Wie profitiert die Gemeinde? Der Sportfreunde-Lotte-Effekt

Von Ursula Holtgrewe und Jessica den Benken


gre/vdb Lotte. Spätestens seit dem DFB-Pokalsieg der Sportfreunde Lotte über 1860 München ist die westfälische Gemeinde auch weit über die Region hinaus bekannt. Das ist ein deutlicher Imagegewinn für die Gemeinde. Wie profitieren Wirtschaft und Wirtschaften davon und wie bereitet sich Lotte auf das Pokalviertelfinale am Dienstag vor?

Joana Watermeyer, Wirtschaftsförderin der Gemeinde Lotte ist sich sicher: „Durch den sportlichen Erfolg der Sportfreunde Lotte hat die Gemeinde einen sympathischen Imageträger gewonnen“. Nach dem DFB-Pokal Spiel gegen 1860 München sei Lotte auf Wikipedia unter den Top fünf der Suchanfragen gewesen. „Das ist für uns natürlich ein super Marketing-Effekt. Konkrete Zahlen zur wirtschaftlichen Auswirkung liegen uns derzeit jedoch noch nicht vor“, sagt Watermeyer. Dafür sei der sportliche Erfolg der Fußballer noch zu jung, erklärt die Wirtschaftsförderin. Seit es mit den Sportfreunden jedoch so positiv laufe, gebe es viele Anfragen im touristischen Bereich, die in der Verwaltung auflaufen. Beispielsweise würden aus ganz Deutschland Unterkünfte angefragt. „Positiv ist der Erfolg der Fußballer auf jeden Fall für die Cafés und Gaststätten in der Bahnhofstraße“, meint Watermeyer.

Sportfreunde machen Gemeinde bekannt

Mit konkreten Zahlen kann auch Sven Garcia Alba, Marketing Manager des SFL-Hauptsponsors Frimo-Group, nicht aufwarten, spürt aber durchaus positive Effekte für das Unternehmen. Durch den Aufstieg in die 3. Liga und ganz besonders durch die Erfolge im DFB-Pokal als „Underdog“ gegen namhafte Gegner sei der Verein nicht nur zu einem wichtigen Thema für die Belegschaft in Lotte und an den anderen Frimo-Standorten geworden – „das Team und auch die Gemeinde Lotte als Ort sind zudem in das Blickfeld unserer Kunden, auch international, gerückt“, sagt er. „Uns erreichen Anfragen nach Trikots aus Frankreich, wir erhalten Zeitungsausschnitte über die Sportfreunde aus Asien und oft sind sie auch bei Kundengesprächen ein Thema – all das zeigt eindrucksvoll, dass der Verein, seine Fans und auch die Sponsoren hier Großes leisten“, meint Garcia Alba. Deshalb hatte Frimo natürlich auch Karten für das DFB-Pokal-Viertelfinale bekommen, aber „wir konnten nicht jedem Frimo-Mitarbeiter in Lotte eine Eintrittskarte zukommen lassen. Die Anfragen, die von allen Seiten an uns gestellt wurden und werden, können wir nicht einmal ansatzweise erfüllen“, sagt der Marketing Manager. Daher werde man das Spiel mit Mitarbeitern, Kunden und Partnern auf dem Firmengelände anschauen.

Lotte im Pokalfieber

Wer ebenfalls keine Karte fürs Stadion ergattern konnte, hat am Dienstag natürlich noch weitere Möglichkeiten, mit der Mannschaft der Sportfreunde mitzufiebern und nebenbei die heimische Wirtschaft zu fördern. Etwa in der Pizzeria „Roma“ in der Bahnhofstraße. Inhaber Hüsamettin Karaduman, von allen kurz Mettin genannt, ist schon etwas aufgeregt. „Der NDR hat angerufen und möchte im Radio live aus der Pizzeria übertragen“, sagt er. Ein Interview hatte Mettin dem WDR bereits vor der Partie SFL gegen 1860 München gegeben. „Da habe ich 2:0 für Lotte getippt und war richtig stolz, dass das Spiel auch so aufging.“ Er werde die ARD-Übertragung des Spiels gegen den BVB im Gastraum zeigen und überlegt, auch die Terrasse vor der Pizzeria zu öffnen. Ab 16 Uhr ist geöffnet, eine Reservierung sinnvoll unter Tel.: 05404/951755.

Das gilt auch für die Pizzeria Soave. Chef Hakki Hamidanoglu fiebert dem Pokaltag entgegen. Einige Gäste hätten bereits Tische reserviert. „Ich werde wohl im Laden bleiben“, sagt er, wie auch schon gegen Leverkusen und 1860 München. Ab Nachmittag hat er geöffnet, Reservierungen unter Tel.: 05404/9979318.

In der Gastronomie neben der Tennishalle hat sich Fatmir Kelemendi auf Live-Gucker eingestellt. „Im Gastraum haben etwa 80 Personen Platz. Geöffnet habe ich ab mittags. Bratwurst, Pommes und eventuell Frikadellen gibt es auch“, sagt er. Plätze können reserviert werden unter Tel.: 05404/4662 (AB).

Einen Bierwagen und bei gutem Wetter einen Grillstand wird Mahmud Coban auf dem Parkplatz neben seiner Pizzeria „Latina“ am Flotte-Lotte-Kreisel aufstellen. Die Fernsehübertragung zeigt er in der Gaststube. „Ein Team von der ARD hat sich montags und dienstags zum Essen angemeldet. Am Pokaltag mache ich durch von 11 Uhr vormittags an“, wusste Coban bereits Tage vorher. Wer einen Platz sicher haben möchte, kann ihn anrufen unter Tel.: 0151/66100459.

Auch Michael Rott, der die „Lotter Bier-Bar“ betreibt, hat sich auf zahlreiche Fans eingestellt. „Wir werden wahrscheinlich früher als 17 Uhr geöffnet haben.“

Im Wersener Jugendtreff „SitIn“ wird die Übertragung zum Event für alle Generationen. Dorthin lädt Jugendpfleger Robert Budde zum Rudelgucken im großen Raum ein. Geöffnet ist ab 19.30 Uhr. Getränke, ausnahmsweise auch Bier und Wein, dürfen mitgebracht werden. „Softdrinks und Pokal-Wurst sind für kleines Geld zu bekommen“, wirbt Budde.

Im Fußballfieber ist auch Burim Hasani, Chef der Eisdiele „Cristallo“ am Kreisel. Er hat seit zwei Wochen wieder geöffnet. „Wer zuhause schaut, braucht vielleicht in der Halbzeitpause eine Abkühlung und kann sich hier ein Eis holen“, bot er schmunzelnd an. Und: „Wer Lust hat, mit uns zu schauen, ist herzlich willkommen. Kühle Getränke gibt es auch.“ Die Pokalpartie beschäftigt Hasani sehr: „Ich habe geträumt, dass Stürmer Saliou Sané gegen Dortmund so ein Zaubertor schießt wie das 1:0 gegen Erfurt. Lotte hat eine Chance, wenn Dortmund nicht in Bestbesetzung antritt“, ist er überzeugt.

Freude und Förderung

Für die Lotter Ratsfraktionen steht fest, dass der Imagegewinn durch den Erfolg der Sportfreunde enorm sei. Darüber freue man sich und drücke für das DFB-Pokal Viertelfinale am Dienstag die Daumen. Einen direkten wirtschaftlichen Sportfreunde-Effekt sehen die Politiker derzeit nicht. Daher stehen SPD, FDP und Grüne einer finanziellen Förderung aus dem Gemeindehaushalt auch kritisch gegenüber. Aufgabe der Gemeinde sei die Förderung des Breitensports und nicht die des Profifußballs – da müsse man klar trennen. Das sieht die CDU etwas anders. Man müsse sich bei allen Entscheidungen immer wieder vergegenwärtigen, wie der Profisport sich positiv auf das Gemeinde-Image auswirke, sagt der stellvertretende Fraktionschef Friedhelm Lange. Auch dürfe man nicht vergessen, dass die Sportfreunde finanziell bei weitem nicht so gut aufgestellt seien, wie andere Vereine in der dritten Liga. Kommunale Förderung von Spitzensport sei daher an der Stelle auch die Förderung von kommunalem Image. „Und das tut der Gemeinde gut“, sagt er.

Positive Grundstimmung

Abseits dieser Diskussion betont Bürgermeister Rainer Lammers einen ganz anderen Aspekt: „Viel beeindruckender finde ich, dass – bedingt durch den sportlichen Erfolg – in unserer Gemeinde aktuell eine sehr positive Grundstimmung unter der Bevölkerung herrscht“, sagt er. „Ich hoffe sehr, dass dies weiter so bleibt und das Spiel am kommenden Dienstag gut und friedlich verläuft.“


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