Wersenerin betreut Roma-Kinder Als Lehrerin auf Zeit in Rumänien

Meine Nachrichten

Um das Thema Lotte Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.


Lotte. Ein Jahr lang lebte die Wersenerin Astrid Gutzeit in Rumänien, entsandt von „Eirene“, einem deutschen christlichen Friedens- und Entwicklungsdienst. Auf einem Kinderbauernhof im Dorf Rusciori unterrichtete sie größtenteils Romakinder in Deutsch, half bei Hausaufgaben und organisierte Freizeitangebote. „Ich werde wieder hinfahren und die Kinder besuchen“, sagt die Wersenerin, die schnell die Liebe ihrer Schützlinge gewann.

Nach dem Abitur am Tecklenburger Graf-Adolf-Gymnasium nahm sie an einer Projektwoche von „Eirene“ (griechisch: Frieden) teil und entschied sich für den Kinderbauernhof in Rusciori nahe der Stadt Sibiu, ehemals Hermannstadt.

„Einen Unterstützerkreis musste ich mir aufbauen und circa 200 Euro im Monat zusammenbekommen“, berichtet die Wersenerin. So sollen bereits im Vorfeld Motivation und Identifikation geschaffen werden. Ihre Sponsoren fand sie in der Familie, einem ehemaligen Lehrer und im Freundeskreis.

Nach zwei Wochen Rumänisch-Sprachkurs zog sie in das alte Pfarrhaus und führte für ein Jahr die Arbeit der Siebenbürger Projektgründerin Hermine Ginga-Roth fort. Astrid Gutzeit teilte sich mit einer weiteren von drei Freiwilligen ein Zimmer, das sich beide mit wenigen Mitteln gemütlich herrichteten.

Nach der Schule kamen überwiegend Romakinder auf den Kinderbauernhof. Sie unterrichtete für alle vier Grundschuljahrgänge Deutsch und betreute Erstklässler bei den Hausaufgaben. Jeden Mittag wurde gekocht. „Das war für viele Kinder die einzige warme Mahlzeit am Tag“, erinnert sich Astrid Gutzeit.

Sie erklärt, dass in dem Dorf drei Bevölkerungsgruppen leben: Rumänen, Siebenbürger Sachsen und Roma, die 80 Prozent der Einwohner seien. „Die Eltern verkaufen Blumen auf dem Markt oder sammeln Alteisen, das sie verkaufen“, berichtet die Lehrerin auf Zeit. Im Roma-Viertel gebe es in den Häusern selten fließendes Wasser, nur einen Brunnen und vereinzelt Fernseher. „Im Sommer kochen sie draußen auf offenem Feuer“, sagt Astrid Gutzeit.

Wenngleich die Eltern keine Schulbildung besitzen, zeigt das Eirene-Projekt Erfolge: „Immer mehr Kinder gehen zur weiterführenden Schule und beenden die achte Klasse. Und es gibt immer mehr Eltern, die sich für die schulische Entwicklung der Kinder interessieren“, erklärt die Wersenerin. Zu ihren Aufgaben gehörte auch, auf das Händewaschen vor dem Essen zu achten und das anschließende Zähneputzen. „Wir haben ihnen auch vermittelt, dass Haarewaschen und Kämmen zum netten Aussehen beitragen und dass es sich gehört, in sauberer Kleidung zu uns zu kommen“, berichtet die Abiturientin.

Mit Eifer bei der Sache

Dass die meisten Kinder nur langsam lernen, erfuhr sie überdies: „Da ist jeder kleine Fortschritt ein großer Erfolg.“ Gleichwohl waren alle mit Eifer freitags beim „Ateliertag“ bei der Sache, wenn die Freiwilligen mit abwechslungsreichen Angeboten Kreativität und Spaß förderten. Da brachte Astrid Gutzeit den Kindern auch Tangotanzen bei – und lernte von ihnen Roma-Tänze. Die tanzte sie bei einer Hochzeit, zu der sie eingeladen war. „Es war ganz anders als hier. Wir haben viel im Kreis getanzt und zwischendurch gegessen“, sagt sie lachend.

Auch die Weihnachtszeit war etwas Besonderes: „Wir haben mit den Kindern viel gebacken und sind nach Sibiu gefahren. Dort zogen wir singend von Haus zu Haus. Lieder haben wir auf Deutsch, Englisch und Rumänisch vorgetragen. Dafür gab es kleine Geschenke.“

Als die Zeit des Abschieds nahte, erfuhr sie vielerlei Liebesbekundungen ihrer Schützlinge: „Sie wollten mit mir gehen, bei mir wohnen.“

Mit zahlreichen bewegenden Erinnerungen, den Eindrücken einer vielfältigen Landschaft und Begegnungen mit offenen Menschen im Gepäck kam Astrid Gutzeit ins Westfälische zurück.

Indes wird sie nicht Lehrerin werden: Am 1. August begann sie eine Lehre als Hotelkauffrau, ein Beruf, der sie mit Menschen zusammenbringt und der internationale Berufsstationen keineswegs ausschließt – vielleicht sogar in Rumänien.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN