zuletzt aktualisiert vor

Kampfsportler mit Stallgeruch Hightech der Halener Schweinemast KG besichtigt

Von Thomas Niemeyer


Lotte. Sie quälen sich regelmäßig sportlich, grillen aber auch häufig und trinken gerne Bier. Die Kampfsportgruppe 13 des TuS Lotte interessiert sich jedoch auch für Ökonomie und Ökologie. So besichtigte sie im Zuge ihrer alljährlichen Radtour den hoch modernen Maststall des Halener Landwirts Hartmut Meyer.

Die Idee war beim Herrenabend in Wersen entstanden, als CDU-Ratsherr Horst Petersson seinen Fraktionskollegen Hartmut Meyer mit Bernhard Nikolay, dem Bierwart der KSG 13, bekannt machte. Da seine Männertruppe im Sommer zuvor den Neulandhof ihres Sportkameraden Martin Steinmann in Alt-Lotte besichtigt hatte, lag die Idee zum Vergleich nah und war der Besuchstermin rasch vereinbart. Lottes Tierzüchter sind offenbar gastfreie Menschen.

Ziel der KSG-13-Radtour

Nach gemütlichem Radeln von Alt-Lotte über Atter, den Rubbenbruchsee, Eversburg nach Hollage erreichten die 13 Männer am Nachmittag den von drei Generationen bewirtschafteten Hof Meyer in der Bauerschaft Halen. Sogleich schwang sich Hartmut Meyer ebenfalls aufs Rad, denn der vor drei Jahren errichtete Maststall, eine Millioneninvestition nach dem neuesten Stand der Technik, liegt 800 Meter weiter in Richtung Büren.

Obwohl der Gastgeber warnte: „Wo es nicht stinkt, sind auch keine Schweine drin“, stellten die Besucher keine Geruchsbelästigungen fest, die nicht harmonisch zu dem passten, was sie zu sehen bekamen: neugierig quiekende Jungschweine auf der einen, computergesteuerte Technik auf der anderen Seite. Das Ganze, so stellte Meyer klar, stelle die mit seinem Nachbarn Hendrik Stiegemeyer gemeinsam gegründete Halener Schweinemast KG dar.

Exakte Betriebsorganisation

Bis zu 1924 Tiere können die beiden Vollerwerbslandwirte in dem sieben Meter hohen Neubau unterbringen. Die Abläufe sind exakt organisiert. Drüben auf dem Hof Meyer sorgen 220 produktive Sauen, sogenannte Mutten, motiviert von zwei Deckebern, aber in der Regel künstlich befruchtet, alljährlich für rund 6000 Ferkel. Nach sechs Wochen ziehen sie von dort in die „Schnitzeloase“ um, mit etwa 28 Kilogramm auf den Rippen.

Alle 14 Tage bezieht eine neue Generation aus rund 200 Tieren ein Abteil, das sich in 16 Boxen unterteilt. 15 Tiere dürften in jede Box; doch nach den Kriterien der Initiative Tierwohl sind es nur 13, die jeweils einen Meter Platz haben. Da sie offenbar Wert auf körperliche Nähe legen, nutzen sie den Raum nur selten.

860 Gramm am Tag dazu

110 Tage beträgt die Mastzeit; im Schnitt soll jedes Tier jeden Tag 860 Gramm zulegen, um am Ende 116 Kilogramm zu wiegen. Das bringt laut Meyer den optimalen Preis, fordert aber planvolle Fütterung. Die steuert je nach Altersklasse inhaltlich und mengenmäßig der Computer, der zugleich Luftfeuchtigkeit und Temperatur im Stall überwacht. Die Gülle geht nahezu komplett in eine Biogasanlage.

Tiere, die in der vorgegebenen Zeit auf der elektronischen Waage das Ziel nicht erreichen, werden in einem Restabteil nachgefüttert. Am Ende werden sie, soweit für gesund befunden, vom Schlachthof abgeholt, um ihren vorgesehenen Platz in der menschlichen Nahrungskette einzunehmen. „Wir haben noch nie Ferkel dazu gekauft“, bestätigt Meyer das Aufgehen seiner Rechnung.

Vom Ferkel zum Spanferkel

Der Verwertungsgedanke bereitete den Kampfsportlern offensichtlich keine Probleme, Vegetarier waren nicht am Start: Mit gutem Appetit widmeten sie sich, zurück auf Hof Meyer, dem vom Osterberger Uwe Däuper zubereiteten Spanferkel und legten dabei sicherlich mehr als 860 Gramm an Kampfgewicht zu.

Bestens verstanden sich an der langen Tafel die Berufskollegen Hartmut Meyer und Martin Steinmann. Zwar gewährt Letzterer seinen Schweinen noch einen halben Meter mehr Platz pro Rüssel sowie Stroh zum Liegen, doch artgerechte Haltung attestierten sie sich gegenseitig. Martin Steinmann: „Wichtig ist doch, dass wir Landwirte, die immer weniger werden, mit anständiger Arbeit für unsere Produkte an den verschiedenen Märkten anständige Preise erzielen.“

Anständig und lecker

So definieren Lotter Schweinemäster das Verhältnis zwischen Ökonomie und Ökologie: anständig, artgerecht, auskömmlich - und lecker.