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Bewegung in Sachen Nordbahn Lotter CDU-Fraktion schlägt Stadtbahn in Büren vor

Von Angelika Hitzke | 05.05.2015, 13:11 Uhr

„Für Bewegung in Lotte“ lautet der Slogan der CDU. Bewegung in die Diskussion um die Reaktivierung der Tecklenburger Nordbahn (TN) dürfte ein Antrag zur Entwicklung von Planungsalternativen zur Streckenführung im Bereich Strotheweg in Büren bringen, den der Vorsitzende der CDU-Ratsfraktion, Werner Schwentker, jetzt an Bürgermeister Rainer Lammers gerichtet hat. Anlass für uns, auch beim Zweckverband Schienenpersonennahverkehr Münsterland (ZVM) nach dem aktuellen Planungsstand zu fragen.

In seinem Antrag verweist der CDU-Fraktionschef auf das Votum des Rates gegen die Planungen im Bereich des Strotheweges sowie gegen eine Kostenbeteiligung vom Dezember 2011. Da sich die Reaktivierungspläne derzeit in einer Phase befänden, in der wesentliche Gestaltungsfragen der Strecke festgelegt werden und die Finanzierung der Investitionen und des Betriebes für einen ersten Abschnitt bis Westerkappeln beziehungsweise Mettingen durch den ZVM gesichert seien, habe die Gemeinde Lotte jetzt die letzte Gelegenheit, sich aktiv in die Gestaltung einzubringen, begründet Schwentker seinen Antrag.

Darin hebt er auch hervor, dass gewährleistet sei, dass der Gemeinde keine Kosten für die Erneuerung der Strecke, den Bau der Haltepunkte und den künftigen Bahnbetrieb entstünden. Die Nachbarkommunen, so Schwentker weiter, sähen die Reaktivierung „auch unter dem Aspekt, dass künftige Entwicklungen nur dort gefördert werden, wo leistungsfähige Verkehrswege vorhanden sind“, zunehmend als Zukunftsprojekt.

Im Antrag selbst nicht ausdrücklich angesprochen, aber sicherlich auch eine Rolle für den Vorstoß spielen dürfte die aktuelle Aufgabe der Gemeinde, ein Klimaschutzkonzept zu erarbeiten. Denn – wie berichtet – im Bereich Mobilität werden nach der Analyse der Experten 70 Prozent des CO2-Ausstoßes derzeit vom Individual-, sprich: Autoverkehr verursacht.

Wegen der Situation am Strotheweg in Büren, wo derzeit ein breites Gleisbett auf der Südseite parallel zur zweispurigen Straße verläuft, die lediglich auf der Nordseite einen schmalen Bürgersteig, aber keinen Radweg aufweist, hatte sich die Ratsmehrheit schließlich auf die Seite der Reaktivierungsgegner gestellt. Mit ihrem Vorschlag versucht die CDU-Fraktion nun, die Kuh vom Eis zu bringen und vielleicht doch eine auch für die Bürener Anwohner akzeptable Wiederbelebung des Schienenpersonennahverkehrs zu ermöglichen.

Stadtbahngleis

Ein Blick auf die Umsetzung vergleichbarer Projekte zeige, dass die Problematik nicht einmalig ist, so Schwentker, um dann konkret zu werden: „Ein Lösungsansatz könnte vielleicht eine Streckenführung wie bei Stadtbahnen sein, die mittig auf einen eigenständigen Gleiskörper zwischen den beiden Richtungsfahrbahnen liegt. Eine erste Abschätzung des vorhandenen Verkehrsraumes zeigt, dass hier ausreichend Platz für Autostraße, Stadtbahn, Fuß- und Radweg verfügbar sein müsste.“

Güterverkehr vom Tisch

Der CDU-Fraktionschef betont, dass mit einer Umsetzung als Straßen/Stadtbahn auch die Frage eines Güterverkehrs vom Tisch sei, da Güterzüge auf einem solchen Gleis nicht fahren können. Zudem böte eine solche Variante gleichzeitig die Möglichkeit, die Verkehrssicherheit für Radfahrer und abbiegenden Verkehr zu erhöhen.

Die CDU beantragt daher, dass sich die Verwaltung umgehend aktiv in die derzeitige Planung einbringt, Alternativen zur derzeitigen unbefriedigenden Verkehrsführung am Strotheweg entwirft und dem ZVM zur Prüfung auf Realisierbarkeit vorlegt. Dabei soll sie den „Ansatz einer Stadtbahn mittig im Straßenkörper“ planerisch in Abstimmung mit der Politik vervollständigen. Dieser Lösungsvorschlag soll dann laut CDU-Antrag dem ZVM als eigenständige Alternative mit vorgelegt werden.

Außerdem beinhaltet der CDU-Antrag noch, dass mit der Planung des Haltepunktes Büren/Eversburg sichergestellt werden soll, dass der Straßenverkehr im Querungsbereich Bergstraße während der Haltezeit kein Rotlicht erhält und ein durchgängiger Radweg auf der Nordseite ermöglicht wird. Die Alternativen und deren Bewertung sollen rechtzeitig vor Abschluss der Planungsphase 4 im zuständigen Fachausschuss vorgestellt werden.

Diese Planungsphase 4, so bestätigte Markus Rümke, Bereichsleiter Angebotsplanung beim ZVM auf Nachfrage, wird bis zum Herbst dieses Jahres abgeschlossen. Sie beinhaltet nach seinen Erläuterungen die gesamte Verkehrsanlage, die Weichen, Haltepunkte und die Sicherungstechnik auch für die Bahnübergänge . In diese Vorplanung, betont Rümke, „sind die Gemeinden eingebunden“.

Ob der jetzt von der Lotter CDU-Fraktion ins Spiel gebrachte ganz neue Ansatz für den Bürener Streckenabschnitt realistisch ist, könne er nicht beurteilen: „Das müsste man sich noch einmal vor Ort ansehen“, so der ZVM-Vertreter. Fest eingeplant seien jedoch – wie schon in der Informationsveranstaltung in Büren berichtet – neben dem Haltepunkt in Wersen die Haltepunkte im Bereich Elster/Kromschröder und Büren/Eversburg im Bereich Westfalenplatz.

Entscheidungsgrundlage

Ziel sei ein Zugverkehr im 30-Minuten-Takt, wobei die Busverbindung R 11 erhalten bleibe. „Der S 10 ist dann der Zug“, so Rümke. Er weist auch darauf hin, dass sowohl die Zahl der Begegnungspunkte für die Züge – möglich seien Kreuzungspunkte in Westerkappeln oder Mettingen – derzeit noch in der Planung sind, als auch die Abstimmung der Bus-Schiene-Verknüpfungen, die auf die jeweiligen Haltepunkte ausgerichtet sein sollen. Die „vielen Bausteine“, die sich jetzt im Stadium der Vorplanung befänden, seien dann „die Grundlage für weiterreichende Entscheidungen“.

Federführend bei der Vorplanung ist laut ZVM-Geschäftsführer Michael Geuckler die RVM Eisenbahn. Die Entscheidungen stehen dann frühestens ab Herbst an, wobei dann zunächst einmal der „Aufgabenträger NWL“ (Zweckverband Nahverkehr Westfalen-Lippe) und erst dann der ZVM gefordert seien. Das „grobe Zeitfenster“ sehe so aus, „dass wir bis Jahresende fertig sein können“.

So oder so – für die Gemeinde Lotte ist es jetzt an der Zeit, sich zu positionieren.