Prozess in Münster abgebrochen Angeklagter betrieb auch in Wersen Drogenplantage

Von Maximilian Keldenich

Auf der Plantage in Wersen stellte die Polizei mehr als 1200 Marihuana-Pflanzen sicher. Foto: PolizeiAuf der Plantage in Wersen stellte die Polizei mehr als 1200 Marihuana-Pflanzen sicher. Foto: Polizei

Lotte/Münster . Mit einer hohen Haftstrafe wird voraussichtlich der Angeklagte in einem Drogenprozess vor dem Landgericht Münster rechnen müssen. Bis Mai 2016 Betrieb er insgesamt vier Marihuana-Plantagen, eine davon in Wersen. Der Prozess musste jedoch wegen einer Bombendrohung abgebrochen werden.

Alles begann im März 2012: In Lotte-Wersen macht ein 44-jähriger Mann eine interessante Entdeckung. Nachdem er die Ortschaft erkundet hatte, findet er eine perfekte Räumlichkeit vor, in der er eine Plantage zum Ernten von Marihuana errichten lässt. Bis Mai 2014 werden mindestens sechs Ernten eingefahren und im Wert von jeweils bis zu 3000 Euro verkauft. Es ist also ein einträgliches Geschäft: Der Angeklagte lässt daher in Nottuln, Tecklenburg-Brochterbeck und Werl weitere Plantagen anlegen. Doch im Mai 2016 ist es mit dem lukrativen Drogenanbau vorbei : Eine der Plantagen fliegt auf, sodass auch alle anderen von der Polizei durchsucht und geschlossen werden. Seit Montag beschäftigt sich das Landgericht Münster mit dem Fall. Neben dem 44-jährigen Hauptangeklagten müssen sich zwei Erntehelfe vor Gericht verantworten.

Abbruch wegen Bombendrohung

Die Verhandlung vor der 11. Großen Strafkammer dauerte jedoch lediglich eine halbe Stunde, in der im Wesentlichen nur die Anklageschrift verlesen wurde. Grund dafür war einerseits der um eine Stunde verzögerte Beginn und andererseits eine Bombendrohung gegen die Staatsanwaltschaft Münster. Ein Zusammenhang mit einem ebenfalls am Montag im Gebäude der Handwerkskammer in Münster gefundenen verdächtigen Paket gibt es offenbar nicht. Experten der Polizei hatten das Päckchen untersucht und darin Schlittschuhe entdeckt. Auch hier war das Gebäude aus Sicherheitsgründen geräumt worden.

Fortsetzung am 11. November

Vermutlich wird der Hauptangeklagte mit einer hohen Strafe rechnen müssen. Er wird beschuldigt, in 13 Fällen Handel mit Marihuana getrieben zu haben. Die Plantagen machten auf die Gutachter einen hochprofessionellen Eindruck. Dies gilt auch für jene in Tecklenburg-Brochterbeck, die der Angeklagte Mitte des Jahres 2013 in der Dorfstraße anmietete, weil er dort Pokerspiele ausrichten wollte. Tatsächlich wurden dort wohl über 21 Kilogramm Marihuana geerntet. Aus Angst vor Entdeckung wurde der Betrieb zwischenzeitlich eingestellt. Auch soll eine Ernte von Unbekannten gestohlen worden sein.

Von seinen Einnahmen versorgte der Hauptangeklagte zwei Erntehelfer mit Geld und Naturalien, die nun ebenfalls vor Gericht stehen. Der 43 jährige Mann und der 25-jährige Mitangeklagte seien sich darüber bewusst gewesen, dass der Anbau von Drogen illegal sei und sie sich auch als Helfer strafbar machen, erläuterte der Staatsanwalt.