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Alte Turnhalle für Flüchtlinge Vorübergehende Notlösung an der Grundschule Lotte

Von Angelika Hitzke | 26.11.2015, 17:43 Uhr

Es tut uns leid, aber wir müssen vorübergehend die alte Turnhalle an der Grundschule in Lotte als Puffer für die Flüchtlingsunterbringung nehmen.“ Das erklärte Bürgermeister Rainer Lammers am Donnerstagamorgen in einem Pressegespräch, an dem auch Hauptamtsleiter Werner Borchelt teilnahm.

Der hatte nämlich die aktuellen Zahlen und die Hochrechnung bis zum Jahresende mitgebracht. Danach leben jetzt schon zusammen mit den Altfällen 230 Asylbewerber in den drei Gemeinschaftsunterkünften in Wersen, Alt-Lotte und Halen sowie den über 20 von der Gemeinde angemieteten Wohnungen. 185 davon wurden der Gemeinde allein in diesem Jahr bisher zugewiesen; jede Woche kommen im Schnitt 13 Personen dazu, sodass bis Jahresende von insgesamt 230 Neuzuweisungen auszugehen sei.

„Auch zwischen Weihnachten und Silvester werden Asylbewerber kommen“, weiß Borchelt jetzt schon. Neue Wohnungen auf dem freien Markt anzumieten sei nicht mehr möglich, die beiden kleinen Gehöfte, die als weitere Gemeinschaftsunterkünfte für 40 beziehungsweise 20 Personen gedacht sind, seien noch nicht bezugsfertig. Lammers und Borchelt weisen auch darauf hin, dass die zuständigen übergeordneten Behörden davon ausgehen, dass auch im nächsten Jahr die Flüchtlingswelle „nicht abebbt“.

„Weil wir weitere Zuweisungen zu erwarten haben, müssen wir die Menschen zunächst vorübergehend in der Turnhalle unterbringen und von da auf die Unterkünfte weiter verteilen“, erklärte der Bürgermeister und betonte: „Wir bedauern das sehr, weil es zulasten des Schulsports geht. Wir hoffen natürlich, dass wir die Turnhalle zum nächsten Winter wieder frei haben.“

Für die Turnhalle habe man sich entschieden, weil es für den Schul- und Vereinssport mit der Gymnastikhalle im benachbarten Sportpark eine Ausweichmöglichkeit gebe. Zudem habe die alte Turnhalle den Vorteil, dass es ausreichend Duschen und Toiletten gebe: „Wir werden Zwischenwände aus Mobilbauplatten einziehen und dort auch Kochgelegenheiten schaffen.“ Von der kürzlich angedachten Nutzung des Aldi-Zeltes sei man wegen der unvertretbar hohen Kosten für Heizung, Sanitärcontainer und Sicherheitsdienst und der unwägbaren Gefahren bei starkem Schneefall abgekommen.

„Rat und Verwaltung versuchen gemeinsam alles, um das Problem zu schultern“, versicherte der Bürgermeister. Deshalb wolle man auch noch Flüchtlingsunterkünfte in Massivbauweise errichten und den sozialen Wohnungsbau vorantreiben: „Den werden wir auch brauchen.“

Besonderen Dank sprach Lammers ausdrücklich nicht nur allen Mitarbeitern der Verwaltung und des Servicetriebs aus, die derzeit allesamt neben ihren eigentlichen Aufgaben mit der Bearbeitung des Flüchtlingszustroms hoch belastet seien, sondern auch de n ehrenamtlichen Helfern . Wegen der trotz Neueinstellungen extremen Arbeitsbelastung warb er um Verständnis dafür, dass Aufgaben wie etwa der Austausch einer Lampe „nicht so zeitnah wie sonst“ erledigt werden könnten.

Die Nachbarkommunen seien genauso am Limit, berichtete Lammers und betonte: „Die immensen Kosten müssten an den Bund weitergeleitet werden.“