Kritik an Bahnübergangsplänen Nordbahn-Reaktivierung Thema im Lotter Ausschuss

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An der Reaktivierung der Tecklenburger Nordbahn für den Personenverkehr scheiden sich die Geister. Die Diskussion nimmt jetzt wieder Fahrt auf. Symbolfoto: Oliver LangemeyerAn der Reaktivierung der Tecklenburger Nordbahn für den Personenverkehr scheiden sich die Geister. Die Diskussion nimmt jetzt wieder Fahrt auf. Symbolfoto: Oliver Langemeyer

Lotte. Da hatte sich der Verkehrs- und Umweltausschuss wohl ein bisschen viel vorgenommen: Nach drei Stunden und drei Beratungspunkten, die es in sich hatten, einigte man sich darauf, die Sitzung abzubrechen und die restlichen Themen einschließlich Haushalt zu vertagen. Den größten Teil der Zeit nahm die ausführliche Präsentation der die Gemeinde Lotte betreffenden Vorplanungen zur Reaktivierung der Tecklenburger Nordbahn ein.

Fortgesetzt werden die Beratungen des Gremiums am Donnerstag, 1. Dezember, um 18 Uhr, ebenfalls im Sitzungssaal des Rathauses. Gleich drei Referenten hatten sich bereit erklärt, den aktuellen Stand der Nordbahn-Planung insgesamt sowie speziell für den Streckenabschnitt auf Lotter Gemeindegebiet darzustellen: Markus Rümke vom Zweckverband Schienenpersonennahverkehr Münsterland (ZVM), der die allgemeine Planung und den Fahrplan erläuterte, Johann Ubben von der Westfälischen Landes-Eisenbahn (WLE), der Infrastruktur, technische Anlagen und Kostenschätzung präsentierte, und Michael Klüppels von der Regionalverkehr Münsterland GmbH (RVM), der die Pläne zum ergänzenden Busverkehr vorstellte.

Kreuzungsbahnhof in Eversburg

Aus der Grundlagenanalyse und der Erarbeitung des Planungskonzeptes mit Kostenschätzung (Phase 1 und 2) wurde das auf der interkommunalen Info-Veranstaltung in Recke vorgestellte Betriebskonzept entwickelt. Auf dessen Basis werde jetzt die Entwurfsplanung vorbereitet, zusammen mit der Überarbeitung der Details in Abstimmung mit den Anliegerkommunen, die sich als Träger öffentlicher Belange am Verfahren beteiligen könnten, und der Kostenberechnung (Phase 3 und 4), erklärte Rümke. Abweichend vom Untersuchungsergebnis 2010 sei jetzt eine „stehende Zugkreuzung“ im Bahnhof Eversburg statt in Westerkappeln vorgesehen.

Elektronische Stellwerkstechnik

Die gesamte Strecke zwischen den Haltepunkten Eversburg/Büren und Recke wird mit elektronischer Stellwerkstechnik gesichert – Zugbegnungen seien ausgeschlossen, Güterverkehr ebenfalls. Außer dem Bahnhof Eversburg wird es nur noch einen Betriebsbahnhof im zweigleisigen Bereich genau zwischen Westerkappeln und Mettingen geben und eine kurze Wende in Recke, um verlässliche Fahrzeiten, hohe Wirtschaftlichkeit und möglichst geringen Infrastrukturaufwand zu garantieren. Die ausschließlich für den Personenverkehr ausgelegten Züge fahren laut Plan in der Woche tagsüber „exakt im Halbstundentakt“ (abends zwischen 19 und 22 Uhr und am Wochenende stündlich), sind mit dem Fahrplan des ergänzenden Busverkehrs verzahnt und bedienen in Lotte die Haltepunkte Büren/Eversburg, Büren/Kromschröder und Wersen (alter Bahnhof), darüber hinaus dann die Stationen Westerkappeln, Mettingen, Schlickelde, Espel und Recke.

Haltepunkt Kromschröder: Nur Stundentakt?

Allerdings gibt es laut Rümke eine „dicke Kröte, die zu schlucken ist“: Ausgerechnet an der Station Büren/Kromschröder soll die Tecklenburger Nordbahn nur im Stundentakt halten, um an den übrigen Stationen den Halbstundentakt gewährleisten zu können. Auf entsprechende Kritik aus dem Aussschuss räumten die Referenten ein, dass auch eine andere Lösung und eventuell sogar eine Berücksichtigung von Schichtbeginn und Schichtende beim, wie Stefan Franke (Grüne) betonte, „größten Arbeitgeber in Lotte“ denkbar wäre. Das sei aber Sache der Detailplanung.

Stationsausbau nach NRW-Standard

Wie Johann Ubben erläuterte, hat die Lösung mit nur einem Kreuzungsbahnhof „den Vorteil, dass nur noch ein Stellwerk erforderlich ist“. Und zwar genau auf dem zweigleisigen Stück zwischen Westerkappeln und Mettingen (Betriebsbahnhof). Das bedeute, keine Unfallgefahr durch Zugkollisionen. Die Stationen (Haltepunkte) würden samt und sonders nach NRW-Standard ausgebaut, das heißt, 120 Meter lange, mindestens 2,50 Meter breite Bahnsteige mit barrierefreiem Zugang, Beleuchtung, Wetterschutz und Info-Elementen. Wegen des kritischen Punktes Abzweig Büren/Eversburg, wo auf jeden Fall ein Haltepunkt nahe der Bus-Haltestelle (von dort Stadtbussanschluss im Zehn-Minuten-Takt, R-11-Anschluss halbstündlich) kommen soll, müsse die Anschlussweiche in den Bereich jenseits der Landwehrstraße verlegt werden. Und der jetzt enge Radius der Streckenkurve im Wersener Holz muss für die Höchstgeschwindigkeiten vom 100 bzw. 80 km/h „abgeflacht“ werden.

Bahnübergänge in der Diskussion

Die Vorstellung der geplanten technischen Sicherung beziehungsweise Auflassung/Aufhebung der insgesamt 23 Bahnübergänge auf Lotter Gebiet stieß insbesondere in der CDU-Fraktion auf Kritik. Werner Schwentker meldete insbesondere gegen die Einrichtung einer Anrufschranke etwa am Übergang Sloopsteinweg („Das halten wir für völlig daneben“) oder die Auflassung des Übergangs Gänsehügel – ihn müssten Landwirte nutzen, um ihre Flächen erreichen zu können – Bedenken an. Auch zur Frage Um- oder Neubau alternativer Zufahrten bei Übergangsauflassungen und zum ergänzenden Buskonzept gab es kritische Anmerkungen, die zeigten: Hier ist noch jede Menge Diskussionsbedarf.

Schnellbus S 10 entfällt

Nach Michaels Klüppels Erläuterungen entfällt nämlich nicht nur der Schnellbus S 10 von Recke nach Osnabrück, sondern auch der Regiobus R 11 zwischen Westerkappeln und Wersen. Dafür wird der R 10 im 60-Minuten-Takt zwischen Mettingen, Westerkappeln und Wersen mit Nordbahn-Anschluss eingerichtet. Ein Regiobus R 12 soll im 30-Minuten-Takt Hopsten und Recke anbinden. Der Regiobus R 24 zwischen Ibbenbüren und Mettingen wird auf die Nordbahn abgestimmt. Die Bushaltestellen, etwa an der Bringenburg in Wersen, bleiben aber erhalten, sagte Klüppels auf Nachfrage.

Insgesamt, so meinten die Referenten, sei das bei der aktuellen Kostenschätzung von insgesamt 35,2 Millionen Euro bei angenommenen 5600 Nutzern mit dem Faktor 1,12 als „gut“ zu bewertende Reaktivierungsprojekt auf der vorgestellten Grundlage „eine tragfähige Lösung“.

Gewässerdurchlässe prüfen

Die Lotter Ausschussmitglieder verwiesen darauf, dass man das hier in der Gemeinde durchaus skeptisch sehe. „Deshalb sollte alles geklärt werden“, betonte CDU-Fraktionschef Schwentker, der auch monierte, dass nach derzeitigem Planungsstand die (Düte-)Brücken zwar verbreitert, die Gewässer-Durchlässe aber zugleich verringert werden sollen. „Wir haben zwar eine Diskussion zu einem Dorfsee hier in Wersen, aber ich weiß nicht, ob wir den an dieser Stelle haben wollen“, verdeutlichte er das Hochwasserschutzproblem.

Ortsbesichtigung

Sein Vorschlag, sich am Freitag, 25. November, um 15 Uhr bei Kastrup am Strotheweg zu treffen, um mit dem CDU-Ratsherrn und Landwirt Hartmut Meyer auf dessen Trecker-Anhänger alle Lotter Bahnübergänge abzufahren, sich vor Ort die Situation anzugucken und Stellungnahmen zu der Planung zu erarbeiten, stieß auf breite Zustimmung.


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