Sitze und Farbspirale Kunstkreis Lotte gibt Eichentorso neues Leben

Von Ursula Holtgrewe


Lotte. Biologisch ist der Eichentorso vorm Alt-Lotter Haus Hehwerth als tot einzustufen. Der Kunstkreis Lotte möchten dem beeindruckenden Stamm nun zu neuer Würde verhelfen.

Wie ein Mahnmal ragt der Torso der Eiche gen Himmel. Die Krone wurde gefällt , weil der Baum innen Zersetzungsspuren aufwies, die die Standfestigkeit nicht länger sicherstellten.

Möglichst viel Stammhöhe erhalten

Weit mussten sich die Kreativen am Fuß des Baumes nach hinten lehnen, um das Ende zu erspähen. „Der Stamm wird noch gekürzt,“ berichtete Claus Weidner. „Je mehr übrig bleibt, umso besser wirkt es“, war die einhellige Meinung aller. Weidner versprach sich kundig zu machen, in welcher Höhe abgeschnitten werden soll: „Die Länge ist abhängig von der Krankheit. Ich versuche zu erreichen, dass möglichst viel stehen bleibt.“ Von Lottes Umweltbeauftragter Ursula Wilm-Chemnitz weiß er inzwischen, dass es im Amt noch einige Punkte zu klären gibt, bevor der Kunstkreis loslegen kann.

Naturfarben: Rostbraun und Moosgrün

Beim Ortstermin hatte Renate Bodi das dekorative Mal in der Rinde entdeckt. „Es sieht toll aus, dass hier ein Stück der Rinde abgenommen wurde und vor allem der Kontrast von Rostbraun und Moosgrün des Belages außen“, begeisterte sie sich für den natürlichen Farbkontrast.

Weil es draußen zu frisch war, saßen die Kunstkreismitglieder wenig später im Vereinslokal Hotel Knüppe beisammen. Klara Harhues, erklärte auch Gabriele Menge, Helga Strübbe, Günter Bodi und Kazimierz Hrycyna ihre Idee. „Es sind nur Vorschläge“, betonte Klara Harhues.

Sitzgelegenheiten und Farbspirale

Unten im Mulch des Beetes sollen um den Stamm Sitzgelegenheiten installiert werden. Um den Stamm zieht sich eine in die Rinde gefräste Spirale. „Sie soll alle Farben bekommen, die wir im Kunstkreisemblem führen. Wir möchten uns mit dem Projekt als Kunstkreis präsentieren“, erklärte die Künstlerin.

„Christian Anschütz hat zugesagt, die Spirale zu kolorieren“, berichtete Weidner über das Engagement des professionellen Airbrushers.

Kupferblech als Spitze formen

Ihre Überlegungen hatte Harhues skizziert. Demnach wird der Torso in seinem zweiten Leben ein wenig wie ein Bleistift aussehen. Dessen Spitze wird gleichfalls etwas Besonderes werden.

Auch Günter Bodi hatte sich Gedanken gemacht. Ihm war wichtig, dass keine Feuchtigkeit von oben in das Kunstwerk eindringt und die Zersetzung beschleunigt. „Vielleicht geht es, dass man auch einem Kupferblech so etwas wie eine Bleistiftspitze formt“, schlug er angeregt durch die Skizze vor. „Das Ganze sieht bestimmt gut aus“, lobte Helga Strübbe.

Künstlerische Freiheit

„Man müsste die Spitze aber befestigen, damit kein Sturm sie abheben kann“, hatte sich auch Gabriele Menge mit dem Vorschlag schon angefreundet. „Das müsste zu machen sein, aber wir brauchen eine hohe Leiter“, sagte Kazimierz Hrycyna. „Ja, und die Abdeckung sollte nicht symmetrisch wie ein Dach aussehen“, machte Renate Bodi klar, dass auch bei dieser Arbeit künstlerische Freiheit zum Gelten kommen wird.

Schritt eins, aus dem rund 100 Jahre alten Eichenstamm ein Kunstobjekt zu kreieren ist vollzogen. Man darf gespannt sein, wann der Kunstkreis loslegt und ob sich Sponsoren für das Projekt finden.