Anja Karliczek an der Hauptschule Sicherheit und Flüchtlinge Thema beim Besuch in Lotte

Meine Nachrichten

Um das Thema Lotte Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Keine Berührungsängste auf beiden Seiten: Anja Karliczek bei ihrem Besuch an der Gesamthauptschule Lotte mitten unter den Schülern der 10b mit Klassenlehrerin Lucia Theilmeier (hinten rechts) und davor „Kontaktfrau“ Corinna Aust. Foto: Erna BergKeine Berührungsängste auf beiden Seiten: Anja Karliczek bei ihrem Besuch an der Gesamthauptschule Lotte mitten unter den Schülern der 10b mit Klassenlehrerin Lucia Theilmeier (hinten rechts) und davor „Kontaktfrau“ Corinna Aust. Foto: Erna Berg

Lotte. Hautnah und verständlich brachte CDU-Bundestagsabgeordnete Anja Karliczek am Montag aktuelle Politik ins Klassenzimmer der Klasse 10b der Gemeinschaftshauptschule Lotte. Die Schüler erfuhren, wie der Alltag einer Politikerin mit Büros in Berlin und Ibbenbüren aussieht und was an Privatleben übrig bleibt. In einer lebhaften Diskussion sprachen 23 Schüler und die Abgeordnete über brennende Themen der Flüchtlingspolitik.

Die Klasse 10b hatte das vielseitige Thema zusammen mit Lehramtsanwärterin Corinna Aust erarbeitet und sich sorgfältig auf diesen außergewöhnlichen Schultag vorbereitet. Die Schüler konnten es erst gar nicht glauben, dass die Bundestagsabgeordnete sie persönlich im Unterricht besuchen würde, glaubten an einen „Fake“. Doch Corinna Aust kennt Anja Karliczek schon seit vielen Jahren und hat das Treffen, über das sich auch Schulleiterin Annette Ohlig sehr freute, möglich gemacht.

Unvoreingenommen diskutieren

Die Politikerin, seit zwei Jahren als Abgeordnete in Berlin mit den Schwerpunkten Steuerrecht/Kapitalmarktregulierung und Tourismus, bekannte, dass sie gerne Schulen besuche und mit jungen Menschen diskutiere: „Sie sind noch so unvoreingenommen, haben noch keine vorgefasste Meinung.“

„Merkel – ein Mensch, auf den ich mich verlassen kann“

Jede zweite Woche sei sie in Berlin und treffe dementsprechend oft Angela Merkel. Wie sie die Bundeskanzlerin denn so finde, wollten die Schüler wissen. „Sie ist so unaufgeregt, nicht sprunghaft und sehr bodenständig, das schätze ich an ihr. Sie ist immun gegen Stimmungsmache, besonders jetzt, wo ihr der Wind so stark ins Gesicht bläst, das finde ich sehr gut. Sie ist ein Mensch, auf den ich mich verlassen kann“, beschrieb Karliczek ihre Chefin.

Sicherheit wichtiger als Datenschutz

Die Politikerin sammelt in ihrem Wirkungskreis immer Meinungsbilder, die sie dann mit nach Berlin nimmt. Ein klares Statement zum Thema Sicherheit und Datenschutz gab ihr die 10b mit auf den Weg in die Hauptstadt: „Uns ist die Sicherheit so wichtig, dass wir bereit sind, dafür eine Weltdatenbank zu akzeptieren.“ Datenschutz und Sicherheit unter einen Hut zu bringen, das sei ein langer Prozess mit viel Überzeugungsarbeit. Erst wenn der Druck und die Sicherheitsgefährdung in Deutschland sehr groß werden, käme die gesellschaftliche und politische Akzeptanz, so die Abgeordnete. 100-prozentige Sicherheit gäbe es in Deutschland nicht, Polizeipräsenz und Vorsicht seien sinnvoll, aber: „Haltet selber die Augen offen“, legte sie den Schülern nahe.

Karliczek nahm Stellung zur AfD und ermutigte die Schüler, die Aussagen der rechtspopulistischen Partei insbesondere zur Flüchtlingspolitik kritisch zu betrachten.

Waffen für den Frieden?

Die Fragesteller wollten wissen, ob es sinnvoll sei, Waffen in Kriegsgebiete zu schicken. „Ob wir Waffen an die Kurden liefern dürfen, damit sie sich wehren können? Das ist eine Frage wie die Wahl zwischen Pest und Cholera“, versuchte die Politikerin zu erklären. „Wenn wir nichts machen, dann ist auch kein Friede. Aber wir wissen auch nicht, ob die Leute nicht anschließend die gleichen Waffen wieder gegen Menschen richten, die wir schützen wollen.“

Sie sprach über Syriens Diktator Assad, die Russen und die Türken: „Die Gemengelage im syrischen Bürgerkrieg ist kompliziert. Wir brauchen Verbündete wie die Russen und die Türken, weil die Not so groß ist. Es ist Frau Merkel bestimmt nicht leicht gefallen, zu Präsident Erdogan zu fahren und ihn um Hilfe zu bitten.“

Verantwortung, zu helfen

Die Bundestagsabgeordnete begründete die Arbeit der Bundeswehr in Krisen- und Kriegsgebieten im Nahen Osten und Afrika: „Jeder muss ein Stück Verantwortung tragen, wir Deutschen leisten das, was wir können. Wir unterstützen die Peschmerga durch Ausbildung im Kampf gegen den sogenannten Islamischen Staat, leisten militärische Aufklärungsarbeit und schützen den französischen Flugzeugträger. Unterstützung bräuchten auch die Flüchtlinge: „Wenn jeder ein bisschen hilft, kriegen wir das auch hin!“

Kontakt zu Flüchtlingen fördert Verständnis

Schüler Marcel Maaßen hat sich die Geschichte eines Mitschülers aus dem Kosovo, der in die Internationale Willkommensklasse geht, angehört und hinterher gedacht: „Ich bin froh, dass ich hier lebe, wo alles so selbstverständlich ist.“ Seit dem Sommer gibt es die DaZ-Klasse (Deutsch als Zweitsprache) an der GHS, in die Schüler zwischen 11 und 18 Jahren gehen, unter anderen aus Syrien, Lettland, Russland und Albanien. An fünf Tagen in der Woche erhalten sie hier jeweils fünf Stunden Deutschunterricht. Diese Kontakte und dass sich die Schüler für das Schicksal ihrer Mitschüler interessieren, fand Anja Karlizcek gut. Die Abgeordnete betonte, dass dort, wo die Durchmischung mit Einheimischen und Flüchtlingen am geringsten sei, die größten Ängste und Unsicherheit herrschen.

Zu lange rausgehalten

Sie zeigte Verständnis für die Länder, die aus bestimmten Gründen keine Flüchtlinge aufnehmen möchten. Karliczek übte aber auch Kritik an Deutschland und der EU, die sich lange aus der Flüchtlingspolitik rausgehalten hatten, zum Beispiel, als es in Lampedusa schon „brannte“. Sie äußerte sich sehr zuversichtlich, dass die EU trotzdem eine gemeinsame Lösung hinkriegt. „Es funktioniert noch nicht alles, aber wir holen auf und sind dabei Strukturen auf sichere Füße zu stellen.“ (Weiterlesen: noz-Themenseiten zur Flüchtlingssituation)


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN