Entspannung in der Natur Warum ein Pädagoge aus Wersen zum Imker wurde

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Lotte. Süßes Gold, vor Ort produziert von Zehntausenden fleißiger Bienen, kommt seit gut einem Jahr aus dem Lotter Ortsteil Wersen: 2015 startete Hobbyimker Björn Windmann auf dem 6500 Quadratmeter großen Gartengrundstück seines Großvaters mitten im Wersener Holz seine Bienenzucht und die Vermarktung seines Naturproduktes.

Seit anderthalb Jahren ist die Imkerei für den gebürtigen Wersener, den es nach langen Jahren in Köln und Bedburg wieder in die alte Heimat zurückzog, ein kosten- und arbeitsreiches, aber begeisterndes Hobby. Seit 2011 arbeitete er als Lehrer an der Realschule Georgsmarienhütte. In diesem Jahr übernahm er als neuer Rektor die Leitung der Grundschule Schledehausen in der Gemeinde Bissendorf. Dort hat er eine Imkerei-AG gegründet. Und wie kam er selbst dazu?

Ehefrau entwarf Etiketten

„Über einen Kollegen an der Realschule Georgsmarienhütte. Der hat mich angefixt“, erzählt Windmann, der mit seiner Frau und den beiden Söhnen, 11 und 13 Jahre alt, im Wersener Wohngebiet Brookwiesen wohnt. Ehefrau Anja, von Beruf Grafik-Designerin, hat übrigens die Etiketten für die Honiggläser entworfen und betreut die Website.

Weil er die Bienenhaltung und den Umgang mit dem Naturprodukt der Immen so faszinierend gefunden habe, absolvierte Björn Windmann von April bis September 2015 bei Profi-Imker Dennis Schüler einen Lehrgang. Mit drei Völkern begann er danach seine eigene Imkerei; inzwischen sind es acht Völker mit auf dem Höhepunkt der Saison um die 50000 Bienen pro Volk.

Garten mit Obstbäumen

Die Beuten mit den Zargen, also die Türme aus den einzelnen Bienenkästen, in die jeweils elf Waben eingehängt sind, stehen auf Holzpaletten in dem weitläufigen Garten mit Obstbäumen. Die äußeren Waben sind Futterwaben, daneben dann die Pollenwaben und die Brutwaben mit den Larven.

Frühtracht schon ausverkauft

„Die erste Tracht ist schon im Eimer“, berichtet der Wersener. Denn die Frühtracht, also der erste Honig aus dem Nektar von Frühblühern, „in diesem Jahr etwas über 80 Kilo“, ist bereits verkauft. Fünf Euro nimmt er für ein 500-Gramm-Glas des lokalen, von Hand statt industriell geschleuderten Naturproduktes. Fünf Cent pro Glas gehen an das Netzwerk „Blühende Landschaft“, das sich für den Erhalt von Bienen, Hummeln, Schmetterlingen und Co. einsetzt. „Das ist ein fairer Preis“, findet der Hobbyimker und schwärmt: „Das Schöne ist, mit den Händen ein hochwertiges Lebensmittel zu produzieren.“

Brombeer- statt Rapsblüten

Jetzt ab Juni sorgen Brombeer- und Kirschblüten, Weißklee oder Linde für Bienennahrung und Honiggrundstoff. „Etwas Waldhonig ist auch dabei, aber dieses Jahr kein Raps“, berichtet Windmann. Dafür freut er sich darüber, wenn die Landwirte als Zwischenfrucht Phacelia anbauen, denn dieser blauviolett blühende Bodenverbesserer sei eine hervorragende Bienenweide.

Bald zweite Honigernte

In etwa drei Wochen werde die zweite Tracht in diesem Jahr geerntet. „Dann ist das Bienenjahr vorbei“, sagt er und erklärt, dass man den Bienen nach der erneuten Honigernte genug Nahrung lassen müsse, damit ab August die Winterbienen schlüpfen können. Die Sommerbienen sterben im Spätsommer und frühen Herbst ab, die verbleibenden rund 8000 Bienen pro Volk bilden eine Wintertraube um die Königin und halten sie und sich selbst warm.

Keine Faulbrut

Im vergangenen milden Winter ging nach seinen Worten kein Volk verloren; gefühlt seien sie sogar stärker daraus hervorgegangen. Ein Problem sei dann allerdings die Bekämpfung der Varroamilbe. Ein kalter und später Frühling sei in dieser Hinsicht nützlich: Wenn Bienen im Frühjahr erst spät anfangen, Nektar und Pollen zu sammeln, seien sie besser vor den Parasiten geschützt, die vor allem Drohnenbrut befallen. „Es gibt kein Volk, in dem die Varroamilbe nicht auftritt“, seufzt der Wersener Imker. Auch für die gefürchtete amerikanische Faulbrut liege das Tecklenburger Land noch im Sperrgebiet, aber: „Die letzten Futterkranzproben waren negativ.“ Es gab also keine Krankheitserreger in seinem Bienenstock.

Schwarm in Nachbars Hecke

Mindestens einmal in der Woche kontrolliert er seine Beuten und vernichtet die Drohnenwaben, um die Varroamilbe zu bekämpfen. Wird ein Volk zu groß, muss der Imker es teilen – möglichst, bevor es ausschwärmt. Anfang Mai musste Björn Windmann einen Schwarm einfangen, der sich als Traube in der Hecke des Nachbarn niederließ: „Das ist ein Naturschauspiel“, erzählt er. Wichtig sei, dass man beim Abstreifen des Schwarms die Königin mit einfängt. Denn die Arbeiterinnen folgen ihr.

Keine Angst vor Stichen

Es sei faszinierend, das Leben im Bienenstaat zu verfolgen und mit ihnen in der Natur zu arbeiten. An gelegentliche Stiche gewöhne man sich. „Das ist sehr entspannend“, erklärt der Wersener. Deshalb versucht er, sein Hobby auch seinen Schülern in Schledehausen nahe zu bringen: „Viele haben Angst. Ich nehme sie dann mit und lasse sie aus der Entfernung zuschauen. Dann sind sie oft ganz fasziniert.“ So wie er selbst.

Unter dem Label „Wersener Honig“ ist es im Internet unter honig-aus-wersen.de zu bestellen.


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