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Michael Espendiller für AfD Bankenrettung hat den Münsterländer politisiert

Von Thomas Niemeyer


Ibbenbüren. „Als Wissenschaftler kann ich mit Ideologien wenig anfangen.“ Der AfD-Kandidat für den Bundestag Michael Espendiller geht als promovierter Mathematiker auch an schwierige politische Fragestellungen analytisch heran. Vorurteile versucht der 28-jährige Münsterländer dabei auszuschließen.

Doch seinerseits erfüllt er auch keine gängigen Klischees über AfD-Aktivisten, wie sich beim Treffen an den Dörenther Klippen rasch erweist: Er ist höflich und zurückhaltend, nachdenklich und humorvoll - schlicht nett. Bullige Macho-Typen wie Erdogan, Trump und Putin sind gar nicht sein Fall.

„Höcke ist eine Belastung“

Das gilt auch für seinen Thüringer „Parteifreund“ Björn Höcke: „Wie der auftritt, das ist nicht mein Stil. Aber das Ausschlussverfahren läuft ja“, distanziert sich Espendiller klar von dem Rechtsausleger und auch von dessen parteiinternen Unterstützern: „Wir sprechen bürgerliche Wähler an, da sind Leute wie Höcke eine Belastung.“

Tatsächlich stammt Michael Espendiller aus bürgerlicher Familie und ist in Reken, westlich von Münster, ländlich sittlich aufgewachsen. „Meine Jugend war irgendwie langweilig; aber das war nicht schlecht“, weiß er kaum Aufregendes zu berichten. Von der örtlichen Realschule wechselte er nach Borken ans Gymnasium Regianum. „Ich war ein guter Schüler. Nur beim Volleyball bekam ich mal eine Fünf. Schrecklich!“, lacht der junge Mann.

„Importance-Sampling in der Derivate-Bewertung“

In Münster studierte er dann Mathematik und Volkswirtschaft. Mit dem Rad erkundete er zu jener Zeit auch den Kreis Steinfurt. „Bei solchen Touren kommen mir die besten Ideen.“ An den Dörenther Klippen habe er den entscheidenden Geistesblitz für seine Masterarbeit erhalten, Titel: „Importance-Sampling in der Derivate-Bewertung.“ Das hat etwas mit Wetten auf Aktienkurse zu tun.

Seinen Doktortitel - „der erste in unserer Familie, auf den meine Eltern stolzer sind als ich“ - erwarb Espendiller an der Aachener Universität in Statistik. Seine Fähigkeiten auf dem Gebiet zeigte er bereits eindrücklich vor der Landespresse, als er Unregelmäßigkeiten bei der Auszählung der AfD-Stimmen zur Landtagswahl nachwies.

Durch Euro-Rettung politisiert

Politisch interessiert war er da längst, was auch seine Studienwahl der Volkswirtschaft belegt. Aber regelrecht politisiert habe ihn die Euro-Rettung: „Da wurden Banken gerettet und das Risiko von den Verursachern auf die Steuerzahler umgelegt. Das hat mich aufgeregt; und ich musste etwas tun.“

Die damals vornehmlich von Ökonomieprofessoren um Bernd Lucke gegründete AfD bot ihm dafür ein Forum. Auch sein Münsteraner VWL-Lehrer Ulrich van Suntum zählte dazu. Alles, so Espendiller, gebildete Menschen, anerkannte Wissenschaftler, die sich, weil sie gegen Denkverbote angingen, plötzlich als Populisten hingestellt sahen.

Gegen Political Correctness

Überhaupt fühlt sich der Mathematiker durch die Tabus der Political Correctness genervt. Er habe nichts gegen Einwanderung; aber er kritisiere, dass wir unsere Werte und Regeln dabei aufgäben. Er habe nichts gegen erneuerbare Energien; aber man dürfe nicht verschweigen, dass wir dafür Rohstoffe benötigen, die auf inhumane Weise in China oder Südafrika gewonnen werden. Er habe auch nichts gegen CO2-Reduzierungen; aber mit Dieselverboten und dem Aus für die Atomforschung bewirke man das Gegenteil. Und das alles zusammen schade Deutschland auch noch wirtschaftlich. Im Übrigen sehe er es wissenschaftlich nicht als erwiesen an, dass der Mensch die Hauptverantwortung für den unbestrittenen Klimawandel trage.

Der Bundestagswahl sieht Michael Espendiller mit Spannung entgegen. Das AfD-Ergebnis der Landtagswahl von 7,4 Prozent würde ihm auf Platz zehn der Landesliste für ein Mandat genügen. Dann würde er auch ins Münsterland zurückkehren. Aus der Kirche ist er allerdings inzwischen ausgetreten. Und gespannt ist er auch auf die Zukunft seiner Partei. Mit den Rechtsextremen um Björn Höcke sieht er sie nicht.