Ernst Goldbeck – Die Linken NRW-Wahl 2017: Kandidaten des Kreis Steinfurt im Gespräch

Ernst Goldbeck will für die Linken in den Landtag. Auf dem Ibbenbürener Wochenmarkt trafen wir ihn zum Gespräch. Dort ist er gerne unterwegs und tauscht sich mit den Bürgern aus. Foto: Jessica von den BenkenErnst Goldbeck will für die Linken in den Landtag. Auf dem Ibbenbürener Wochenmarkt trafen wir ihn zum Gespräch. Dort ist er gerne unterwegs und tauscht sich mit den Bürgern aus. Foto: Jessica von den Benken

Lotte. Der Kampf gegen den Kapitalismus ist ureigenes Ansinnen der Linken. Auch Ernst Goldbeck tritt im Steinfurter Wahlkreis 83 an, um diesen Kampf im nordrhein-westfälischen Landtag nach den Wahlen am 14. Mai zu führen. Auf dem Ibbenbürener Wochenmarkt sprach er über den Willen zum Politikwechsel und gesellschaftlichen Wandel.

Ernst Goldbeck ist 64 Jahre alt, technischer Angestellter aus dem Bergbau im Ruhestand und ledig. Der ehemalige Steiger wohnt in Ibbenbüren und ist seit 2009 Vorsitzender der Fraktion „Die Linke“ im Rat der Stadt Ibbenbüren. „Dort ärgere ich gerne den Bürgermeister“, sagt er im Scherz. Seine wenige Freizeit verbringt er gerne beim Bergwandern oder Skifahren in Österreich. Auch in der Ibbenbürener Innenstadt trifft man ihn häufig - am liebsten auf dem Wochenmarkt.

Konsumwahn zerstört die Umwelt

Seine Motivation, sich politisch zu engagieren beschreibt er so: „Politik, der Begriff ist abgeleitet aus dem Griechischen ,Polis’und beschreibt den Willen und die Möglichkeit der Menschen, über ihr Leben und ihr Schicksal zu entscheiden, sich einzumischen. Dieses ist hochaktuell. Wir leben in einer Zeit des scheinbar ungebremsten Konsums. Der herrschende Zeitgeist will uns eine Verbindung zwischen Konsumfähigkeit und Stellung in der Gesellschaft vermitteln.“ Daran sei Zweierlei falsch: Der Konsumwahn zerstöre unsere Umwelt und damit die Lebensgrundlage. Man könne und dürfe Menschen nicht nach ihrer wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit einordnen.

Energiewende und Personennahverkehr

Auf Landesebene sollten in den kommenden fünf Jahren seiner Meinung nach mehrere politische Projekte umgesetzt werden. Zum Einen sei die Energiewende durch die Förderung und den vermehrten Einsatz regenerativer Energieformen weiter voranzutreiben. „NRW ist noch immer fest in der Hand der Energieriesen RWE und e.on. Beide Konzerne erzielen mit der Förderung und Verbrennung von Kohle hohe Gewinne und haben deshalb kein Interesse am Kohleausstieg.“ Weiter sei auch aus der Braunkohle ein schnellstmöglicher Ausstieg zu vereinbaren – spätestens bis 2035.

Zum Anderen sei der öffentliche Personennahverkehr in den ländlichen Regionen kaum entwickelt. „Ohne Auto ist man im Münsterland und besonders im Kreis Steinfurt aufgeschmissen. Hier besteht Handlungsbedarf.“ Dann stört Goldeck, dass die Schulen in NRW vergammeln würden. „Durch falsche Sparpolitik wurden Investitionen in NRW’s Schulen zurückgefahren. Die Bildungsausgaben in NRW sind die niedrigsten in allen Bundesländern.“

Hochburg von Logistikstandorten

Das sich der Kreis Steinfurt zur Hochburg von Logistikstandorten entwickle, beobachte er mit Sorge. Gerade dieser Gewerbezweig steche durch eine hohe Zahl sogenannter Werkverträge bei den Belegschaften und einem immensen Flächenverbrauch negativ hervor. „Hier muss umgesteuert werden.“ Die Zukunft von Ibbenbüren beschäftigt ihn zudem, wenn Ende 2018 die Steinkohlezeche schließt. Einst seien dort fast 3000 Menschen beschäftigt gewesen. Der nun erforderliche Strukturwandel dürfe nicht sich selbst überlassen bleiben. Ibbenbüren habe schon jetzt ein landesweit unterdurchschnittliches Einkommen – im Schnitt 18000 Euro pro Einwohner, so Goldbeck. Davon könne kein Mensch leben oder seine Altersversorgung aufbauen. In den Strukturwandel müsse der RAG Konzern eingebunden werden, findet er und sagt: „Das RWE Steinkohlekraftwerk muss nach der Zechenschließung abgeschaltet werden.“ Gerne würde er einmal einen Tag in seinem Wahlkreis mit Norbert Römer, Fraktionschef der SPD im Landtag, verbringen. Ihm würde er die abgehängten Regionen im Kreis Steinfurt zeigen wollen.

Politikwechsel ist wichtig

Auf die Frage nach einem möglichen Koalitionspartner sagte er: „Eigentlich sollten SPD und Grüne die ,natürlichen‘ Koalitionspartner sein. Beide Parteien sind jedoch inhaltlich meilenweit davon entfernt, so etwas wie einen Politikwechsel zu wollen.“ Ohne den Willen zum Politikwechsel – also weg von einer nach rein kapitalistischen Grundsätzen ausgerichteten Gesellschaft – würden Koalitionen keinen Sinn machen. „CDU und FDP kommen nicht in Frage. Über die AfD möchte ich hier kein Wort verlieren. Es wäre Vergeudung von Energie.“


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