Betrug mit Tickets und Handys 21-Jähriger Internetbetrüger aus Lotte muss ins Gefängnis

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„Eine Rechtsordnung, die immer nur androht und nicht vollstreckt, schafft sich ab“, begründete der Richter des Osnabrücker Jugendschöffengerichts die dreijährige Haftstrafe für den bewährungsresistenten Betrüger. Symbolfoto: Colourbox.de„Eine Rechtsordnung, die immer nur androht und nicht vollstreckt, schafft sich ab“, begründete der Richter des Osnabrücker Jugendschöffengerichts die dreijährige Haftstrafe für den bewährungsresistenten Betrüger. Symbolfoto: Colourbox.de

Lotte/Osnabrück. Zu drei Jahren Jugendstrafe ist ein 21-Jähriger aus Lotte verurteilt worden, weil er wiederholt Dinge im Internet zum Verkauf anbot, die er gar nicht besaß.

Das Osnabrücker Jugendschöffengericht verurteilte den Mann, weil er nach „Warnschüssen“ der Justiz immer wieder seine Bewährungschance ignorierte. So war er beispielsweise im Mai vergangenen Jahres zu einer zweijährigen Jugendstrafe verurteilt worden, die man trotz wiederholter Betrugsversuche zur Bewährung ausgesetzt hatte. Zum letzten Mal allerdings, wie man im Urteil ausdrücklich festhielt. Doch den damals 20-Jährigen scherte das offensichtlich nicht.

Nichts gelernt

Nur einen Monat später verkaufte er wieder Dinge über das Internet, die er gar nicht besaß. In diesem Fall waren es zwei Tickets für das EM-Finale 2016 in Paris. 615 Euro bekam der Mann aus Lotte dafür überwiesen, die Eintrittskarten sah der Käufer nie.

Geld für nichts

Immer wieder bot der Angeklagte auch Stadiontickets für Fußballbundesligaspiele an, die nie sein Eigentum waren. Dreimal stellte er zudem sein eigenes Top-Smartphone zum Verkauf im Internet ein, kassierte das Geld – und behielt das Gerät.

Zwar räumte der Angeklagte die Taten ein, gab auf die Richterfrage nach dem Grund nur Kaugummikauend ein kurzes „Keine Ahnung“ von sich. Im Vorfeld der Verhandlung hatte er gesagt, das Geld aus den Betrügereien habe er in Spielautomaten gesteckt.

Angeklagter voll schuldfähig

Ein psychologischer Gutachter des Ameos-Klinikums hatte den Angeklagten daraufhin auf Spielsucht gecheckt. Doch der Oberarzt stellte klar: Bei dem Mann gebe es keine psychischen Auffälligkeiten. Es gebe keine Indikatoren für eine krankhafte Spielsucht. „Er ist voll schuldfähig und hat Ansätze zu einer dissozialen Persönlichkeitsstruktur, da ihm vieles egal ist“, beurteilte der Sachverständige den Angeklagten.

Bevor der Staatsanwalt sein Plädoyer hielt, wurde noch bekannt, dass der junge Mann auch im Herbst vergangenen Jahres wieder auffällig geworden war: Zum einen erneut mit Betrug, zum anderen mit Verstoß gegen das Sprengstoffgesetz.

Staatsanwalt fordert Konsequenzen

„Was neben der Reifeverzögerung des Angeklagten deutlich wird, ist: Er machte bislang die klare Ansage an die Justiz, dass er sie nicht ernst nimmt. Deutlich muss deshalb jetzt werden, dass man die Justiz ernst nehmen muss“, sagte der Staatsanwalt und beantragte zwei Jahre und neun Monate Jugendstrafe.

Nicht viele Argumente, die fällige Strafe noch einmal zur Bewährung auszusetzen, konnte der Verteidiger aufbringen. Er plädierte auf zwei Jahre Jugendstrafe, 200 Arbeitsstunden und eine sehr engmaschige Bewährungshilfe über fünf Jahre.

Vollstrecken statt androhen

Doch all das fand im Urteilsspruch keine Berücksichtigung. Wegen der „unglaublich hohen Rückfallgeschwindigkeit ist der Ofen jetzt aus“, sagte der Richter und begründete warum er und die Schöffen den Angeklagten für drei Jahre in den Jugendknast schicken. Der Mann habe die Taten begangen, um zu spielen und seinen Lebensunterhalt zu finanzieren. Er habe stets gewusst, was er tue und sich unbeeindruckt von drei vorangegangenen Bewährungsstrafen gezeigt. „Eine Rechtsordnung, die immer nur androht und nicht vollstreckt, schafft sich ab“, schloss der Richter.


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