Islamischer Gesang und mystischer Klang El-Raudha-Ensemble in Bürens Friedenskirche

Von Erna Berg

Das El-Rhauda-Ensemble mit Gesängen des Sufismus in der Bürener Friedenskirche. Foto: Erna BergDas El-Rhauda-Ensemble mit Gesängen des Sufismus in der Bürener Friedenskirche. Foto: Erna Berg

Lotte. Es war ein besonderer Abend in der evangelischen Friedenskirche in Büren: Zu Gast waren das El Raudha Ensemble mit Gesängen des Sufismus auf Arabisch und Deutsch und Professor Norbert Ammermann mit einem Impulsvortrag.

Professor Norbert Ammermann begrüßte eine erfreuliche Anzahl an Gästen, die ins Gotteshaus gekommen waren und wünschte ihnen, dass sie sich auf die besondere Begegnung dieses Abends einlassen können: „Der Gesang soll zu uns sprechen, in die Herzen kommen und berühren.“

Das Konzept, dass den ästhetischen Weg im Islam erklärt, heiße „Ihsan“, wörtlich übersetzt „etwas schön machen“, definierte Ammermann in seiner Einladung zu diesem musikalischen Begegnungsabend mit Gesängen des Sufismus. „Der Sufismus ist seit jeher die Disziplin, die sich mit jener Dimension des Islam ,etwas schön machen’“ beschäftigt.

Schönheit und Frömmigkeit ausdrücken

Mit Musik und anderen Künsten, dazu gehören auch Sprache, Schrift und Architektur, versuche der islamische Glaube, Schönheit auszudrücken. „Unter den islamischen Künsten wurde der Musik besondere Aufmerksamkeit gewidmet, denn sie war ein Weg, den Glauben auszudrücken“, erläuterte Ammermann.

Er erklärte, was Mystik bedeutet: „Geheimnisvoll, zum Augen schließen“ und fragte nach: „Wie kann man bei unserem heutigen Lebensstil noch einen frommen Stil leben, innehalten und für Mystik offen sein?“ Er beklagte, dass die mediale Aufmerksamkeit im Besonderen die Salafisten und Dschihadisten bekommen und nicht die Mystik und die Menschen, die Frömmigkeit leben möchten.

Musik und Gefühl

„Mit Musik und Gefühl lässt sich viel mehr aussagen als mit Worten und Vorträgen“, betonte Hamza Hamouda, der den Namen seines jungen und sympathischen Ensembles „El Raudha“ ins Deutsche übersetzte: „Paradiesgarten-Ensemble“.

Trommeln für interreligiösen Dialog

Hamouda, Jonas Demerdash, Jusof Ghaffar, Hysen Arapi, Omar Rajab und Mohamed Haddad sind Studenten für Lehramt, Krankenhausmanagement, islamische Theologie, Lebensmitteltechnologie und Elektrotechnik an der Uni und Hochschule Osnabrück. Sie gründeten die kleine Gesangs- und Trommelgruppe, um gemeinsam interreligiösen Dialog zu machen. Die islamisch mystischen Lieder kommen aus verschiedenen Kulturen und Nationen von unterschiedlichen Komponisten und Autoren. Ihre Texte erzählen von Gottesliebe, vom Propheten Mohammad und von Jesus, der im Islam als Prophet gilt. Die deutsche Übersetzung haben sie selbst verfasst.

Sologesang und mehrstimmiger Chor

Mit Sologesang, mehrstimmigem Chor und begleitenden Trommeln begannen sie ihr erstes Lied, ruhig und meditativ: „Inna Fil Janna Nahran“ („Ein Fluss im Paradies“). Jonas Demerdash verfasste und sang das Lied „Der Klang in deinem Namen“ mit dem Vers „Nur ein‘ Augenblick, wonach die Seele fragt, nur ein‘ Augenblick in deiner Gegenwart. Und Herzen heilen, verbreiten Licht durch deine Lebensart.“

Das Gedicht „Ya Rabbana/O unser Herr“ aus Annemarie Schimmels Buch „Und Muhammad ist sein Prophet: Die Verehrung der Propheten in der islamischen Frömmigkeit“ rezitierte Jamouda voller Ehrfurcht. Es erzählt die Geburtsgeschichte des Propheten. „Ein Sohn wie deiner, solcher Art kam zur Welt nicht, seit die Welt erschaffen ward! Der da kommt, wird Fürst des Gotteswissens sein. Diese Nacht macht er zum Paradies die Welt, diese Nacht erbarmt der Herr sich Seiner Welt.“

Das Ensemble besang im schönen Lied „Ibn Maryam“, übersetzt „Sohn Marias“, dass Maria ein Kind bekommen soll, von dem niemand weiß, wo sein Vater ist. Maria ist von dieser Empfängnis so überwältigt, dass sie ihren Herrn vertrauensvoll anruft: „O mein Beschützer, dies geschieht einzig durch Dich! Dir überlasse ich mein Anliegen!“

Gemeinsamkeiten des Glaubens

Die Gemeinsamkeiten im islamischen und christlichen Glauben waren deutlich. „Professor Ammermann lädt uns immer wieder zu Friedensbewegungen ein, so wie hier in dieser Runde in der Friedenskirche. Wir möchten für jeden Menschen und uns selbst kleine Paradiesgärten des Friedens schaffen. Jesus und Mohammad sind für uns Brüder“, bedankte sich Hamza Hamouda im Namen seines Ensembles.

Berührende Spiritualität

Die Zuhörer freuten sich über „eine sehr berührende, ergreifende Spiritualität“, dass auch in deutscher Sprache gesungen wurde und über die schönen Männerstimmen. Den Sängern fiel auf, dass zwei Gäste die arabischen Texte mitgesungen hatten. Es waren zwei junge Männer aus Aleppo. Mit einem Psalm über Gottes Güte und einem letzten Lied des Ensembles endete ein schöner Abend.