Lottes Herrchen noch gut dran Hundesteuer in den Nachbarkommunen deutlich höher

Von Angelika Hitzke

Ausgelassen tollt Lottes Vize-Bürgermeisterin Helga Strübbe mit ihrer dreijährigen Hündin Kira im Garten herum. Ihr Herz gehört aber nicht nur Tieren, sondern vor allem den Menschen in der Gemeinde. Foto: Angelika HitzkeAusgelassen tollt Lottes Vize-Bürgermeisterin Helga Strübbe mit ihrer dreijährigen Hündin Kira im Garten herum. Ihr Herz gehört aber nicht nur Tieren, sondern vor allem den Menschen in der Gemeinde. Foto: Angelika Hitzke

Lotte. Was Lotter Hundebesitzer für ihre Lieblinge jährlich bezahlen müssen, ist noch moderat. Wie viele angemeldete Hunde gibt es, wie viel nimmt die Gemeinde dadurch ein und wie unterscheidet sich die Hundesteuersatzung hier von der in den Nachbarkommunen Westerkappeln, Mettingen und Tecklenburg?

Vor fünf Jahren, im März 2011, gab es 947 angemeldete Hunde in ganz Lotte, die der Gemeinde Steuereinnahmen in Höhe von 39700 Euro bescherten. Aktuell gibt es offiziell 1228 Hunde in der Gemeinde. Sie brachten dem Gemeindesäckel im vergangenen Jahr laut Kämmerer Jörg Risse 45828 Euro ein.

Kampfhunde kein Thema mehr

Die Hundesteuersatzung ist hier übrigens seit 2005 unverändert. Danach sind für einen Hund 42 Euro im Jahr zu zahlen, bei zwei Hunden je Hund 48 Euro und bei drei und mehr Hunden 60 Euro pro Tier. Für ein nach der Landeshundeverordnung als gefährlicher Hund eingestuftes Tier (Kampfhund) sind jährlich 312 Euro zu berappen, bei zwei oder mehr Kampfhunden sogar 384 Euro pro Tier. Nach Auskunft von Ordnungsamtsleiterin Esther Kleina-Metelerkamp sind in Lotte aber gerade mal zwei Hunde aus der Liste der gefährlichen Rassen (siehe unten) angemeldet.

Da Lotte finanziell vergleichsweise gut dasteht, ist eine Erhöhung der Hundesteuer hier derzeit kein Thema. Anders sieht das in Westerkappeln und vor allem in Tecklenburg aus: Sowohl die Nachbarkommune im Westen, als auch die Festspielstadt im Süden sehen sich seit Jahren gezwungen, ihren Haushalt zu konsolidieren.

In Westerkappeln waren im Jahr 2015 nach Auskunft der Verwaltung 1163 Hunde angemeldet, für die insgesamt rund 54000 Euro Steuern gezahlt wurden.

An eine Anhebung der Hundesteuersätze, die hier seit 2007 gelten, sei aber nicht gedacht. Sie liegen ohnehin höher als in Lotte. So muss man in Westerkappeln für einen Hund 48 Euro im Jahr bezahlen, bei zwei Hunden 60 Euro pro Hund, bei drei oder mehr Hunden je 72 Euro, bei einem „Kampfhund“ 384 Euro und ab zwei gefährlichen Hunden 480 Euro pro Tier und Jahr.

Ermäßigungen für Gebrauchshunde

Steuerbefreiungen oder -ermäßigungen gibt es generell nur auf Antrag und nur für geprüfte Blinden-, Melde-, Sanitäts- und Schutzhundc oder Wachhunde, wobei dann bestimmte Bedingungen zu erfüllen sind. In Mettingen gibt es zudem eine Ermäßigung für Züchter, die dafür die sogenannte Zwingersteuer zahlen.

Die Tüöttengemeinde hat ihre Hundesteuersätze erst im Jahr 2013 angehoben. Danach sind dort 60 Euro für einen Hund, je 70 Euro bei zwei Hunden, je 80 Euro bei drei oder mehr Hunden und 312 Euro für einen gefährlichen Hund beziehungsweise 384 Euro pro Tier bei zwei oder mehr „Kampfhunden“ zu zahlen. Bei 980 angemeldeten Hunden bescherte das Mettingen im vergangenen Jahr Einnahmen von 56484 Euro, wie die Gemeindeverwaltung auf Anfrage mitteilte.

Haushaltskonsolidierung in Tecklenburg

Tecklenburg hat seit einigen Jahren ein Haushaltssicherungskonzept mit einem Maßnahmenplan zur Konsolidierung der desolaten Finanzlage. Zu diesen Maßnahmen gehört auch eine drastische Anhebung der Hundesteuer in zwei Stufen, nämlich zu 2017 und 2019. Die Entscheidung darüber wurde vom Haupt und Finanzausschuss, der am Dienstag getagt hat, auf die Stadtratssitzung in zwei Wochen verschoben.

Bisher galt für den ersten Hund ein Steuersatz von 78 Euro im Jahr, bei zwei Hunden 91 Euro pro Hund, bei drei oder mehr Hunden 105 Euro pro Tier und Jahr. Gefährliche Hunde schlugen mit 624 beziehungsweise je 780 Euro bei zwei oder mehr „Kampfhunden“ zu Buche.

Erhöhung in zwei Stufen

Geplant ist jetzt , diese Beträge ab 1. Januar 2017 auf 90, 103, 117, 720 und 900 Euro anzuheben. Ab 1. Januar 2019 sollen jährlich sogar 96, 109, 125, 768 und 960 Euro zu berappen sein.

Nach Angaben der Verwaltung brachten die rund 900 angemeldeten Hunde der Stadt im vergangenen Jahr nach den alten Sätzen 71500 Euro ein. Geht die Anhebung wie geplant durch, dürfte das bald erheblich mehr werden. Andererseits: Wer noch keinen Hund hat und in Tecklenburg wohnt, wird sich dann vielleicht lieber eine Katze als Haustier zulegen.

Potenziell gefährliche Hunde nicht erwünscht – Hundesteuer als Steuerungsinstrument

Viele deutsche Bundesländer führen eine Liste mit Hunderassen, die rassebedingt als gefährlich aufgeführt oder deren Gefährlichkeit vermutet wird.

In den Bundesländern Bayern und Baden-Württemberg wird der Begriff Kampfhund verwendet.

In den meisten Bundesländern kann ein Hund nach Bestehen eines Wesenstests von den Maßnahmen befreit werden, die für Listenhunde vorgeschrieben sind, in einigen Ländern gilt das nicht für alle Rassen.

In Nordrhein-Westfalen gelten Pitbull Terrier, American Staffordshire Terrier, Staffordshire Bullterrier und Bullterrier und deren Kreuzungen untereinander sowie deren Kreuzungen mit anderen Hunden als gefährliche Rassen. Das Landesgesetz umfasst auch Auflagen für die Rassen Alano, American Bulldog, Bullmastiff, Mastiff, Mastín Español, Mastino Napoletano, Fila Brasileiro, Dogo Argentino, Rottweiler und Tosa Inu.

Zu den Bestimmungen dieses Gesetzes zählt, dass ein Sachkundenachweis Voraussetzung für das Halten sogenannter 20/40-Hunde (große Hunde) und Hunde bestimmter Rassen ist. Ein solcher Hund ist fälschungssicher mit einem Transponder als Tierkennzeichnung zu versehen und zu versichern. Ebenso sind Bestimmungen zum Leinenzwang enthalten.

Die Auswirkungen des Gesetzes werden vom NRW-Umweltministerium in Statistiken dargestellt. Als Erfolg wird in einem Bericht des Umweltministeriums von 2007 gewertet, dass die Zahl der gemeldeten Vorfälle gegenüber 2003 um ein Viertel, nämlich auf 2210 Beißvorfälle und 1627 sonstige Vorfälle (wie das Umrennen von Passanten), gesunken sei. Städte und Kommunen nutzen das Instrument der Besteuerung, um die Zahl gefährlicher Hunde einzudämmen.Quelle: Wikipedia