Die Queen zu Gast in Wersen Erfolgreicher English Village Day an der GHS Lotte

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Eine Polizeistation gehört in jedes Dorf. Auch das „English Village“ der GHS. Foto: Jannik ZeiserEine Polizeistation gehört in jedes Dorf. Auch das „English Village“ der GHS. Foto: Jannik Zeiser

Lotte. Dass in einer Schule englisch gesprochen wird, ist durchaus nicht ungewöhnlich, zumindest, wenn es sich um den Englischunterricht handelt. Wenn aber am „English Village Day“ der Gemeinschaftshauptschule Lotte auch außerhalb der Klassenräume Englisch zur Umgangssprache wird, dann kommt sogar die Queen zu Besuch.

Ein ganzes englisches Dorf haben Schüler und Lehrer am Donnerstag im Erdgeschoss der GHS entstehen lassen. Jede Englischklasse der Stufen 7 bis 10 hat eine Station beigetragen. So gab es etwa ein Fitnessstudio, ein Postamt und eine Polizeistation. Das Projekt erstreckte sich über einen ganzen Schultag: Aufbau, Besuch des Dorfes und Abbau nahmen jeweils zwei Schulstunden in Anspruch. Wichtige Regel: Während das Dorf stand, durfte nur englisch gesprochen werden.

Schulleiterin Annette Ohlig ist sichtlich stolz auf das Projekt. „Der englische Spracherwerb ist auch außerhalb des Unterrichts wichtig – gerade in Hinblick auf die Flüchtlingssituation“, erzählte sie. Die Idee für das Projekt gehe auf die Initiative einer Referendarin zurück: „Corinna Aust hat die Aktion angeregt und mitorganisiert. Für die Schüler wie auch für die Kollegen ist das eine völlig neue Sache.“ Es gehe darum, zu zeigen, dass auch mit wenigen Sprachkenntnissen eine Verständigung möglich sei. Auch für die Kollegen, die nicht Englisch unterrichten, sei der Tag durchaus eine Herausforderung. „Es sind nicht alle Fachleute in der englischen Sprache. Auch das ist für die Schüler sicher interessant zu sehen.“

Schüler nehmen das Projekt gut an

Auf den Fluren und an den Ständen wurde dann auch tatsächlich Englisch gesprochen – wenngleich viele gerne auf Deutsch auswichen. „English, please“, ermahnten die Lehrer dann.

Ausgerüstet mit einem Zettel besuchten die Schüler die Stationen, die ihre Mitschüler im Wechsel betreuten. Wer besonders fleißig war und sich viele Stationen abzeichnen ließ, konnte auf eine Belohnung hoffen. Ein freier Nachmittag könnte das beispielsweise sein, stellte Ohlig in Aussicht. Regelrechte Warteschlangen bildeten sich etwa vor dem Fitnesscenter „McFit“. Verschiedene Übungen wie Liegestütze, Wurf- und Geschicklichkeitsspiele standen hier auf dem Programm. „Wer alle Übungen erfolgreich besteht, bekommt am Ende Süßigkeiten zur Belohnung“, erklärte die „Leiterin“ des Fitnesscenters.

Im Jobcenter gaben Zehntklässler ihren Mitschülern eine Berufsberatung auf Englisch. Zettel und Plakate mit wichtigen Vokabeln und Sätzen halfen an vielen Stationen dabei, eventuelle Sprachbarrieren zu überwinden. „Ich bin wirklich positiv überrascht“, erzählte die Zehntklässlerin Alexandra Kohlmann. Ihr mache der English Day großen Spaß, sie hält das Projekt für gelungen. Ihr kam entgegen, dass sie Spaß am Englischsprechen hat.

So euphorisch zeigten sich zwar nicht alle Schülerinnen und Schüler, aber wohl die meisten konnten dem Projekt etwas abgewinnen. „Es macht schon Spaß, wir haben auch meistens auf Englisch geredet“, berichteten etwa Furkan und Mertcan.

Für royalen britischen Flair sorgte Lehrerin Annette Nesslage, unverkennbar verkleidet als Queen, samt Hut und Kleid. Die Königin äußerte „bewundernde Anerkennung“ und als Lehrerin fügte sie hinzu: „Es ist auf jeden Fall eine herrliche Alternative zu der gewöhnlichen Woche vor den Zeugnissen.“

Projektwoche in Aussicht

Einer Schülerin gefiel der englische Vormittag so gut, dass sie gleich eine Fortsetzung des Konzepts vorschlug: „Ein ‚International Day‘ wäre doch toll, mit Stationen zu verschiedenen Ländern.“ Schulleiterin Annette Ohlig bestätigte später im Gespräch, dass solch eine Idee tatsächlich in Planung sei. Im Mai werde es eine Projektwoche geben, bei der vor allem Projekte zu internationalen Themen angeboten werden. Die internationale Klasse der Schule könnte hierbei gut eingebunden werden; 35 Flüchtlingskinder besuchen die GHS derzeit.

„Der Schulbetrieb läuft zwar aus, die Schüler sollen aber trotzdem eine anregende Lernatmosphäre haben. Deshalb wollen wir gerade jetzt durch Projekte gezielt Akzente setzen“, erklärte die Schulleiterin. Dass es an der GHS Lotte gut um das soziale Miteinander steht, sieht sie nach dem English Village Day bestätigt: 280 Schüler einen Vormittag lang auf engem Raum – da sei es nicht selbstverständlich, dass die Sache konfliktfrei ablaufe.


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