Mühle Bohle mit buntem Stautag Viel beachtete Fischtreppeneröffnung an Wersens Mühle

Von Ursula Holtgrewe


Lotte. Rappelvoll war es beim Stautag an Wersens Mühle Bohle, auch weil die Fischtreppe offizielle ihrer Bestimmung übergeben wurde.

Vor der Plattform neben der Aufstiegsanlage für Fische diskutierten drei Fachleute: Bauausführer Hans-Georg Flick, Petra Berghegger von der unteren Wasserbehörde des Kreises Steinfurt und Projektverantwortliche sowie Jonas Rose, der vorerst für ein Jahr die Fischtreppe und die Reuse, in der wandernde Fische gezählt werden, betreut.

„Die Fischtreppe dient zum Erhalt der Artenvielfalt in Hase und Düte“, berichtete Petra Berghegger über das Projekt. Es habe ursprünglich 300000 Euro kosten sollen, indes seien zwingend erforderliche Mehrkosten von 150000 Euro entstanden. Das Land NRW trage 80 Prozent der Kosten.

Hans-Georg Flick erinnerte sich: „Wir hatten viermal Hochwasser, das uns die Baustelle zerlegt hat. Dadurch hat sich die Fertigstellung der Arbeiten sehr verzögert.“ Dass nun endlich die offizielle Übergabe über die Bühne gehen sollte, erfreute auch Lottes Umweltbeauftragte Ursula Wilm-Chemnitz.

Höchstleistungen der Handwerker

Zum Kreis der interessierten Politiker zählten auch Steinfurts Landrat Dr. Klaus Effing, Lottes Bürgermeister Rainer Lammers, die Bundestagsabgeordnete Anja Karliczek, der niedersächsische Landtagsabgeordnete Clemens Lammerskitten und Landtagskandidat Felix Holling.

Werner Schwentker, Mühlenvereinschef und -eigentümer betonte erfreut, dass es gelungen sei, bei der Installation der Fischtreppe mit Stahlkonstruktion das kulturhistorische Denkmal und Lernort Mühle Bohle mit Wehr zu erhalten. „Hochwasser und Untergrund haben Höchstleistungen von den Handerkern gefordert. Von Tag zu Tag wuchs unser Respekt zu den von diesen Leuten erbrachten Leistungen. Die Mühle und unser Dorf sind mit der Fischaufstiegsanlage um eine Attraktion reicher geworden. Wir wünschen den ,Passagieren‘ allzeit eine gute Fahrt“, schloss Schwentker schmunzelnd.

Wersens Angler leeren Reuse täglich ehrenamtlich

„Mit der Aufstiegsanlage haben sie hier ein besonderes Highlight. Der ökologische Durchgang von der Hase in die Düte bis nach Wersen ist damit möglich geworden“, erklärte Effing. Lammers hob gleichfalls die gute Wasserqualität und den vielfältigen Fischbesatz heraus. Weiterhin dankte er allen am Projekt Beteiligten.

Groß war nun das Besucherinteresse an der Leerung der Reuse am Ende der Fischtreppe. Die Dreibogenbrücke füllte sich. In Kooperation mit der NWA (Niedersächsisch Westfälische Anglervereinigung) wird die Reuse täglich geleert, der Fischbesatz gezählt, gemessen, benannt und dokumentiert.

Das übernimmt als NWA-Mitglied ehrenamtlich der Wersener Naturschutz- und Fischereiverein. Dessen Vorsitzender Roland Enders schritt zur Tat, unterstützt von Anglerfreund Siegfried Wiek.

Jonas Rose bestimmte die Fische und zeigte sie dem Publikum. Fünf „Hasel“ und ein „Döbel“ waren über die Treppe gereist und in die Reuse gelangt. „Die Weibchen sind schwanger und schwimmen zu den Laichgründen“, erklärte Rose. Der Reuseninhalt wird verglichen mit Fängen unterhalb der Fischtreppe, sodass man beispielsweise deren Wanderverhalten nachvollziehen könne. In welcher Zahl Aal, Rotauge, Elritze, Bachschmerle und andere die Düte hinaufgewandert sind, kann erst nach Ablauf des Jahres berichtet werden.

Zum großen Teil waren Ausflüglerzum Stautag mit Fahrrädern angereist. Der organisierende Mühlenverein hatte den Dreh am Würstchengrill raus. Gegenüber verkaufte die Flüchtlingshilfe Herzhaftes aus fernen Ländern. Der Erlös dient als Spende für die Zusammenführung der Familie von Mohamed Abd Al Kader.

Schauen, schlemmen, singen

Die Alttraktorenfreunde Tecklenburger Land stellten zwei historische Lanz Bulldog-Traktoren aus und fachsimpelten mit Gästen. Bei Wersens „Kuchenwerkstatt“ ging verführerisches Selbstgebackenes über den Tresen. Neu war der gut besuchte Smoothiestand von Anne Colombet mit gesunden fruchtigen Variationen trendigen Trinkgenusses.

Nachmittags luden Walter Grothaus und Horst Petersson zum Ständchen für den Wonnemonat Mai ein. Mithilfe verteilter Liederzettel konnten alle Sangesfreudigen kräftig einstimmen, auch in „Der Mai ist gekommen“. Kostümiert liefen drei Mitglieder von „Opus Arte“ Werbung für das Sommerkonzert auf dem Mühlenhof am 15. Juli. Der Ticketverkaufsstart am 1. Mai für das niveauvolle Konzert lief prima an.