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Fortschritte beim Flächenerwerb Lotte hat Potenzial für Gewerbeansiedlung

Von Thomas Niemeyer | 14.02.2014, 14:07 Uhr

Im anstehenden Kommunalwahlkampf wird es zwischen der SPD auf der einen sowie CDU, FDP und Grünen auf der anderen Seite kontrovers werden, wenn es um die Stichworte Wirtschaftsförderung und Gewerbeansiedlung geht. Die WT versucht nun im Vorfeld, die verfügbaren Fakten zu diesem Themenkomplex kompakt darzustellen.

Auf Druck des sogenannten Jamaika-Bündnisses und gegen den Willen von SPD und Bürgermeister Rainer Lammers ist die Stelle eines Wirtschaftsförderers für die Gemeinde Lotte mittlerweile durch Anzeige am 1. Februar in der Neuen OZ öffentlich ausgeschrieben. Die Bewerbungsfrist läuft noch bis zum 24. Februar; allerdings sind, wie aus dem Rathaus verlautete, bereits zahlreiche Bewerbungen eingegangen.

Lammers und SPD hatten gegen eine Ausschreibung zu diesem frühen Zeitpunkt argumentiert, dass noch bis zum Sommer Einigkeit bestanden habe, zunächst in einem Masterplan gemeinsame Ziele zur Entwicklung der Gemeinde zu formulieren und dabei auch die Basis für die Arbeit eines Wirtschaftsförderers zu definieren. Dann aber hatte Jamaika im Streit um den Jugendraum in Büren die Mitarbeit am Masterplan aufgekündigt.

Sollte nun zeitnah ein Wirtschaftsförderer eingestellt werden, hätte der angesichts des Planungsstandes bei den infrage kommenden Flächen nichts Sinnvolles zu tun, befürchten die Sozialdemokraten . Dagegen argumentieren CDU, FDP und Grüne, dass es bei der Fortentwicklung dieses Planungsstandes, der Bestandspflege und der Ausarbeitung eines Vermarktungskonzeptes reichlich zu tun gebe.

Das wirft die Frage nach den für Gewerbeansiedlung geeigneten Flächen und ihrem Planungsstatus auf.

Am weitesten fortgeschritten scheint ein gut 7 Hektar großes Areal am Bürener Berg zwischen Bergstraße, Atterstraße und A1. Den größeren Teil davon hat die Gemeinde bereits aus einem Nachlass erworben. Die Eigentümerin der kleineren Fläche ist grundsätzlich verkaufsbereit. Der Umsetzung ihrer Preisvorstellungen abträglich ist offenbar die kostenträchtige Hanglage samt Entwässerungssituation sowie die Tatsache, dass die Lärmvorbelastung der nahen Autobahn bei den Immissionsschutzauflagen nicht berücksichtigt werden darf.

Gleich gegenüber im Gewerbegebiet Heuersmoor sind noch 8,5 Hektar unbelegt. Die größte Teilfläche zwischen Gärtnerweg, Teichweg und Stadtgrenze Osnabrück umfasst rund 5 Hektar. Für die bereits erschlossenen Grundstücke an der Schnittstelle mit dem Industriegebiet Atter gibt es dem Vernehmen nach längst konkrete Interessenten – zumal die Lage nahe der A-1-Anschlussstelle Osnabrück-Hafen erstklassig ist. Vermarktungsproblem: Derzeit besteht noch der einstimmig im Rat erteilte Auftrag, dort Einzelhandel anzusiedeln.

Gar nicht so weit entfernt, aber auf Alt-Lotter Areal, liegt die Fläche, die vor wenigen Jahren fest für die Ansiedlung der Zentrale der Spedition Heinrich Koch International vorgesehen war. Die 16 Hektar dafür zwischen den Bahnhofstraßen von Lotte und Atter überschritten allerdings die Landesgrenze und befanden sich damals überwiegend noch in Privatbesitz, was letztlich die Koch-Pläne durchkreuzte.

Der Lotter Anteil, der unter der alten Flurbezeichnung Pätzkamp firmiert, umfasst nach Abzug der Bebauung am Kronenpohl und der Verkehrswege knapp 6 Hektar. Die allerdings befinden sich inzwischen überwiegend im Gemeindeeigentum. Ihre Attraktivität wird deutlich steigen, wenn der laufende Bau zur „Beseitigung des höhengleichen Bahnübergangs“ abgeschlossen ist, sprich: wenn die Brücke über die Bahn steht und Wartezeiten beseitigt. Ob es an dieser Stelle zu einer Wiederbelebung einst intensiv diskutierter interkommunaler Nutzungs- und Vermarktungsstrategien kommt, ist offen.

Nur wenige Hundert Meter weiter entlang der Bahnlinie Richtung Rheine folgt dann die 8-Hektar-Fläche mit dem wenig überraschenden Arbeitstitel An der Bahn. Zwischen Torfkuhlenweg, Im Westerfeld und dem Firmengelände von Wessels & Müller hat offenbar nur ein Eigentümer die Hand drauf. Der jedoch ist verstorben, und die Erbfolge dem Vernehmen nach unklar. Das verdammt Verwaltung und Politik zum Warten.

So bleibt völlig unabsehbar, ob sich dort nahe der Gemeindegrenze zu Westerkappeln nach der Erbauseinandersetzung das grundsätzlich nicht seltene Phänomen erledigen wird, dass das ausdrückliche Bekenntnis zur Verkaufsbereitschaft über Jahre und Jahrzehnte dann in der Praxis beständig durch Verweigerung gegenüber jedem potenziellen Käufer ausgehebelt wird. Dieses Phänomen legt es übrigens nahe, in Stellenausschreibungen für Wirtschaftsförderer die charakterliche Eigenschaft der Geduld aufzunehmen.

Nicht ausreichen dürfte die Geduld allerdings an einer üppigen Fläche, die weitere zwei Kilometer entlang der Bahnlinie nach Südwesten liegt. Sie beginnt südlich des Schießstandes am Botterbusch auf Lotter Gebiet und erstreckt sich entlang der L597 fast bis zur A-30-Anschlussstelle Lotte auf Westerkappelner Areal.

Da sich dort aber in feuchten Zeiten der Hischebach beziehungsweise der Velper Mühlenbach ausbreiten, hat die Obere Wasserbehörde allen hoch fliegenden Plänen, hier quasi eine Verlängerung des Industriegebietes Velpe herzustellen, ein Stoppschild vorgeschoben. In Überschwemmungsgebieten darf nicht gebaut werden. Wer das überwinden will, muss dem Gebiet glaubhaft die Überschwemmungsgefahr nehmen. Das ist nicht leicht.

Machbar dagegen wären noch Firmenansiedlungen in kleineren Lücken bereits bestehender Gewerbegebiete. Genauere Angaben zum Umfang der verfügbaren Flächen hängen davon ab, ob einzelne Wohnhäuser ausgesiedelt werden können. Immerhin zeigt die Übersicht, dass es im Gemeindegebiet ein beträchtliches Potenzial an Gewerbeflächen gibt. Einige davon haben in den vergangenen Jahren auch nennenswerte Fortschritte gemacht. Der Teufel, der dem Handel im Wege steht, liegt aber wie so oft im Detail.