Ein Artikel der Redaktion

Anfängerkurs im Selbstversuch Golfclub Dütetal: Wo der Ball doch noch zum Freund wird

Von Carsten Hinnah | 31.08.2012, 10:12 Uhr

Wir waren nie so richtig dicke Freunde, der Ball und ich. Wenn er mir beim Fußball nicht gleich versprang, verstolperte ich ihn bei jeder zweiten Ballberührung. Fiel das Jonglieren mit zwei Tennisbällen schon schwer, war es mir mit dreien nahezu unmöglich. Und jetzt also ein Einsteigerkurs beim Golfclub Dütetal in Wersen – na, dann!

Ein Geschenk, von dem ich noch nicht weiß, ob ich mich drüber freuen oder ärgern soll. „Umarmung kann auch eine Strategie sein, um den letzten Widerstand zu brechen“, denke ich mir, als ich auf den Parkplatz des Golfclubs an der Wersener Straße einbiege. Auf den ersten Blick dominieren hier Karossen deutscher Premium-Hersteller. Aber auch der eine oder andere kompakte Japaner und italienische Kleinwagen fällt mir ins Auge. Mein Bild vom elitären Kreis, in dem die gut Betuchten bitte schön unter sich bleiben möchten, zeigt erste Risse.

Die erste Stunde: Es geht auf die Driving Range, Abschläge lernen und üben. Mein erster Schlag geht in die Kunstrasenmatte. Der zweite am Ball vorbei. Beim dritten nehme ich alle Kraft zusammen, treffe und merke: Von der geballten Wucht kommt beim Ball herzlich wenig an. „Technik vor Kraft“, bläut mir Golflehrer Bernt Wimmer mit österreichischem Dialekt ein. „Der richtige Schwung, nicht die Kraft, macht einen guten Abschlag aus.“ Und tatsächlich: Der Ball fliegt – nicht immer, aber immer öfter.

Die zweite Stunde: Es gilt, den Ball aus gut 30 Metern im hohen Bogen möglichst nah ans Loch zu chippen. Das Gras rund ums Loch hat eine Länge von 3,5 Millimetern. Liegt der Ball hier, so darf mit dem „Putter“ eingeschoben werden. „Gemäht wird jeden Tag“, erklärt mir Clubmanager Thomas Page später am sogenannten 19. Loch, dem Tresen des Clubhauses. Und das ist nur einer der Gründe, warum der Jahresbeitrag mit 1200 Euro zu Buche schlägt:

„Um eine 18-Loch-Anlage ordentlich zu pflegen, müssen wir jedes Jahr 650000 Euro in die Hand nehmen“, sagt Page. Fünf Greenkeeper kümmern sich hauptberuflich um die 110 Hektar große Anlage. Dazu gehört auch das nächtliche Beregnen aus dem clubeigenen Brunnen. Während der Hitzewelle Mitte August wurden die Rasenflächen auch in der Mittagszeit gesprengt, „um das Gras zu kühlen und den Pflanzen ein wenig den Stress zu nehmen“, sagt Page. „Das alles verursacht Kosten, die über Mitgliedsbeiträge refinanziert werden müssen.“

Trotzdem ist der GC Dütetal bemüht, die Einstiegshürde für Neulinge so niedrig wie möglich zu halten. Dazu gehören kostenlose Schnupperangebote, Leihschläger und ein niedriger Jahresbeitrag für Kinder. „Kinder bis zwölf Jahre bezahlen 50 Euro und, wenn sie einmal die Woche am Training teilnehmen, insgesamt 100 Euro pro Jahr“, so Page.

Und die Ausrüstung? „Zu Beginn so wenig wie möglich“, überrascht mich der Clubmanager. „Als Anfänger können Sie den Unterschied zwischen Eisen fünf und Eisen sechs noch gar nicht feststellen; also reicht ein halber Satz völlig aus.“ Mit anderen Worten: „Ab 300 Euro neu oder mit 50 Euro bei Ebay ist man dabei.“

Die Zeiten, in denen Golfclubs eine fünfstellige Aufnahmegebühr verlangen konnten, seien in Deutschland ohnehin vorbei. Das habe zum einen mit dem Wettbewerb infolge des Golf-Booms Mitte der Neunziger Jahre und zum anderen mit einem Umdenken innerhalb der Clubs selbst zu tun. „Das Mitglied mit dem besten Handicap ist von Beruf Gabelstaplerfahrer“, erzählt mir Präsident Hans-Joachim Graef und wischt damit letzte Vorurteile beiseite.

Die dritte Stunde: Wir bespielen den 4-Loch-Übungsplatz. Erstmals kommen Abschlag, Chippen und Putten, also das Einlochen, zusammen. Und das Glück hilft der Tüchtigen: Meine Mitstreiterin versenkt den Ball auf der ersten Bahn mit dem vierten Schlag. Hier braucht ein Profi in der Regel drei Schläge. Und auch meine Schlagzahl bleibt einstellig.

Fazit: Sicherlich ist der Golfsport teurer, als etwa Joggen zu gehen. Golfen ist aber auch nicht kostspieliger als Reiten oder Motorradfahren – und wer würde Motorradfahren als elitäres Hobby bezeichnen?

Mein persönliches Fazit: Der kleine weiße Ball mit den vielen „Dimples“ (Englisch für „Dellen“) und ich, wir können doch noch ganz dicke Freunde werden. Ich bleibe auf jeden Fall am Ball, natürlich im Dütetal in Wersen.

Schnuppergolfen: Der Golfclub Dütetal bietet es jeden Samstag von 13 bis 14 Uhr kostenlos mit professioneller Betreuung an. Mitzubringen sind nur eigene Turnschuhe. Schläger und Spielbälle werden gestellt. Interessenten können sich dazu bis jeweils freitags, 15 Uhr, unter Telefon 05404/998610 anmelden.