Älterwerden als Chance begreifen Henning Scherf im Golfclub Dütetal in Wersen

Von Jannik Zeiser


Lotte. Der Wersener Golfclub Osnabrück-Dütetal hatte jetzt prominenten Besuch: Henning Scherf, SPD-Politiker und ehemaliger Bremer Bürgermeister, sprach über die Herausforderungen des demografischen Wandels. Seine Botschaft: Die älteren Generationen können eine große Bereicherung für die Gesellschaft sein. Ehrenamt und Bewegung erhalten zudem Fitness und Lebensfreude.

Scherf ist Schirmherr des Vereins „HelpAge Deutschland“, eine Organisation, die sich für die Würde und Rechte älterer Menschen stark macht. Der Verein hat seinen Sitz in Osnabrück und ist Teil eines internationalen Netzwerks von Hilfsorganisationen. Geschäftsführer Lutz Hethey stellte seinen Verein kurz vor: Der Schwerpunkt liege auf der Entwicklungszusammenarbeit, derzeit stehe vor allem die Hungerkatastrophe in Ostafrika im Fokus; die Organisation betreue außerdem langfristige Projekte, um die Lebenssituation alter Menschen in Entwicklungsländern zu verbessern. Henning Scherf habe man kurz nach der Gründung des Vereins als Schirmherr gewinnen können. Zu dieser Zeit hatte er gerade sein Buch „Grau ist bunt“ über das Altern geschrieben und war leicht für die Schirmherrschaft zu begeistern gewesen.

Anekdoten über das Älterwerden

Scherf selbst berichtete in zahlreichen persönlichen Anekdoten vor allem über das Altern hierzulande. Gleich zu Beginn stellte er jedoch fest: „Der demografische Wandel ist ein weltweites Thema“. Selbst in Afrika könne man beobachten, dass die Menschen immer älter werden. Diese Entwicklung sei eine riesige Veränderung der Weltgesellschaft. Die drängende Frage unserer Zeit laute also: „Wie können wir damit klarkommen?“ Einige kleine Antworten darauf hatte Scherf parat. So sei er der Frage nachgegangen, was Menschen selbst in hohem Alter fit halte. Sowohl aus wissenschaftlichen Quellen als auch aus persönlicher Erfahrung wisse er nun, dass Bewegung, soziale Kontakte und ein strukturierter Alltag eine wichtige Rolle spielen. „Ich wohne in einer Hausgemeinschaft mit zehn Leuten zusammen. Wir besitzen gemeinsam nur ein einziges Auto und fahren sehr viel mit dem Fahrrad“, erzählte der 79-Jährige. Überhaupt kann er dem Konzept „Mehrgenerationenhaus“ sehr viel abgewinnen. Begeistert erzählte er, wie die befreundete Gemeinschaft sich vor 30 Jahren zusammengefunden hatte – zunächst von den eigenen Kindern noch als „postpubertäre Romantiker“ belächelt. In den Neunzigern seien zwei Mitbewohner nacheinander schwer krank geworden; die Pflege habe die Hausgemeinschaft übernommen. „Das hat uns sehr zusammengeschweißt.“

Wichtiges Ehrenamt

Ehrenamtliche Beschäftigungen seien ebenfalls eine wichtige Perspektive für ältere Menschen. Erhebungen hätten gezeigt, dass ein Großteil durchaus bereit ist, sich zu engagieren. Scherf selbst engagiert sich mit anderen Freiwilligen in einer Grundschule, die ehemals als Problemschule verrufen war. Durch die gute Arbeit der Lehrer und die Hilfe der Freiwilligen sei inzwischen das Gegenteil der Fall: „Wir können uns vor Anmeldungen kaum noch retten“, erzählte Scherf stolz. Es komme darauf an, die Kompetenzen der Alten zu nutzen, forderte er.

Nicht von Bürokratie einschüchtern lassen

„Gibt es nicht zu viele bürokratische Hürden, die den Weg zum Ehrenamt erschweren?“, hakte eine Zuhörerin in der anschließenden Diskussion nach. Sie habe etwa die Erfahrung gemacht, dass die Pflicht, immer wieder Führungszeugnisse vorlegen zu müssen, das Engagement zum bürokratischen Hürdenlauf mache. „Das muss nicht so sein“, entgegnete Scherf. Ehrenamtliche Arbeit dürfe nicht durch bürokratische Gängeleien gelähmt werden. Und wo immer Bürokratie eigentlich überflüssig sei, müsse man entschieden gegensteuern.

Entwicklungsarbeit besser als Aufrüstung

Hinsichtlich der Entwicklungsarbeit von HelpAge in Afrika betonte Scherf außerdem: „Wir dürfen Afrika nicht als einzigen Chaos-Kontinent betrachten.“ Afrika sei sehr vielfältig, in vielen Ländern gebe es deutliche Fortschritte. Es sei besonders im europäischen Interesse, dass die Menschen in Afrika eine Lebensgrundlage erhalten – „Das ist viel besser als Aufrüstungs- und Abschottungspolitik.“

Treffen von Parteifreunden

Nebenbei traf Henning Scherf bei seinem Besuch in Wersen auch einen alten Parteifreund wieder: Osnabrücks ehemaliger Oberbürgermeister Hans-Jürgen Fip war unter den Zuhörern im Golfclub. Vergnügt deutete Scherf auf seine Krawatte: „Die hat mir Hans-Jürgen vor Jahren mal geschenkt. Ich habe sie heute extra wieder aufgetrieben.“ Außerdem erinnerte er sich an eine frühe Niederlage gegen Fip: „Wir haben mal als Jusos gegeneinander kandidiert, da hat er mich geschlagen.“