Porträt der CDU-Bundestagskandidatin Für Anja Karliczek aus Brochterbeck steht Familie an erster Stelle

Von Katja Steinkamp

Anja Karliczek an ihrem Lieblingsort in Brochterbeck, der Waldkapelle „Mater Ter Admirabilis“. Hier kann sie zur Ruhe kommen und Zeit zum Nachdenken finden. Außerdem kann sie von hier bis nach ihrem Geburtsort Ibbenbüren schauen. Foto: Katja SteinkampAnja Karliczek an ihrem Lieblingsort in Brochterbeck, der Waldkapelle „Mater Ter Admirabilis“. Hier kann sie zur Ruhe kommen und Zeit zum Nachdenken finden. Außerdem kann sie von hier bis nach ihrem Geburtsort Ibbenbüren schauen. Foto: Katja Steinkamp

kast Lotte/ Tecklenburger Land. Anja Karliczek, Bundeskandidatin der CDU/CSU, lebt mit ihrer Familie in Tecklenburg-Brochterbeck. Wenn sie nach Hause kommt, liegt ihr ein Ort besonders am Herzen. Die Aussicht sei hier einfach die Schönste, sagt sie.

Schritt für Schritt geht sie den Berg in einem Waldstück in ihrem Wohnort Tecklenburg-Brochterbeck hinauf. Knapp einen halben Kilometer verläuft der historische Wanderpfad „Hermannsweg“ von dem familieneigenen Ringhotel Teutoburger Wald bis zu der Waldkapelle „Mater Ter Admirabilis“. Anja Karliczek erzählt, dass sie oft morgens mit dem Familienhund, ein Tibet-Terrier namens Jimmy, hier hinauf kommt. Sie wohnt in der Nähe des Hotels ihrer Familie. „Der Ausblick ist hier einfach der Schönste“, schwärmt sie. Auf dem Berg an der Waldkapelle kann man nach Ibbenbüren, Laggenbeck, Ledde und Tecklenburg schauen. Sie kommt hier hoch um die Ruhe zu genießen und ihre Gedanken zu ordnen, sagt sie. Manchmal setzt sie sich auch in die Waldkapelle, hier findet die Politikerin einen weiteren ruhigen Ort zum Nachdenken.

Einmalige Chance

Wieder zurück, sucht sie sich auf der Terrasse des Familienhotels einen Schattenplatz aus. Seit 1993 habe sie hier bei ihren Eltern in Vollzeit gearbeitet. Die ausgebildete Bankkauffrau absolvierte hier eine weitere Ausbildung zur Hotelfachfrau. Nachdem sie und ihr Mann Lothar Karliczek drei Kinder bekamen, studierte sie Betriebswirtschaftslehre an der Fern-Universität Hagen (Westfalen) und erhielt 2008 den Abschluss zur Diplom-Kauffrau. „Als die Frage aufkam, ob mein Bruder und ich das Hotel übernehmen, habe ich erst einmal ‚Ja‘ gesagt“, aber später kam sie zu dem Entschluss, dass das nicht das Richtige für sie sei. Schon zu Schulzeiten hatte Karliczek große Freude an Diskussionen. Der Auslöser für ihr politisches Engagement: „Als die Kinder klein waren, war es ein Problem, dass es keine Kinderbetreuung hier im Umkreis gab. Ich dachte mir, dass wir daran arbeiten müssen“. So kam eins zum anderen: Neben mehreren Beschäftigungen in der Kommunalpolitik, wurde sie 2012 gefragt, ob sie im Wahlkreis 128 für den Bundestag kandidieren möchte. „Wir haben das ausgiebig im Familienkreis beraten, aber meine Familie war sich da sehr einig, dass ich diese Chance nur einmal im Leben bekommen würde“.

„Im Alter sollte jeder gut abgesichert sein“

Die Politikerin arbeitet heute im Finanzausschuss im Deutschen Bundestag. Hier arbeitete sie an der betrieblichen Altersvorsorge und an dem Lebensversicherungsreformgesetz. Im Januar 2017 wurde sie zur Parlamentarischen Geschäftsführerin der CDU/CSU-Bundestagsfraktion gewählt. Der stressige Job in Berlin lasse sich aber mit der Familie in Tecklenburg vereinbaren, sagt die Politikerin: „Es ist zwar eine Herausforderung, vor allem, wenn die Kinder noch klein sind. Aber wir hatten immer familiäre Unterstützung“, sagt sie. Ihre drei Kinder sind mittlerweile 16, 20 und 21 Jahre alt, gehen zur Schule oder studieren. Ihr Mann arbeitet als Pilot und ist demnach auch oftmals unterwegs. „Wir haben immer versucht, einen guten Ausgleich zu schaffen. Die Familie steht bei uns immer an erster Stelle“. Das Wichtigste sei für sie, dass ihre Familie es regelmäßig schafft, sich gemeinsam an den Tisch zu setzen und sich untereinander auszutauschen. „Wenn meine ganze Familie nicht wäre, könnte ich meine Arbeit nicht machen“, betont sie. Deswegen mache Karliczek sich stark, dass Kinder und Eltern besonders unterstützt und gefördert werden. Jede Familie solle es sich leisten können, eine gute Familienstruktur zu haben und die Möglichkeit bekommen, auch im Bezug auf die Kinderbetreuung, unterstützt zu werden. Außerdem setzt sie sich für die Stärkung der betrieblichen Altersvorsorge. Neben der gesetzlichen Altersvorsorge solle eine kapitalgedeckte Rente auf die Beine gestellt werden. „Auch die Menschen die weniger Verdienen sollen eine höhere Förderung bekommen. Im Alter sollte jeder gut abgesichert sein“, so die Politikerin.

Respekt vor der Arbeit im Bundestag

Anja Karliczek würde sich selbst als harmoniebedürftig, familienbezogen und hilfsbereit beschreiben. „Ich bin eine Schulter zum Anlehnen, ein Ohr zum Zuhören oder jemand, der einen Salat macht“, lacht die 46-Jährige. Sie habe immer noch große Achtung davor, wenn sie durch die Flure im Bundestag gehe: „Dort atmet man Geschichte“. Sie habe außerdem Respekt davor, die Erwartungen der Menschen zu erfüllen: „Die Leute müssen uns als Politiker vertrauen. Schließlich kann sich nicht jeder mit der Materie auseinandersetzen“. Es sei ihr wichtig, dass die Menschen wissen, dass sie jederzeit anrufen können: „Schließlich ist es meine Aufgabe, Ansprechpartnerin zu sein“. (Weiterlesen: mehr zur Bundestagswahl 2017)