Gespräch am Sonntag im Rathaus Lotter Feuerwehr braucht einen Neuanfang

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Hoffnungsvoll und bereit, an einer möglichst raschen Lösung der Probleme der Feuerwehr Lotte mitzuarbeiten, sind (von links) Rainer Lammers, Raphael-Ralph Meier, Gerd Nüsse, Volker Rapelius und Marcus Prinz. Foto: Ursula HoltgreweHoffnungsvoll und bereit, an einer möglichst raschen Lösung der Probleme der Feuerwehr Lotte mitzuarbeiten, sind (von links) Rainer Lammers, Raphael-Ralph Meier, Gerd Nüsse, Volker Rapelius und Marcus Prinz. Foto: Ursula Holtgrewe

Lotte. Die Austrittswelle bei der Freiwilligen Feuerwehr Lotte hat für einen Schock gesorgt, der bis in die Führungsetage des Rathauses reicht. Ob der Schock letztlich heilsam wirken wird, könnte sich bereits am Sonntag zeigen, wenn Bürgermeister Rainer Lammers das Gespräch mit den acht Kameraden sucht, die am Montag hingeschmissen hatten.

Am Donnerstagabend hatten Lammers und Kreisbrandmeister Raphael-Ralph Meier die 18 verbliebenen Feuerwehrmänner von ursprünglich 32 Aktiven ins Alt-Lotter Feuerwehrgerätehaus eingeladen. 15 erschienen. Das Gespräch fand nichtöffentlich statt.

Erhebliche Kommunikationsprobleme

Am Freitagmorgen stellten sich die beiden im Rathaus der Presse, um Auskunft über ihre Vorstellungen zum weiteren Vorgehen zu geben. An ihrer Seite waren der amtierende Wehrleiter Volker Rapelius, sein Stellvertreter Gerd Nüsse und der kommissarische Löschzugführer in Alt-Lotte , Marcus Prinz. Klare Zielansage von Rapelius: „Wir geben die 14 Abgänger nicht auf.“

Generell gestanden alle Gesprächsteilnehmer zu, dass es in der Vergangenheit erhebliche Kommunikationsprobleme innerhalb der Wehr gegeben habe, die sowohl zu Gräben zwischen Führung und Basis als auch zwischen den Löschzügen Lotte und Wersen geführt hätten. Um diese zu beheben, müsse es einen Neuanfang geben.

Ausrüstung wird ergänzt

Das Gespräch am Sonntag soll ohne die Wehrleitung stattfinden, um eine erneute Eskalation zu vermeiden. Allerdings betonte Lammers: „Wir werden vor den acht Kameraden nicht auf die Knie gehen, denn wir haben sie ja nicht mit Schimpf und Schande fortgejagt.“ Wichtig für einen Neuanfang sei die Bereitschaft, aufeinander zuzugehen.

Die Klagen über unzureichende Ausrüstung sehen Bürgermeister und Feuerwehrführung als grundsätzlich berechtigt an, aber dennoch als zu weitgehend. Auf einer Liste mit 64 Kleidungsstücken sind 6 als defekt, 14 als mäßig brauchbar und 44 als in Ordnung eingestuft. Diese Liste, so Nüsse, sei von den Kameraden selbst aufgestellt worden. Ersatzbestellungen seien längst erfolgt, teilweise auch geliefert, wobei in wenigen Fällen die Größen nicht passten. Das sei aber normal und werde korrigiert.

Reaktion auf Austrittswelle

Rapelius sagte, dass er selbst von der Austrittswelle überrascht worden sei. Sie habe ihn sehr enttäuscht, da es sich um „gute, hoch engagierte Mitglieder“ handele. Er wolle aber einem Neuanfang nicht im Wege stehen und habe deshalb frühzeitig erklärt, Ende April sein Amt aufzugeben. Nüsse will sich erst mit dem Wersener Löschzug und mit seiner Familie beraten, bevor er über seine Zukunft entscheidet.

Auch Kreisbrandmeister Meier hofft, dass es sich bei dem Eklat vom vergangenen Montag um eine „übereilte Kurzschlussreaktion“ handele, die in vielen Fällen noch umkehrbar sei. Allerdings hätten die acht Kameraden auch „irreale Forderungen wie den Rücktritt beider Wehrführer“ aufgestellt. Ohne feste Nachfolgeregelung sei das rechtlich gar nicht möglich. Die Austritte stünden in keinem Verhältnisse zum Stand der Dinge und seien eben nur durch Kommunikationsmängel erklärbar.

„Kein Wunschkonzert“

Gerd Nüsse betonte, dass jede Wehrleitung schwierige Entscheidungen zu treffen habe, die dann auch kein Wunschkonzert darstellten. So habe das Fahrzeugkonzept in Alt-Lotte für Ärger gesorgt, weil man das Altfahrzeug, für das man ein neues erhalten hatte, nicht abgeben wollte. Grundsätzlich seien hier auch immer die Kosten und die Vorgaben der Gemeinde zu berücksichtigen. Dazu Lammers: „Und wir tun ja wirklich alles für die Feuerwehr, was wir können.“

Solange der Lotter Löschzug nicht über die notwendige Mannschaftsstärke verfügt, werden die Wersener bei allen Einsätzen dort mit alarmiert, erklärte Meier das bis auf weiteres geltende Konzept. Bei bedeutenderen Schadensereignissen stünden auch Velpe oder Westerkappeln bereit. Er selbst werde verstärkt vor Ort prüfen, ob das alles so funktioniere.

Unbelastete Prinzenrolle

Marcus Prinz sieht sich als Neubürener völlig unparteiisch, sodass er unbelastet seine kommissarische Rolle als Löschzugführer antreten kann: „Ich kenne kein Ortsteildenken in Lotte, weiß aber, dass der Bahnübergang eine Trennlinie darstellt.“ Dem wolle er künftig mit regelmäßigen, gemeinsamen Dienstabenden entgegenwirken. „Wir müssen uns als eine Lotter Feuerwehr begreifen“, appelliert der in Borken tätige Berufsfeuerwehrmann.

Ob alle oder zumindest ein Großteil der 14 mittlerweile ausgeschiedenen Feuerwehrleute zurückkehren werden, hängt laut Kreisbrandmeister von ihnen selbst und von der Entscheidung des amtierenden Wehrleiters Rapelius ab: „Der alleine hat die Personalhoheit.“ Einig war sich die Runde im Rathaus in der Hoffnung, dass alle Beteiligten in dem möglichen Neuanfang die Chance für eine starke, gemeinsame Lotter Wehr erkennen.


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