Sicherheit ist das oberste Gebot Gebürtiger Lotteraner sichert Autobahn-Baustellen

Von Ulrike Havermeyer


Lotte/Westerkappeln. Was? Schon so spät?! Ich hätte längst beim nächsten Termin sein müssen. Schnell ins Auto, beschleunigen – und … Baustelle! Wie nervig ist das denn! Warum – wenn der Verkehr ins Stocken gerät – Verständnis besser ist als Aufregung, erklärt Torsten Restemeyer.

Skeptisch äugt der gebürtige Lotteraner in den grauen Oktoberregen. „Ganz gefährliches Wetter“, raunt er und kontrolliert, ob seine Leute ihre Warnkleidung vorschriftsmäßig angelegt haben: orange Jacke, orange Hose – passt. Restemeyer nickt und reicht auch mir eine grellfarbende Garnitur. „Unbedingt überziehen“, ordnet er an, „sonst lasse ich keinen rauf auf die Baustelle.“ Denn wenn die rechte der drei Hauptfahrbahnspuren auf der Bundesautobahn A1 in Höhe Bramsche vorübergehend gesperrt wird, ist Sicherheit das oberste Gebot.

Damit der Verkehr weiterrollt

Seit fast drei Jahrzehnten pflanzt Torsten Restemeyer der motorisierten Ungeduld vermeintliche Hindernisse vor den Kühlergrill: Ampeln, Baken, Absperrschranken – und sorgt dafür, dass die bereifte Karawane beim Ausbessern und Reparieren von Schwachstellen im Verkehrsnetz, wenn auch langsamer, so doch immerhin geregelt weiterrollt. Gemeinsam mit seiner Schwester Angelika Piepmeyer leitet der 50-Jährige die Restemeyer GmbH, einen zertifizierten Fachbetrieb für Verkehrstechnik und -sicherung. Besondere Spezialität: das Einrichten temporärer Baustellen.

Vorberreitung für die Sperrung der B 218

Wie auf der A1: „Wir führen die vorbereitenden Arbeiten für die Sperrung der B 218 aus“, kündigt Restemeyer an: Kurz gesagt gehe es darum, Hinweisschilder anzubringen, die signalisierten, dass die Anschlussstelle Bramsche in den kommenden Wochen gesperrt und eine Umleitung eingerichtet sei. Um diese Beschilderung sicher anbringen zu können, müsse ein Hauptfahrbahnstreifen vorübergehend gesperrt werden.

Routine? Ja! - Entspannung? Nein!

Vor der Betriebshalle der Restemeyer GmbH in Westerkappeln wuchten Mitarbeiter Dirk Hagen und seine Kollegen Richttafeln, Abkreuzanlagen und jede Menge Leitkegel auf die Ladeflächen der Einsatzfahrzeuge: Zwei 7,5-Tonner, ein Pkw, dazu ein Sicherungsanhänger und zwei fahrbare LED-Vorwarnanlagen sowie ein selbstfahrender Steiger – schließlich müssen einige der Schilder in etwa sieben Metern Höhe angebracht werden. „Auch wenn wir viel Routine haben, ist ein Einsatz auf der Autobahn nie entspannt“, sagt Restemeyer.

Ein eingespieltes Team in Aktion

Dann geht es los: Nieselregen von oben, Spritzwasser von unten. Bevor die Kolonne auf die A1 einbiegt, informiert Torsten Restemeyer via Freisprechanlage die Polizei, Autobahnmeisterei und Verkehrsbehörde über den Einsatz. Auf den drei Hauptfahrspuren donnern Sattelzüge, Pkw und Transporter. Als erster hält der 7,5-Tonner etwa 1200 Meter vor der geplanten Baustelle auf dem Standstreifen und kuppelt den mobilen LED-Vorwarner ab: Der zeigt mittels leuchtender Pfeile die Fahrbahnverengung sowie eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf 80 Stundenkilometer an. Jetzt ist der Pkw dran: den zweiten Vorwarner abkuppeln und positionieren. Mit gelbblinkenden Warnleuchten und einem riesigen weißen Richtungspfeil auf blauem Grund markiert schließlich der Sicherungsanhänger den Beginn der Baustelle.

Die Zeichensprache funktioniert

Während ich mich vorsichtig am Rand des Geschehens gegen die Brüstung drücke, bemerke ich erleichtert, dass die Zeichensprache aus grellen Signalen funktioniert: die rechte Spur liegt verlassen im Sprühregen. Daneben fegt die Blechlawine unbeeindruckt an uns vorbei. Dass jemand die angewiesenen 80 Stundenkilometer einhält, bezweifle ich. Der Lärm ist ohrenbetäubend.

„So schnell entsteht eine Baustelle!“

Die orangenen Gestalten haben längst die Leitkegel aufgestellt und den Standort gesichert: „So schnell entsteht eine Baustelle!“, brüllt Restemeyer. „Aber genauso schnell sollte sie auch wieder verschwinden“, sagt er. Er weiß um die oft blank liegenden Nerven der Verkehrsteilnehmer. Etwa eineinhalb Stunden dauert es, bis er und seine Männer die Schilder, die auf die Sperrung der B218 und die Umleitung hinweisen, angebracht, die Kegel wieder eingesammelt und die Baustelle geräumt haben. Restemeyer atmet tief durch, blickt für einen Moment entspannt und reibt sich dann entschlossen die Hände: Weiter geht es – schließlich muss ja auch der Gegenverkehr noch informiert werden.