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In 14 Minuten zweimal tot Premiere im Lotter Haus Hehwerth: „Jazz et Litera“

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<em>Gelungener Kultur-Mix:</em> Die „Hot Jazz Daddies“ und Carsten Steuwer (mit Humor unterstützender Textilie in der Hand) sorgten im Haus Hehwerth für gute Laune.Foto: Ursula HoltgreweGelungener Kultur-Mix: Die „Hot Jazz Daddies“ und Carsten Steuwer (mit Humor unterstützender Textilie in der Hand) sorgten im Haus Hehwerth für gute Laune.Foto: Ursula Holtgrewe

Lotte. Eine herzerwärmende Premiere gelang der Bürgergemeinschaft Lotte Im Haus Hehwerth: Beim Kultur-Mix „Jazz et Litera“ zauberten die „Hot Jazz Daddies“ mit ihrer Musik Lächeln auf die Gesichter, und Schauspieler Carsten Steuwer zog viele Register seines Könnens zum Thema „Verbotene Liebe“.

Selbst gespannt auf die Premiere, begrüßte Hans-Helmut Weymann, Vorsitzender der Bürgergemeinschaft, 60 Kulturfreunde. Dann legten die fünf Herzblut-Jazzer los. Wie einfach es ist, aus den angekündigten „The Creole Serenaders“ die „Hot Jazz Daddies“ werden zu lassen, erklärte sich so: Statt Pianist Walter Wiese war Trompeter Eckart Ditting dabei.

Virtuos und ohne Noten verständigten sich die Könner nach jahrzehntelangem Zusammenspiel mit kleinen Gesten: Ralf Bredehorst (Saxofon, Alt- und Sopran-Klarinette), Jürgen Flaskamp (Posaune), Bernhard Türk (Banjo, Gitarre), Arthur Mazurkowski (Tuba).

Beim Streifzug durch teils 100 Jahre alte Kompositionen wurde sofort klar: Jazz ist unsterblich. Eckart Ditting moderierte und informierte – zum Beispiel darüber, dass die erste Jazz-Platte im Jahr 1918 veröffentlicht wurde. „Die wirklich erste Platte hat man auf Weisung der Konzernbosse weggeworfen, weil man dachte: Die kauft eh keiner. Sie haben dem neuen Medium Schallplatte nicht getraut.“

Die „Heißen Jazz Papis“ stimmten ohne Verstärker weißen und schwarzen Jazz an, Takte, die sofort ins Publikumsblut gingen. Füße wippten, bis sich die Freude der Zuhörer in Applaus und Bravo-Rufen Luft verschaffte. Den Jazzern war die Spielfreude in die Gesichter geschrieben. Jeder brillierte auf seinem Instrument bei Soli.

Ben Pollack gehörte ebenso ins Repertoire wie Fats Waller und Bessy Smith. Interpretationen von Luis Armstrongs „Oh, when the Saints“ erfreuten als erste Zugabe. Und weil die Zuhörer lange applaudierten, meinte Ditting, gut gelaunt und wieder auf der Bühne zurück: „Bei so viel Begeisterung und Leidenschaft spielen wir noch ,China Town‘.“

Die Combo hatte gleich viel Vergnügen an der Textauswahl des charmanten Carsten Steuwer wie dieser am fetzigen Jazz. Mit wenigen Requisiten und sparsamen, aber ausdrucksstarken Gesten sowie Mimik schlüpfte er in die Rollen zur „Verbotenen Liebe“. In Johann Wolfgang Goethes „Die Mitschuldigen“ schimpfte Sophie über Männer: Wenn’s was zu naschen gibt, sind alle flugs beim Schmause. Doch macht ein Mädchen ernst, so ist kein Mensch zu Hause.“

Amüsant waren die beiden Requisiten, die die Kammer von Gretchen in Goethes Faust andeuteten: ein BH und ein Unterrock. Überaus unterhaltsam trug Steuwer eine Gretchen-Textsequenz vor: Er rappte. Zum Vortragsthema brachte er amüsant eine Nonnenklostergeschichte aus dem 14. Jahrhundert auf die Bühne: Eine Äbtissin wird bloßgestellt. Sie verdammt die Fleischeslust, ist dieser jedoch selbst erlegen.

Beeindruckend war weiterhin Shakespeares „Romeo und Julia“ als englische Kompaktversion. In nur 14 Minuten spielte Carsten Steuwer alle Rollen und starb zweimal: Erst als Romeo und kurz darauf als Julia.

Dem Publikum gefiel der Kultur-Mix, wie die herzlichen Applaus-Salven bewiesen. Es kann sicher sein, ein derart genussreichen Abend wird in Lottes guter Stube wiederholt.


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