Wie Legosteine für Riesen Neue Methode zur Bodenverdichtung an der Dütebrücke

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Lotte/Osnabrück. Die Großbaustelle an der Bahnhofstraße (L 597) in Alt-Lotte ist nicht die einzige, die aufwendige Vorarbeiten erfordert, um den Untergrund tragfähig für ein Brückenbauwerk zu machen: Das gilt auch für die Erneuerung der A-1-Brücke über die Düte im angrenzenden Osnabrücker Ortsteil Atter unter Federführung von Straßen.NRW, wie deren Bauingenieur Martin Oberhaus vor Ort erläuterte.

Schon von Weitem sind sie zu sehen, die Türme aus Betonquadern. Wie Riesenbauklötze für das Kind im Manne muten die insgesamt 3500 je 1,60 Meter mal 80 Zentimeter mal 80 Zentimeter Betonsteine an, die sich in 32 Reihen unter der Dütebrücke türmen. Jeder Stein wiegt 2,5 Tonnen; pro Turm sind 25 Steine aufeinandergestapelt.

Türme pressen Boden zusammen

Die Steine werden nicht etwa verbaut, sondern dazu benutzt, den teils schluffig-humosen, teils sandigen Boden zu verdichten, wie Oberhaus und der Bauleiter der Wallenhorster Straßenbaufirma Wittfeld, Andreas Wiethorn, erklären: Sie pressen den Boden so lange zusammen, bis er nicht mehr nachgibt. Denn bevor die alte Brücke abgerissen und durch eine neue ersetzt werden kann – der Abriss ist laut Oberhaus für Mai 2016 vorgesehen – , muss der Boden überall so verfestigt sein, dass das Traggerüst standfest ist.

30 Zentimeter Absenkung

„Die Stützmauer da vorne hatte sich um 30 Zentimeter gesenkt“, berichtete Martin Oberhaus. Eine Pfahlgründung wie auf der benachbarten Lotter Baustelle sei hier aber nicht möglich, weil die Brücke nur 14 Meter hoch ist und das Ramm- und Bohrgerät nicht darunter passt. So sei man auf die Idee mit den „Riesenlegosteinen“ gekommen.

Und die Verdichtung damit funktioniert so: Zunächst wird der Untergrund für die Betonsteinturmreihe planiert, dann die Steine auf die vorbereitete Reihe gesetzt. Oben und unten sind Messgeräte angebracht, die mehrere Wochen rund um die Uhr registrieren, ob und in welchem Maße sich die Riesenbauklötze senken. Das wird täglich kontrolliert. Sobald sich der Boden unter der jeweiligen Betonsteinreihe nicht mehr als maximal fünf Millimeter setzt, werden die Steine an anderer Stelle neu aufgeschichtet und die Prozedur wiederholt.

Sicherung der Statik

„Wir machen das in drei Arbeitsbereichen“, so Wiethorn und Oberhaus. Insgesamt würden etwa 10000 Betonsteine dieser Größe benötigt, um den Boden so zusammenzupressen, dass die Statik für die neue Brücke gesichert ist. „Die Steine bleiben nicht hier, sondern werden danach abtransportiert und verkauft“, erläuterte Andreas Wiethorn.

Problembrücke

Die neue, 350 Meter lange und fast 40 Meter breite Brücke ist nach den Worten von Martin Oberhaus nötig, weil seit der Brückenverbreiterung im Jahr 2006 durch die stärkere Verkehrsbelastung und die zunehmenden Vibrationen Schäden in den Randbereichen aufgetreten seien. Wo jetzt Betonpfeiler die Autobahnbrücke stützen, werde künftig eine Tragkonstruktion aus neuem Stahl errichtet. „Ein enormer Aufwand“, so Oberhaus, der auch auf eine weitere Schwierigkeit hinwies, das Bauwerk bei laufendem Verkehr zu erneuern: „Das ist eine von fünf Problembrücken ín Europa“, sagte er. Denn sie besteht nicht aus zwei Teilen wie das Zentralbauwerk am Lotter Kreuz, sondern aus einem Stück. Die Betonplatte muss deshalb wie schon berichtet in zwei Teile zersägt und die Brücke jeweils halbseitig gesperrt werden.

Bahn und Ökologie

Und es gibt noch mehr Besonderheiten, die bei den vorbereitenden wie bei den eigentlichen Bauarbeiten zu beachten sind, nämlich die Bahnstrecke nach Rheine und deren Oberleitungen, die an der Unterseite der Dütebrücke entlangführen, und das Naturdenkmal Düte und das Überschwemmungsgebiet Düteaue mit Teichen und Amphibien-Lauchgewässern. „Alle Arbeitsschritte müssen mit der Bahn und den Naturschutzbehörden abgestimmt werden. Wir dürfen nur minimalste Eingriffe in Natur und Landschaft vornehmen und müssen hinterher alles wieder rückgängig machen“, erläutert Oberhaus. Das gilt insbesondere für die während der Bauphase nötige Verlegung der Fließrichtung der Düte.

Die Arbeiten werden laut Oberhaus von einem Bodengutachter aus Bielefeld und einem Ökologen und Biologen aus Westerkappeln begleitet und noch etwa drei Jahre in Anspruch nehmen.


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