Wiedervereinigung hautnah erlebt Wiebke Reerink: Kandidatin der FDP

Für die FDP geht Wiebke Reerink ins Rennen um die Stimmen im Steinfurter Wahlkreis 83 zu fangen.Foto: Reerink / privatFür die FDP geht Wiebke Reerink ins Rennen um die Stimmen im Steinfurter Wahlkreis 83 zu fangen.Foto: Reerink / privat

Lotte. In Schleswig-Holstein sind die Landtagswahlen am vergangenen Sonntag gerade über die Bühne gegangen, am kommenden Wahlsonntag geht‘s in NRW an die Urnen. Für die FDP geht Wiebke Reerink ins Rennen um die Stimmen im Steinfurter Wahlkreis 83. Ob sie so erfolgreich sein kann, wie die Liberalen in ihrer Heimat?

Wiebke Reerink wurde 1979 in Schleswig-Holstein geboren und ist dort auf dem Land aufgewachsen. Nach dem Abitur in Ratzeburg und vor ihrem Verkehrsigenieurstudium in Dresden leistete sie ein freiwilliges soziales Jahr ab. Seit 2009 arbeitet sie als Verkehrsingenieurin beim Luftfahrt-Bundesamt, zunächst drei Jahre in Stuttgart als Wochenendpendlerin und mittlerweile in Braunschweig. Reerink ist verheiratet und Mutter einer dreijährigen Tochter. Für die FDP engagiert sie sich im Landesfachausschuss für Verkehr und im Kreisvorstand Steinfurt.

Wiedervereinigung hautnah erlebt

Da ihr Heimatdorf nur wenige Kilometer von der innerdeutschen Grenze entfernt liegt, erlebte sie als Kind die Wiedervereinigung hautnah. „Ich bin froh, dass ich erfahren durfte, was friedlicher Protest erreichen kann“, sagt sie. Das habe sie damals zutiefst beeindruckt und sei mit ein Grund, warum sie sich bei den Freien Demokraten engagiere. „Freiheit ist das wichtigste Gut, was wir Menschen haben“, erklärt sie.

Besonders im persönlichen Leben eines jeden Einzelnen sei die Freiheit von größter Bedeutung. Denn man solle frei sein von erdrückender Bürokratie und ganz besonders von anfeindender Ideologie.

Vereinbarkeit von Familie und Beruf

In den kommenden fünf Jahren sollte aus ihrer Sicht die „viel propagierte Vereinbarkeit von Familie und Beruf“ endlich Realität werden. Nicht die Familie müsse sich an den Betreuungsangeboten ausrichten, sondern die Betreuungsangebote an den Bedürfnissen der Familien. Der ländliche Raum sei gerade für Familien ein guter Ort zum Leben, aber er müsse auch zum Arbeiten gut sein. Damit sich der ländliche Raum weiter entwickeln könne und es genügend Arbeitsplätze vor Ort gebe, dürfe er nicht weiter von der Landesregierung gegenüber den Metropolregionen benachteiligt werden.

Gerade bei der Infrastruktur habe man im ländlichen Raum dringend Hilfe aus Düsseldorf nötig, die man aber seit Jahren nicht bekomme. „Das muss sich ändern, da wir besonders dort eine funktionierende Infrastruktur für unsere Pendler brauchen.“ Im Landtag selbst möchte Reerink, falls sie gewählt wird, eine starke Stimme für ihre Region sein.

Finanzieller Spielraum für ländliche Kommunen

Wichtig für ihren Wahlkreis findet Reerink besonders die Entwicklung der Kommunen. „Sie müssen im ländlichen Raum endlich wieder den finanziellen und planerischen Spielraum bekommen, den sie brauchen, um sich entwickeln zu können.“ Nur so könne man in der Region sowohl für die Bürger als auch für die Unternehmen weiterhin attraktiv sein, damit auch in Zukunft genügend sichere und gut bezahlte Arbeitsplätze vor Ort seien. Zudem müsse es beim Landesentwicklungsplan dringend ein Umdenken geben. „Wie kann man den Bürgern durch ein planerisches Instrument vorschreiben, wo sie noch bauen dürfen und in welcher Kommune das Totenglöckchen geläutet wird, da sie als Kommune ohne Entwicklungsmöglichkeit eingestuft wird?“, will sie wissen.

Rückgrat der Metropolregionen

Mit Hannelore Kraft, Ministerpräsidentin des Landes NRW und Landesvorsitzende der SPD NRW, würde Reerink gerne einen Tag im Wahlkreis 83 verbringen. „Ich würde ihr zeigen, was für riesen Probleme die aktuelle Gemeindefinanzierung bei uns im ländlichen Raum verursacht. Vielleicht erkennt sie bei einem Wochenendbesuch, dass der ländliche Raum das Rückgrat der Metropolregionen ist, und dass es auch in deren Sinn ist, dass der ländliche Raum nicht abgehängt wird.“

Ampelkoalition ausgeschlossen

Auf die Frage, mit welcher Partei sich die FDP-Politikerin einen Koalition vorstellen könnte antwortete sie: „Wir treten für einen Politikwechsel in NRW an und haben daher auf unserem letzten Landesparteitag eine Ampelkoalition in NRW ausgeschlossen.“ Man könne schließlich nicht die Landesregierung für die desolate Lage in NRW verantwortlich machen und dann „Steigbügelhalter für eine weitere Amtszeit“ sein. Abgesehen von der Ampel sei die FDP für Koalitionen offen und werde mit allen demokratischen Parteien Gespräche führen, um zu sondieren, mit wem ein Politikwechsel für NRW möglich sei.


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