vieles nicht möglich. Aber mir liegt der Breitensport sehr am Herzen, weil ich selber aus der Leichtathletik komme. Vor 30 Jahren habe ich für Šchwarz-Weiß Lienen den Volkslauf mit organisiert. Ich war auch selber Langstreckenläufer; 25 Marathons habe ich bestimmt gemacht. Sie wissen ja, dass wir hier in Lotte zum 27. Mal den Volkslauf rund ums Lotter Kreuz veranstalten. Da würde ich auch gerne mitlaufen (schmunzelt), nur: Die Kondition reicht im Moment nicht dafür. Aber ich arbeite dran. (Weiterlesen: Lotte nur 3:3: Sieg im Siegerland sausen lassen) 

Wie viele Mitglieder hat der Verein zurzeit, und wie kamen Sie als Lengericher zu den Sportfreunden und in den Vorstand?

Ich meine, wir haben jetzt etwa 1400 Mitglieder. Ich musste auch erst Mitglied werden, obwohl ich mir schon seit vielen Jahren die Spiele anschaue, sowohl auswärts, als auch zu Hause. Ich habe immer sehr viel Elan hier gespürt. Hierher gekommen bin ich übrigens vor etwa acht Jahren, also noch zu Oberligazeiten, durch Manfred Mrugalla. Ich war sehr überrascht, was sich hier entwickelt; das hat mich fasziniert. Dann hat das so eine Eigendynamik entwickelt. In den Vorstand bin ich über Rolf Horstmann gekommen, zu dem ich auch schon geschäftliche Beziehungen hatte. Als er den Vorsitz nicht wieder übernehmen wollte, hat er mich gefragt, ob ich das machen würde. Im Oktober/November gab’s da erste Gespräche.

Was gehört alles zum Breitensportangebot der Sportfreunde Lotte?

Wir haben ja mit Heinz Budke [Jugendwart und Abteilungsleiter Gymnastik und Turnen, Red.] einen sehr engagierten Mitstreiter im Verein, der sich um diese Dinge kümmert, unglaublich dynamisch ist und auch selber an Übungsleiterlehrgängen teilnimmt. Ganz konkret haben wir seit dem 11. Mai zwei neue Angebote: Das ist die Wirbelsäulengymnastik 55 morgens von 8.30 bis 9.30 Uhr unter Anleitung von Diplom-Sportlehrerin Iris Unland, die auch Kurse gibt in Osnabrück. Heinz Budke war froh, dass er diese tolle Kraft gewinnen konnte. Anschließend wird es von 9.30 bis 10.30 Uhr unter dem Motto „Fit in den Morgen“ weitergehen mit Stärkung der Muskulatur und Aufbaugymnastik für Männer und Frauen ohne Altersangabe, also für jedermann. Da muss man auch nicht Mitglied sein. Aber wir hoffen natürlich, dass der oder die eine oder andere dann Mitglied wird. Wir sehen uns nicht als Konkurrenz zu Fitness-Studios, denn wir wollen das in der Gruppe machen. Wir haben auch die Abnahme der Sportabzeichen. Dann haben wir Eltern-Kind-Turnen, Leichtathletik für Kinder, Kindertanzen, was ich ganz toll finde, Tischtennis, Schwimmen, Cheerleadergruppe, Wavesy, Waveboard, Einrad und Inliner, Reha-Sport, Bodyworkout. Bodyworkout wird sehr stark angenommen. Mich freut insbesondere, dass wir so stabile Teilnehmerzahlen haben. Das Problem ist, Sie brauchen qualifizierte Übungsleiter.

Welchen Stellenwert hat der Gesundheitssport?

Für mich persönlich einen sehr hohen Stellenwert. Ich habe selber auch schon Reha-Sport gemacht. Dabei geht es ja darum, durch gezielte Übungen in einem kontinuierlichen Prozess bei verschiedenen schon vorhandenen oder drohenden Beeinträchtigungen die körperliche Leistungsfähigkeit wiederherzustellen oder zu erhalten mit speziellen Gymnastikgeräten und Material aus dem Ergo- und Physiotherapiebereich. Reha-Sport wird vom Arzt verordnet.

Die Sportfreunde wollen ja Kinder stark machen. Warum ist Bewegung für Kinder so wichtig?

Der kindliche Bewegungsdrang muss viel stärker gefördert werden. Früher, in den 60er-Jahren, hat man draußen auf der Straße gespielt, ist mal durch die Natur und durch den Wald gelaufen, hat Buden und Baumhäuser gebaut. Das kommt heute alles viel zu kurz. Es fängt ja schon damit an, dass Kinder, obwohl sie schon laufen können, in den Buggy gesetzt werden, weil das schneller geht, und Eltern ihre Kinder mit dem Auto zur Schule fahren. Kinder und Jugendliche heute sind oft gar nicht mehr körperlich aktiv, sitzen viel vorm Fernseher oder am Computer. Da muss man sie schon im Verein anmelden, damit sie sich überhaupt bewegen.

Welche Schwerpunkte wollen Sie als neuer Vorsitzender künftig setzen?

Ich möchte schon den Breitensport voranbringen, aber neue Schwerpunkte – das kann ich so noch gar nicht sagen, ich bin ja noch in der Findungsphase. Noch bin ich in Lengerich voll berufstätig und deshalb im Moment nur zwei- bis dreimal die Woche hier. Ende Mai gehe ich in Pension; ab Juni wird sich das also stark ändern, und ich werde öfter hier sein. Wir wollen im Vorstand über die Schwerpunkte diskutieren und klare Absprachen über Zuständigkeiten treffen, wobei wir schon sehr harmonieren in der Zusammenarbeit. Ganz wichtig ist die Gemeinschaft: Wir sind hier eine große Familie. Und dass wir als Verein auch wachsen.