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Aus höchster Gefahr nach Lotte Verfolgung in Eritrea oder Krieg in Syrien entflohen

Von Angelika Hitzke | 22.01.2015, 16:33 Uhr

Im Asylbewerberheim an der Moorbreede leben nicht nur Elendsflüchtlinge vom Balkan, sondern auch Menschen, die Krieg und Verfolgung hinter sich gelassen haben. Einer von ihnen ist der orthodoxe Christ Kesete Okuba aus Eritrea, dessen evangelischer Freund Daniel Teshome in der jetzt als Flüchtlingsunterkunft Düte genutzten ehemaligen Velper Schule untergebracht ist.

Der 24-Jährige hat in seinem Heimatland, in dem eine Einparteiendiktatur regiert, acht Jahre lang die Schule besucht, spricht gut Englisch und schon ein wenig Deutsch, war in der Kirchengemeinde aktiv und ist geflohen, weil Christen dort seit einigen Jahren verfolgt werden. Seine Frau ist mit dem dreijährigen Sohn zunächst in den Sudan geflüchtet. Khaled Idriss Bahray, der vor gut einer Woche in Dresden erstochene Asylbewerber aus Eritrea, war ebenfalls ein Freund von Kesete Okuba.

Der hat jetzt einen Arbeitsplatz bei der Westerkappelner Paket-Firma GLS gefunden. Nur: Er muss noch auf das Okay vom Jobcenter des Kreises Steinfurt warten. Auch Asylbewerber mit Arbeitserlaubnis – Kesete ist schon seit einem Jahr in Lotte, nach neun Monaten darf man dann eigentlich arbeiten – dürfen den Job nämlich nur antreten, wenn sich kein Deutscher für diesen Arbeitsplatz findet. „Unmöglich“ findet Hans-Jürgen Rehberg, ehrenamtlicher Flüchtlingsbetreuer, diese Regelung.

Die deutsche Sprache zu lernen ist jetzt das Wichtigste für den 29-jährigen Nakshbandi Abdul Khaleq aus Syrien. In seiner Heimatstadt Dierezor war der gebildete junge Mann Englischlehrer an einer Spezialschule für hörgeschädigte Kinder. Der Krieg hat alles zerstört, die Schulen sind geschlossen, schon die bloße Existenz dort ist lebensgefährlich, schildert er in perfektem Englisch, warum er geflohen ist.

Wie er nach Deutschland gekommen ist? Größtenteils zu Fuß, zwischendurch per Anhalter, durch die Türkei, Griechenland, Serbien, Ungarn, Österreich. Zwei Monate sei er unterwegs gewesen. Seit dem 3. November ist er hier an der Moorbreede; zuvor war er in Dortmund in einem Sammellager. Nächsten Monat beginnt sein Deutschkurs, auf den er große Hoffnungen setzt. Denn er möchte möglichst bald wieder als Lehrer, am liebsten für hörgeschädigte Kinder, arbeiten.

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