Ohne Vertrag keine Trägerschaft Lotter Ausschuss für Kinderland als Kita-Betreiber

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Für die Sicherheit der kleinen Besucher sorgen soll die Querungshilfe  auf der Cappelner Straße an der Kinderland-Kita in Alt-Lotte. Foto: Ursula HoltgreweFür die Sicherheit der kleinen Besucher sorgen soll die Querungshilfe auf der Cappelner Straße an der Kinderland-Kita in Alt-Lotte. Foto: Ursula Holtgrewe

Lotte. Der Lotter Ausschuss für Schulen, Sport, Soziales und Kultur (ASSK) empfiehlt dem Kreisjugendhilfeausschuss bei drei Enthaltungen, der Kinderland gGmbH Ibbenbüren die Trägerschaft für die noch zu errichtende Drei-Gruppen. Kindertageseinrichtung zu übertragen. Das Kreisgremium entscheidet am Donnerstag darüber, ob der einzige Bewerber auf die Ausschreibung den Zuschlag bekommt. In der Sitzung des Lotter Ratsgremiums hatten am Dienstag Kinderland-Geschäftsführer Bernhard Jäschke und die Leiterin der beiden schon bestehenden Kinderland-Kitas in Büren und Alt-Lotte, Nicole Denk, Struktur und Philosophie des gemeinnützigen Unternehmens sowie das Trägerkonzept vorgestellt.

Auf der Grundlage der Kindergartenbedarfsplanung für 2016/17 und der steigenden Nachfrage hatte das Kreisjugendamt die Trägerschaft für eine weitere Kita zusätzlich zu den sechs bestehenden Kitas im Gemeindegebiet ausgeschrieben. Einzige Bewerberin war die Kinderland gGmbH, die den neuen Kindergarten, der westlich des Bürener Berges in Wersen nach dem Investorenmodell errichtet werden soll, betreiben will und den Investor gleich mitbringen würde. Die Beschlussempfehlung für den Ausschuss sah neben der Kinderland-Trägerschaft vor, dass die Gemeinde Lotte den Trägeranteil zu den jährlichen Betriebskosten übernimmt und zur Finanzierung der Erstausstattung einen Zuschuss von 165000 Euro gewährt. Dem Antrag des Trägers auf Abschluss eines Trägervertrages und Übernahme einer Ausfallbürgschaft sollte der Ursprungsvorlage zufolge nicht entsprochen werden.

23 Jahre Kita-Erfahrung

Vor der Diskussion betonte Kinderland-Geschäftsführer Jäschke , dass die Kinderland gGmbH als Tochter des 1982 unter dem Dach des Paritätischen Wohlfahrtsverband gegründeten Vereins „Lernen fördern“ in zwölf Tageseinrichtungen mit rund 160 Fachkräften insgesamt 700 Kinder betreue und damit mehr als 20 Jahre Erfahrung habe: Seit 1992 habe Kinderland zehn Einrichtungen geplant und errichtet. Oberster Grundsatz sei wie auch in den anderen der vielfältigen Projekte von „Lernen fördern “ Inklusion und Integration.

Bildungsarbeit

Nicole Denk erläuterte die Schwerpunkte des pädagogischen Konzeptes: „Wir legen Wert auf gute Bildungsarbeit“, unterstrich sie. Alle Kinderlandeinrichtungen seien Familienzentren und Bewegungskindergärten, viele hätten zusätzlich den „Pluspunkt Ernährung“ und seien als „Haus der kleinen Forscher“ zertifiziert.

Jeden Tag werde in Gleitzeit ein ausgewogenes Frühstück angeboten. Hausbesuche der späteren Bezugserzieherin, Schnupperstunden und intensive Aufnahmegespräche sorgten für einen sanften Übergang zur Kita, wobei das Kind das Tempo vorgebe. „Wir sehen uns als Familienunterstützer“, betonte sie.

Vereinbarkeit Familie und Beruf

Mit den ganzjährigen Öffnungszeiten montags bis freitags von 7 bis 17 Uhr bis auf zwei pädagogische Planungstage sowie Heiligabend und Silvester, wo auch Kinderland-Einrichtungen geschlossen sind, arbeite man für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. „Eltern können wählen zwischen 25, 35 oder 45 Stunden Betreuungszeit und diese dem individuellem Bedarf entsprechend verteilen“, erklärte Denk, „nur die Kernzeit von 9 bis 12 Uhr ist verpflichtend.“

Inklusion und Integration

Großes Thema sei die Inklusion nicht nur von Kindern mit Handicap, sondern auch als Zusammenleben verschiedener Nationalitäten, Kulturen und Altersgruppen.

Maria Brockhaus, als sachkundige Bürgerin für die SPD im Ausschuss, wollte wissen, ob in den bestehenden Lotter Kinderland-Kitas bereits Flüchtlingskinder betreut werden. Dafür habe es noch keine Anfragen gegeben, so Denk. Auf die Frage von SPD-Fraktionschef Thomas Giebel, wann der neue Kindergarten aufnahmebereit sein könnte, verwies Jäschke auf den Investor: „Das Gebäude ist nicht meine Baustelle.“ Part des Trägervereins sei der Betrieb der Kita, also Leitung und Personalausstattung. Der könnte theoretisch zum 1. August 2016 aufgenommen werden; es könne aber, selbst wenn jetzt alles zügig in die Wege geleitet werde, knapp werden mit der Fertigstellung des Gebäudes. „Wir sind nur Mieter“, unterstrich er.

Träger bringt Investor mit

Auf Nachfragen von Grünen-Ratsfrau Friedel Glüder erläuterten die Kinderland-Vertreter, dass bei drei oder mehr Gruppen die Betreuungszeit auch Schichtdiensten Rechnung tragen könne, die Eltern sich aber in der Regel insbesondere bei kleineren Kitas für ein Jahr festlegen müssten. Die Miete von 8,22 Euro pro Quadratmeter – die neue Kita hätte 550 Quadratmeter – stehe fest. Und den Antrag auf Trägervertrag und Ausfallbürgschaft habe man im Rahmen des „Paketangebotes“ – Kinderland als Träger, Kita Wersen GbR als Investor – gestellt: „Wir können uns nicht auf einen langfristigen Mietvertrag einlassen, wenn keine Sicherheit da ist, dass der Kindergarten langfristig gebraucht wird“, so Jäschke.

Im Bereich Franziskus-Kirche

Glüder störte sich an der „Personalunion“ von Investor und Architekt der Alt-Lotter Kinderland-Einrichtung und daran, dass es in der Vorlage keine konkreten Angaben zum Grundstück gibt. Hauptamtsleiter Werner Borchelt sah in Ersterem keinen Interessenkonflikt und erläuterte, dass die katholische Kirchengemeinde bereit sei, im Bereich der Franziskus-Kirche Wersen dem Investor ein Grundstück in Erbpacht zur Verfügung zu stellen, aber nicht dem Träger oder der Gemeinde: „Der Mietzins ist festgelegt. Wie der Investor das kalkuliert, ist seine Sache.“

Bürgschaft verhandelbar, Vertrag nicht

Jäschke verwies darauf, dass die Ausfallbürgschaft ein Punkt sei, der den Investor betreffe, der Trägervertrag für die Kinderland gGmbH aber unabdingbar sei: „Ohne Vertrag würden wir die Trägerschaft nicht übernehmen“, stellte er klar. Solche Verträge seien auch mit allen anderen Kommunen abgeschlossen worden, in den man Kitas betreibe.

Keine Ausfallbürgschaft

Abgestimmt wurde daher über eine geänderte Vorlagenfassung: Danach würde die Gemeinde Lotte einen Trägervertrag abschließen und lediglich zur Ausfallbürgschaft für die Errichtung des Kindergartens Nein sagen. Neben den beiden Grünen-Vertretern enthielt sich auch der neu vereidigte sachkundige Berater der katholischen Kirchengemeinde im Ausschuss, Jens Holtgrave, der Stimme.


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