Jugendschöffengericht Ibbenbüren Drogenscreenings und Sozialstunden für Jugendliche aus Westerkappeln und Lotte

Von Dietlind Ellerich

Das Jugendschöffengericht Ibbenbüren „brummte“ zwei Angeklagten aus Lotte und Westerkappelnneben Sozialstunden gleich ein ganzes Bündel von Maßnahmen auf. Symbolfoto: Michael GründelDas Jugendschöffengericht Ibbenbüren „brummte“ zwei Angeklagten aus Lotte und Westerkappelnneben Sozialstunden gleich ein ganzes Bündel von Maßnahmen auf. Symbolfoto: Michael Gründel

Lotte/Ibbenbüren. Was tun mit jungen Leuten, die nicht nur Drogen besitzen, sondern auch mit ihnen handeln? Das Jugendschöffengericht Ibbenbüren „brummte“ zwei Angeklagten aus Lotte und Westerkappeln einvernehmlich mit Staatsanwaltschaft und Verteidigung neben Sozialstunden gleich ein ganzes Bündel von Maßnahmen auf, um sie in Zukunft von Drogen fernzuhalten.

Auf Sozialstunden, Suchtberatung, den Beginn respektive die Fortsetzung von Therapien sowie unangemeldete Drogenscreenings auf Kosten der Angeklagten einigten sich Staatsanwaltschaft, Jugendgerichtshilfe, Verteidigung und das Jugendschöffengericht Ibbenbüren am Montag vor Beginn der öffentlichen Hauptverhandlung in einer Vorbesprechung hinter verschlossenen Türen. Voraussetzung für die in Aussicht gestellten Rechtsfolgen und Auflagen war, dass die jungen Männer aus Lotte und Westerkappeln die Anklagevorwürfe einräumten.

Unerlaubter Besitz von Betäubungsmitteln

Die Staatsanwaltschaft warf den heute 19- bis 22-Jährigen den unerlaubten Besitz von Betäubungsmitteln zwischen Januar 2014 und August 2015 vor. Ein 19-Jähriger wurde zudem des Handels in zehn Fällen beschuldigt. Er bekam mit 120 Stunden die höchste Strafe aufgebrummt. „Er hat sich an der Abhängigkeit der anderen bereichert und Hilfe von Seiten der Jugendgerichtshilfe missachtet“, sagte der Vorsitzende Richter zur Begründung seines Urteils nach Jugendstrafrecht.

90 Sozialstunden

90 Sozialstunden auch wegen Beihilfe kassierte ein weiterer 19-Jähriger, der den Gleichaltrigen an den Tattagen mit dem Auto chauffiert hatte. Die Ermittler kamen den jungen Männern auf die Schliche, als sich diese im Juni des vergangenen Jahres zum Luftgewehrschießen in einem Wald im Lotteraner Ortsteil Halen trafen. Eine Anwohnerin hatte wegen der Schüsse die Polizei alarmiert. Bei der folgenden Kontrolle fanden die Beamten in einem Fahrzeug Betäubungsmittel. Weitere Details kamen bei den polizeilichen Vernehmungen sowie bei einer Wohnungsdurchsuchung in Mettingen im August 2015 ans Licht.

Anstoß zur Trendwende

„Sie sollten sich bei der Zeugin bedanken, die das Schießen gehört hat“, machte der Vorsitzende Richter dem Quartett deutlich, dass deren Handeln den Stein ins Rollen gebracht und durch das Strafverfahren den Anstoß zur Trendwende im Leben der Vier gegeben habe. Angesichts all der Perspektivlosigkeit, die er tagtäglich im Gerichtssaal erlebe, empfinde er es als beachtlich, dass es bei intelligenten Menschen möglich sei, den Hebel umzulegen, lobte er die geständigen jungen Männer wegen ihrer Einsicht und ihrer Bemühungen, schon im Vorfeld der Verhandlung die Lage in den Griff zu bekommen.

Dabei sollte sie nun bleiben und auch Hilfe anzunehmen, gab er ihnen noch mit auf den Weg.


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